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28. Dezember 2006, 19:40 Uhr

Palästinensische Gebiete

Ägypten soll Waffen an die Fatah geliefert haben

Um die Fatah von Palästinenserpräsident Abbas im Kampf gegen die Hamas zu stärken, hat Ägypten israelischen Angaben zufolge Waffen in die palästinensischen Gebiete geliefert. Israels Außenministerin Livni stellte einen Friedensplan vor.

Jerusalem - Die Waffen seien heute über israelisches Territorium transportiert worden, verlautete aus Sicherheitskreisen in Jerusalem. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Der Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeneh, dementierte die Waffenlieferung.

Gleichwohl berichteten Augenzeugen, sie hätten beobachtet, wie von einem voll beladenen Lastwagen der Fatah-Sicherheitskräfte eine von vielen Kisten heruntergefallen und auseinandergebrochen sei. Daraufhin seien zahlreiche Maschinengewehre zum Vorschein gekommen. Den Gewährsleuten in Jerusalem zufolge wurden insgesamt 2000 automatische Waffen mit Munition an die Sicherheitskräfte des palästinensischen Präsidenten geliefert.

Die israelische Regierung hat solche Lieferungen stets verboten, weil ein Einsatz der Waffen gegen Israel befürchtet wurde. Nun jedoch erschien es der Regierung offenbar wichtiger, Abbas im Machtkampf mit der radikalislamischen Hamas-Regierung zu stärken. Der Zeitung "Haaretz" zufolge wurde der Deal beim Treffen zwischen Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am vergangenen Wochenende ausgehandelt.

Amos Gilad, ein ranghoher Beamter des Verteidigungsministeriums, bestätigte dies zumindest indirekt. Man habe Hilfe geleistet, um die Kräfte des Friedens zu unterstützen gegen die Kräfte der Dunkelheit, die die Zukunft des Nahen Ostens bedrohten, sagte er dem Sender Israel Radio. Wie Abbas-Sprecher Rdeneh wies auch Ahmed Jussef, ein Berater von Ministerpräsident Ismail Hanija, dies zurück. Ägyptische Regierungsbeamte hätten ihm versichert, dass keine Waffenlieferungen an die Palästinenser stattgefunden hätten. Offenbar verbreite Israel Gerüchte, um die Spannungen anzuheizen.

Dem Machtkampf zwischen Fatah und Hamas sind in den vergangenen Wochen mindestens 17 Menschen zum Opfer gefallen. Hanija hatte wegen der Kämpfe eine Reise durch mehrere islamische Länder abgebrochen. Heute setzte er sie fort und reiste zunächst nach Saudi-Arabien. Anschließend wollte er Kuweit und Katar besuchen und schließlich Jordanien. Der jordanische König Abdullah II. hat Hanija und Abbas zu einem Versöhnungstreffen nach Amman eingeladen.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni stellte derweil ihren eigenen Plan für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern vor. Demnach soll nach Verhandlungen mit moderaten Kräften schon bald ein palästinensischer Staat auf dem Gebiet des Gaza-Streifens und Westjordanlands entstehen, wie die Zeitung "Haaretz" die Kadima-Politikerin zitierte. Eine der Grenzen dieses Staates solle vorläufig von dem umstrittenen Sicherheitszaun zwischen Israel und dem Westjordanland gebildet werden. Alle anderen strittigen Fragen wie der endgültige Grenzverlauf, der Status von Jerusalem und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge könnten dann zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden.

Ministerpräsident Olmert signalisierte unterdessen Bereitschaft zu Friedensverhandlungen mit Syrien. Israel werde auf jeden Laut reagieren, der Friedensabsichten seiner Feinde bekunde, sagte Olmert vor Absolventen der Luftwaffenakademie. Dies wurde als klares Zeichen an die Regierung in Damaskus gewertet.

Von Matti Friedman, AP

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