Palins 150.000-Dollar-Beauty-Kur Viel zu schick fürs einfache Volk

150.000 Dollar für schöne Kleider, Make-up und Frisur - jetzt fragen sich viele Republikaner: Sieht so eine bodenständige "Hockey Mom" aus? Die aufwendige Imagepolitur von Vize-Kandidatin Sarah Palin provoziert Proteste, Spender fordern angesichts der Kosten schon ihr Geld zurück.


Washington - Fünf Kinder, eine Flinte und wahnsinnig bodenständig - als "Hockey Mom" sollte Sarah Palin die Wählerstimmen der US-Hausfrauen bekommen. Von Frauen also, die sich darüber Sorgen machen, wie sie das College-Geld für ihre Kinder zusammen bekommen. Doch das Image der Vize-Kandidatin von John McCain sehen die Republikaner laut einem Bericht der "New York Times" in Gefahr, seitdem eine aufwendige Rechnung von 150.000 Dollar für die Wahlkampfausstattung der Gouverneurin von Alaska bekannt geworden ist.

Wichtige Spender kritisieren die hohen Ausgaben für die Garderobe Palins. "Ich will mein Geld zurück", zitierte die Online-Zeitung "Politico" einen Geldgeber, der anonym blieb. Es scheine sich zu lohnen, im Rennen um das Weiße Haus anzutreten, sagte ein anderer Spender. "Selbst wenn man verliert, hat man einen Schrank voller neuer Kleider."

Allein für die Garderobe der Gouverneurin von Alaska seien im September rund 125.000 Dollar ausgegeben worden, berichtete "Politico" unter Berufung auf Dokumente der Partei. Friseurbesuche und Make-up hätten überdies mit mehr als 4700 Dollar zu Buche geschlagen. Daneben seien noch weitere Kosten für Palins Erscheinungsbild aufgelaufen.

Republikaner seien angesichts der Veröffentlichung der hohen Ausgaben konsterniert, schreibt die "New York Times". Palins Aufgabe als McCains wichtigstes Bindeglied zu den Wählern in der Arbeiterklasse sei nun gefährdet. Es scheine, als ob niemand mit einer politischen "Antenne" im Wahlkampfteam arbeite, kritisierte Ed Rollins, der 1984 erfolgreich im Team von Ronald Reagan arbeitete. Durch die Luxusrechnungen werde in Zeiten der Finanzkrise Palins Image als "Hockey Mom", als eine Kandidatin, die aus der Reihe der Hausfrauen und Mütter komme, untergraben.

Dabei hatte McCain sich erst kürzlich damit gebrüstet, die Angst der kleinen Leute vor Steuererhöhungen sei bei ihm unbegründet. McCain hatte in dem Zusammenhang immer wieder auf die Sorgen von Joe, dem Klempner, verwiesen. Aber nun wird darüber gelästert: Er glaube nicht, dass Klempner Joe teure Manolo-Blahniks-Schuhe trage, spottete der Moderator der ABC-Show "View".

Eine Sprecherin des Wahlkampfteams zeigte sich überrascht von dem Wirbel um die Garderobe Palins. "Bei all diesen wichtigen Themen, die das Land derzeit beschäftigen, finde ich es erstaunlich, dass wir Zeit darüber verlieren, über Hosenanzüge und Blusen zu reden", sagte Tracey Schmitt, die Palin auf deren Wahlkampftour begleitet. Nach der Wahl am 4. November solle die Kleidung Palins ohnehin einer Wohltätigkeitsorganisation gespendet werden.

Für neuen Ärger sorgen auch die Vorwürfe gegen Palin wegen Amtsmissbrauchs. Die Gouverneurin soll noch diese Woche zum zweiten Mal im Zusammenhang mit einer Entlassung befragt werden. Palin werde am Freitag vor der Personalkommission des Bundesstaates aussagen, sagte Taylor Griffin, ein Sprecher des Wahlkampfteams von McCain. Das Gremium soll der Frage nachgehen, ob Palin mit der Entlassung des Sicherheitschefs von Alaska, Walt Monegan, im Juli die ethischen Standards verletzt habe. Zu diesem Schluss war ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Alaska Mitte Oktober gekommen. Palin hatte daraufhin eine zweite Untersuchung beantragt.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss hatte befunden, die Gouverneurin habe zwar die Befugnis zu der Entlassung gehabt. Sie habe aber die ethischen Standards verletzt, weil sie gewollt habe, dass Monegan den Polizisten Mike Wooten entließ. Wooten ist der Ex-Mann von Palins Schwester. Monegan hatte sich trotz starken Drucks von Palins Ehemann Todd geweigert, den Polizisten zu entlassen.

als/AP/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.