Pakistans Präsidentschaftsfavorit Brutal, korrupt, psychisch krank

Asif Ali Zardari greift nach der Macht in Pakistan. Bis zu dem tödlichen Anschlag im Dezember auf seine Frau Benazir Bhutto hatte er wegen Korruptionsvorwürfen keine Chance auf ein Amt, einem Prozess entging er nur mit Verweis auf seine psychischen Probleme. Doch jetzt hat er wieder Oberwasser.

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Hamburg - Es ist, wie viele politische Beobachter in Pakistan prophezeit haben: Asif Ali Zardari ist wieder da, der Mann der ermordeten zweimaligen pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto. Noch im Dezember, kurz nach Bhuttos Ermordung, glaubte niemand daran, Zardari werde so schnell an die Macht kommen in Pakistan - zu tief saß die Erinnerung daran, wie korrupt dieser Mann ist, wie sehr er die Regierungszeit seiner Frau genutzt hat, sich selbst zu bereichern.

Präsidentschaftskandidat Zardari: Demenz, psychische Störungen, Stresssyndrom
AP

Präsidentschaftskandidat Zardari: Demenz, psychische Störungen, Stresssyndrom

Die Pakistaner hatten noch die Bilder von Zardaris Nobelhäusern in Pakistan, Dubai und Großbritannien vor Augen, die durch die Presse gingen - Villen, so die Überzeugung, die mit veruntreuten pakistanischen Steuergeldern erworben wurden. Selbst unerschütterliche Anhänger Bhuttos waren sich einig: Zardari könne kein wichtiges Amt in der pakistanischen Politik bekleiden. So wunderte es niemanden, als die Pakistanische Volkspartei (PPP) nicht den Witwer Zardari, sondern den erst 19-jährigen Sohn Bhuttos, Bilawal Zardari, zum neuen Parteioberhaupt erkor. Vater Zardari zog fortan als Parteivize aus dem Hintergrund die Fäden, da der Sohn noch in England studiert.

Im Februar münzte die PPP die Trauer um Bhutto in der Bevölkerung in einen lange Zeit für unwahrscheinlich gehaltenen Wahlerfolg um. Gemeinsam mit der konkurrierenden Muslimliga und deren Chef Nawaz Sharif - Bhuttos Erzfeind - bildete sie eine Koalition. Diese Regierung drohte dem amtierenden Präsidenten Pakistans, Pervez Musharraf, ein Amtsenthebungsverfahren an. Musharraf trat freiwillig zurück. An einem Streit über die Wiedereinsetzung von Richtern, die Musharraf entlassen hatte, zerbrach am Montag auch die Regierung.

Jetzt nutzt Asif Ali Zardari die Gunst der Stunde - er ließ sich von der PPP zum offiziellen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 6. September küren. Doch nun tauchen Dokumente von Ärzten aus Dubai und New York auf, die Zardari "schwere psychische Probleme" attestieren. Demnach litt Zardari noch im vergangenen Jahr unter "Demenz", "schwereren psychischen Störungen" und "posttraumatischem Stresssyndrom", ausgelöst durch angebliche Folterungen während der langjährigen Haftzeit Zardaris. Er sei "emotional instabil", könne sich nicht konzentrieren und nicht an die Geburtstage seiner Frau und seiner Kinder erinnern.

Während Benazir Bhutto viele Jahre in London und Dubai im Exil lebte, verbrachte ihr Mann insgesamt elf Jahre wegen Korruptionsvorwürfen in pakistanischen Gefängnissen. Die "Financial Times" zitiert am heutigen Dienstag den pakistanischen Botschafter in London, Wajid Shamsul Hasan, mit den Worten, Zardari erfreue sich jetzt aber wieder bester Gesundheit. "Während Zardari wegen nie bewiesener Vorwürfe im Gefängnis war, gab es mehrere Anschläge auf ihn", sagte Hasan. Jeder Mensch, der unter solchen Umständen leben müsse, würde an permanenter Angst um sein Leben leiden. Es sei zudem äußerst beeindruckend, wie Zardari mit dem Trauma nach der Ermordung seiner Frau fertig geworden sei.

Zardaris Anwälte hatten die jetzt bekannt gewordenen Atteste von New Yorker Psychologen und Psychiatern bei einem britischen Gericht eingereicht, um die Einstellung, zumindest aber die Verschiebung eines Korruptionsprozesses in England zu erwirken. Tatsächlich wurde das Verfahren im März dieses Jahres eingestellt.

Am heutigen Dienstag teilten auch die Schweizer Justizbehörden mit, man habe Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen Zardari eingestellt und Konten in Höhe von 60 Millionen Dollar freigegeben. Bislang war das Geld eingefroren.

In Pakistan wie im Ausland fragen sich jetzt Kommentatoren, ob Zardari überhaupt in der Lage ist, ein strategisch wichtiges Land wie Pakistan, zudem eine Atommacht, zu führen. "Ein Irrer will die Macht in Pakistan", sagt ein Journalist der englischsprachigen Zeitung "Dawn" zu SPIEGEL ONLINE. "Aber mit Irren an der politischen Spitze hat unser Land ja Erfahrung", sagt er und lacht. "Wenn man ehrlich ist, sind solche Leute bei uns ja eher die Regel als die Ausnahme." Seinen Namen will der Journalist nicht nennen - "wer weiß, nachher schafft es Zardari wirklich bis in den Präsidentenpalast in Islamabad".

Die Liste der Vorwürfe gegen den Mann ist lang, sie lassen sich größtenteils unter Korruption zusammenfassen. Gegner Zardaris berichten davon, dass Zardari seine Frau geschlagen habe, Bhutto sei gelegentlich mit blauen Flecken im Gesicht aufgetreten. Erstmals landete Zardari im Gefängnis, als der damalige Premier und Kurzzeit-Koalitionspartner Nawaz Sharif ihn einsperren ließ, weil Zardari mit rüden Methoden Geld von einem Geschäftsmann gefordert habe - indem er ihm eine Bombe ans Bein band und ihn zur Zahlung zwang. Als Bhutto 1993 Sharif als Premier ablöste, wurde der Vorwurf fallengelassen.

Jetzt will er Präsident werden. Seine Konkurrenten, der pensionierte Richter Saeed Zaman Siddiqui und der Ex-Journalist Mushahid Hussain von der Musharraf-nahen Muslimliga/Quaid, wollen das verhindern. Doch die Chancen für Zardari stehen gut: Der pakistanische Präsident wird von den vier Provinzparlamenten sowie dem Unter- und Oberhaus in der Hauptstadt Islamabad gewählt. Nach Angaben der PPP hat Zardari dort zurzeit eine knappe Mehrheit sicher.

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