Palästinenser-Wahlen Erste Fatah-Politiker sprechen von Hamas-Sieg

Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erst hieß es, die Fatah von Palästinenserpräsident Abbas habe bei den Parlamentswahlen knapp den Sieg errungen. Am Morgen meldeten Nachrichtenagenturen, Fatah-Mitglieder hätten ihre Niederlage eingestanden und sähen die radikalislamische Hamas vorn.


Ramallah - "Die Hamas hat die Fatah bei der Wahl übertroffen", sagten führende Mitglieder der Fatah laut Nachrichtenagenturen am Morgen in Ramallah. "Ich glaube, dass die Hamas eine Mehrheit der Sitze im Parlament hat", sagte Kadura Fares, bisher Parlamentsabgeordneter und früherer Minister, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Hebron: Hamas-Anhänger feiern ihren Wahlsieg
AFP

Hebron: Hamas-Anhänger feiern ihren Wahlsieg

Die Hamas beansprucht eine absolute Mehrheit im neuen palästinensischen Parlament. Spitzenkandidat Ismail Hanijeh erklärte, die Hamas habe mindestens 75 der 132 Sitze gewonnen. "Wir können jede Regierung bilden, die wir wollen", sagte ein Mitglied der Hamas-Medienkommission in Ramallah zu SPIEGEL ONLINE. Von einem Fatah-Mitglied wurden diese Meldungen jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE umgehend dementiert: "Hamas hat nicht gewonnen."

Fakt ist: Bislang gibt es noch keine offizielle Bestätigung eines Wahlergebnisses. Die Hamas beruft sich bei ihren Angaben auf Anrufe von Mitarbeiter in den Wahllokalen, die an der Auszählung beteiligt waren.

Nach dem Ergebnis einer Wählernachfrage von gestern Abend kam hingegen die Fatah auf 46,4 Prozent der Stimmen und würde damit 63 Abgeordnete im neuen Parlament stellen. Die Hamas erreichte nach dieser Prognose der Bir-Seit-Universität in Ramallah einen Stimmenanteil von 39,5 Prozent und käme auf 58 Mandate.

Der Verband israelischer Terroropfer äußerte sich nach den ersten Berichten über den Hamas-Wahlsieg empört: "Der Hamas-Sieg beweist dem israelischen Volk, dass dort (in den Palästinensergebieten) derjenige mehr Erfolg hat, der mehr von uns tötet", sagte ein Sprecher der Organisation Almagor der israelischen Online-Zeitung "ynet". "Ein schrecklicher Gedanke - den Palästinensern eine Selbstverwaltung zu gewähren, die nun rasch zur Terrorherrschaft wird."

Es war für die Palästinenser die erste Parlamentswahl seit zehn Jahren - und das erste Mal, dass die radikale Hamas ins Rennen ging. Das amtliche Wahlergebnis soll noch am Vormittag bekannt gegeben werden.



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