Palast in Ankara Erdogan protzt mit noch mehr Zimmern

Nur tausend Zimmer? Nein, mindestens 1150. Der türkische Präsident Erdogan korrigiert beleidigt Berichte, die seinen neuen protzigen Palast kleiner darstellen, als er angeblich ist.
Palast in Ankara: "Man spart nicht, wenn es ums Prestige einer Nation geht"

Palast in Ankara: "Man spart nicht, wenn es ums Prestige einer Nation geht"

Foto: Ozge Elif Kizil/ dpa

Ankara - Der protzige Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist noch größer als vermutet. Erdogan zeigte sich an diesem Samstag von Berichten gekränkt, der Neubau in Ankara habe tausend Räume. "Lassen Sie mich Ihnen sagen, er beherbergt mindestens 1150 Zimmer, nicht nur tausend", stellte das islamisch-konservative Staatsoberhaupt vor Geschäftsleuten in Istanbul klar.

"Man spart nicht, wenn es ums Prestige einer Nation geht", sagte Erdogan mit Blick auf den Palast, der umgerechnet fast eine halbe Milliarde Euro gekostet hat - doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. "Wir wollten ein Bauwerk schaffen, damit die künftigen Generationen sagen: 'Von dort aus wurde die neue Türkei regiert'." Mit "neuer Türkei" meint Erdogan die Türkei unter seiner Ägide. Gleichwohl betonte er, der Amtssitz sei "nicht mein Palast", sondern gehöre dem türkischen Volk.

Kritiker werfen Erdogan vor, autoritär gegen seine Gegner vorzugehen und das laizistische Land zu islamisieren. Zu seinen Zielen gehört auch eine Änderung der Verfassung, um das Präsidentenamt mit mehr Macht auszustatten. Erdogan war seit 2003 Regierungschef, bis er im August zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Dieses Amt hat bisher vor allem repräsentative Funktionen, was Erdogan ändern will.

In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte die Präsidentin der Architektenkammer von Ankara erklärt, die Architektur des Palastes sei "grässlich", außerdem verstoße der Bau gegen Gesetze. Der Palast stehe "isoliert da, autoritär, allein und einsam - und in einer Größe, die die Menschen herabsetzt", sagte Tezcan Tarakus Candan.

Der Palast wurde unter Missachtung von Naturschutzbestimmungen in ein Waldgebiet gebaut. Gerichtsurteile, den Bau zu stoppen, wurden ignoriert. Als die Richter des Obersten Verwaltungsgerichts im März gegen den Bau entschieden, hatte Erdogan erwidert: "Sollen sie ihn doch abreißen, wenn sie die Macht dazu haben."

Zuletzt hatte Erdogan Papst Franziskus in seinem neuen Palast in Ankara empfangen.

anr/AFP
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