Palästinenser Marwan Barghuti will Arafat beerben

Der in Israel inhaftierte Barghuti will nun doch als neuer palästinensischer Präsident kandidieren. Der charismatische Mann ist vielleicht der einzige ernst zu nehmende Konkurrent für den bisherigen Favoriten Abbas. Die radikale Hamas will die Wahl boykottieren.

Ramallah - Barghuti habe sich heute nach einem Treffen und engen Vertrauten zur Kandidatur entschlossen, sagte seine Ehefrau Fadwa. Mit der Entscheidung widerruft Barghuti seinen Verzicht vom 26. November. Damals hatte er gesagt, er werde die Bewerbung des PLO-Vorsitzenden, Mahmud Abbas, unterstützen.

Die Anhänger Barghutis gaben außerdem bekannt, Barghutis Ehefrau sei auf dem Weg nach Ramallah, um die notwendigen Unterlagen für die Kandidatur ihres Gatten bei der zentralen Wahlkommission einzureichen. Dafür sind 5000 Unterschriften nötig, mehr als 6000 sollen Barghutis Anhänger gesammelt haben.

Der Vorsitzende der Kampagne zur Befreiung Barghutis, Sajed Nimr, bestätigte die Kandidatur. Er erklärte außerdem, dass Barghutis Wahlkampfteam heute die 3000 US-Dollar auf einem Konto hinterlegt habe, die zur Kandidatur notwendig sind. Damit hätte Barghuti die Anmeldungsfrist eingehalten, die heute Mitternacht ausläuft, und könnte zur Wahl am 9. Januar antreten.

Für die Fatah-Bewegung ist Barghutis Kandidatur ein Dilemma: Bislang galt Abbas als Favorit für das Präsidentenamt. Jüngsten Umfragen zufolge ist Barghuti, der ebenfalls Fatah-Mitglied ist, bei den Wählern aber beliebter. Vor allem unter jungen Palästinensern hat Barghuti viele Anhänger. Führungsmitglieder der Fatah äußerten daher die Befürchtung, dass die Wahl die Bewegung spalten könnte.

Der 45-jährige Barghuti sitzt eine Haftstrafe von fünfmal lebenslänglich in einem israelischen Gefängnis ab. Er wird mit Anschlägen auf Israel in Verbindung gebracht. Barghuti bestreitet die Vorwürfe.

Hamas will Wahl boykottieren

Die radikale Hamas-Organisation ruft ihre Anhänger zum Boykott der Präsidentenwahl auf. Sie werde das Ergebnis der Wahl aber akzeptieren, versprach Hamas-Sprecher Ismail Hanieh. Die Hamas hatte bereits die ersten palästinensischen Wahlen 1996 boykottiert.

Laut dem palästinensischen Außenminister Nabil Schaath ist die Hamas möglicherweise sogar zu einem Waffenstillstand mit Israel bereit. Die Organisation habe Abbas gegenüber den Eindruck erweckt, Anschläge aussetzen zu wollen, sagte Schaath in Brüssel. Bereits am Montag hatte ein Hamas-Führer angedeutet, die Organisation werde vor der Präsidentenwahl auf Angriffe gegen Israelis verzichten.

Drei Wochen nach dem Tod von Palästinenserpräsident Jassir Arafat starb am Abend auch sein Bruder. Fathi Arafat starb nach palästinensischen Angaben am Mittwochabend in seinem Haus in Kairo. Der 71-Jährige erlag einem Krebsleiden. Die Trauerfeier wird am Freitag erwartet. Fathi Arafat war unter anderem Mitglied des Palästinensischen Nationalrats und Ehrenpräsident des palästinensischen Roten Halbmondes.

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