Palästinenserkonflikt Mordanschlag auf Ministerpräsident Hanija

Am Grenzübergang Rafah hat es einen Angriff auf den Konvoi von Ministerpräsident Hanija gegeben. Dabei wurde ein Leibwächter getötet. Die radikalislamische Hamas machte die Garde von Palästinenserpräsident Abbas für den Anschlag verantwortlich.


Gaza - Die radikalislamische Hamas-Bewegung hat der Garde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen Mordanschlag auf Ministerpräsident Ismail Hanija vorgeworfen. Bei Schüssen auf den Konvoi von Hanija am Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten starb einer von Hanijas Leibwächtern, fünf weitere Menschen wurden verletzt - unter ihnen Hanijas Sohn, ein weiterer Leibwächter und ein politischer Berater. Dem Vorfall war eine stundenlange Belagerung des Grenzpostens zwischen dem Gazastreifen und Ägypten durch Hamas-Anhänger mit zahlreichen Verletzten vorausgegangen.

Der Grenzübergang war auf Drängen Israels geschlossen worden, um Hanijas Einreise mit Spendengeldern zu verhindern. Als Hanija Rafah erreichte, hatte er nach Angaben von Sicherheitsdiensten rund 35 Millionen Dollar (26,5 Millionen Euro) aus arabischen Ländern bei sich. Die EU und die USA hatten ihre Finanzhilfen für die Palästinenser nach dem Wahlsieg und der Regierungsübernahme durch die Hamas im März eingestellt, weil sie die Hamas als terroristische Vereinigung einstufen. Seither steckt die palästinensische Autonomiebehörde in einer schweren Finanzkrise; so konnten die Gehälter von mehr als 150.000 Beamten nicht ausgezahlt werden.

Hanijas Konvoi saß fast acht Stunden lang am Grenzübergang auf ägyptischer Seite fest. Die israelische Seite wollte ihn nicht mit den Spendengeldern einreisen lassen. Tausende Anhänger und bewaffnete Kämpfer der Hamas strömten daraufhin zu dem Grenzposten und belagerten das Grenzgebäude. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Hamas-Anhängern und der Präsidentengarde. Etwa ein Dutzend Menschen wurden verletzt.

Daraufhin handelte der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman den Kompromiss mit israelischen Vertretern aus, wonach die Spendengelder in einer ägyptischen Bank deponiert und auf das Konto der Palästinensischen Autonomiebehörde bei der Arabischen Liga überwiesen werden sollten, wie es von ägyptischer Seite hieß.

Bei der Abfahrt am Grenzposten wurde das Feuer auf den Konvoi eröffnet. Dabei zielten die Angreifer nach Angaben aus Regierungskreisen auf das Fahrzeug, in dem Hanija normalerweise sitzt; diesmal war er jedoch in einem Polizeijeep unterwegs. In dem Wagen starb Hanijas Leibwächter. Unter den fünf Verletzten waren Hanijas Sohn sowie ein politischer Berater.

Nach seiner Ankunft in Gaza sagte Hanija, "wir wissen, wer das Feuer eröffnet hat, und wir wissen, was wir zu tun haben". Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte, die Schüsse seien ein "geplanter Versuch" der Präsidentengarde gewesen, Hanija umzubringen. "Wir fordern Abbas auf, Befehl zu geben, die Schützen zu finden", sagte der Sprecher der radikalislamischen Hamas, Fausi Barhum.

Die Äußerungen der Hamas seien "falsch und beschämend", sagte ein ranghoher Vertreter der Garde. Die Einheit sei für die Sicherheit des Übergangs verantwortlich und habe den Konvoi Hanijas geschützt. In diesem Sinne habe sie auch Kontakt zu den europäischen Beobachtern aufgenommen. Als Hamas-Anhänger das Grenzgebäude gestürmt hätten, habe sich die Garde zurückgezogen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Fünf Mitglieder der Garde seien verletzt worden.

ler/AFP/Reuters



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