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27. November 2012, 08:03 Uhr

Verdacht auf Giftmord

Experten exhumieren Arafats Leiche

Wurde Jassir Arafat Opfer eines Anschlags? Experten haben den Leichnam des früheren Palästinenserführers exhumiert, um das Rätsel aufzuklären. Noch im Laufe des Tages soll der frühere Palästinenserpräsident bei einer offiziellen Zeremonie wieder beigesetzt werden.

Ramallah - Der Leichnam des früheren Palästinenserführers Jassir Arafat ist am Dienstagmorgen in Ramallah exhumiert worden. Die Untersuchungen sollen klären, ob Arafat Opfer eines Giftmords war. Wie der offizielle Sender Radio Palästina berichtete, begannen ausländische Fachleute im hermetisch von der Öffentlichkeit abgeschirmten Mausoleum mit der Entnahme von Proben. Dies werde einige Stunden dauern.

Die Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland wollten nach Angaben des Leiters des palästinensischen Ermittlerteams, Taufik Tiraui, Proben von Arafats Knochen nehmen. Noch am Dienstag sollte Arafat dann mit militärischen Ehren wieder beigesetzt werden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ihre Untersuchung soll Klarheit bringen, ob der 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus bei Paris gestorbene Arafat vergiftet wurde. Der Mordverdacht hatte sich noch verstärkt, als Schweizer Experten im Juli an der Wäsche Arafats Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 fanden.

Seit dessen Tod im Jahr 2004 gibt es immer wieder Spekulationen unter Arabern und Palästinensern, dass Israel etwas mit dem Vorfall zu tun haben könnte. Da die betreuenden Ärzte keine genaue Todesursache nannten, verdächtigten die Palästinenser Israel, Arafat vergiftet zu haben. Viele halten die Untersuchung für überflüssig, weil sie ohnehin überzeugt sind, dass Arafat vom Erzfeind vergiftet wurde. Israel hat das stets bestritten.

Vor Ort arbeiten drei Teams an der Leiche: Neben den Schweizern sind Franzosen dabei, weil Arafats Witwe Suha Anzeige wegen Mordes in Frankreich erstattet hatte. Auf Bitten der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden zudem auch russische Experten hinzugezogen.

Die Grabstätte ist bereits seit Mitte November abgeriegelt. Alle Straßen, die zu dem Mausoleum in Ramallah im Westjordanland führen, sind gesperrt.

fab/dpa/Reuters

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