Historisches Palmyra in Syrien Endlosschlacht um die Ruinenstadt

Palmyra ist offenbar erneut an den IS gefallen, viele befürchten weitere Zerstörungen an antiken Monumenten. Auch für Assads Truppen und ihre russischen Verbündeten ist die Rückeroberung ein herber Schlag.

DPA/ EPA

Viele Jahre lockte Palmyra mit seinen antiken Ruinen Besucher aus aller Welt. Doch seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien ist die Oasenstadt ein Schauplatz heftiger Kämpfe geworden.

2015 eroberte die Terrormiliz "Islamischer Staat" den Ort, weltweit machte der Fall Schlagzeilen. Im März 2016 konnten die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad die Kontrolle zurückerlangen. Am Wochenende fielen IS-Kämpfer nun erneut in Palmyra ein. Russische Luftangriffe zwangen sie zunächst zum Rückzug, am Sonntag dann folgte ein neuer Ansturm. Offenbar ist die Stadt nun in der Hand des IS.

Auch für Russland, das Assad im Syrienkrieg unterstützt, bedeutet das einen schweren Schlag. Moskau hatte sich zuvor als Bewahrer des antiken Erbes in Syrien präsentiert. Am Montag nun warnte der Kreml, die Rückeroberung der Stadt durch den IS zeige, wie gefährlich die Terrororganisation nach wie vor sei. "Palmyra zu verlieren, bedeutet auch einen Verlust für die Menschheit."

"Schwerer Verlust für Russlands Image"

Die Tageszeitung "Kommersant" sieht das deutlich kritischer: Palmyra sei für Russland zu einem Symbol geworden. Wenn in der Stadt "wieder Architekturdenkmäler gesprengt werden und Gefangene vor antiken Säulen enthauptet werden, ist das für Russlands Image ein schwerer Verlust".

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Palmyra: Mythische Oasenstadt, umkämpfter Kriegsschauplatz

Während ihrer Herrschaft im vergangenen Jahr hatten die Dschihadisten einzigartige Bauwerke des Unesco-Weltkulturerbes zerstört und als Bühne für Exekutionen genutzt: So sprengten sie die Tempel Baal und Baal-Schamin sowie den Triumphbogen. Archäologen und Historiker fürchten nun weiteren Schaden an historischen Monumenten.

kgp/dpa/Reuters

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gehirngebrauch 12.12.2016
1. aleppo ist z.z.
wichtiger für assad, aber vergessen wird er palmyra nicht und der IS wird schon regelmäßig seine bombardements erleben.
caspe98 12.12.2016
2. zynischer gehts fast nicht mehr
Da bin ich ja beruhigt dass die Zeitung Kommersant es als Schande für Russland empfindet. Die eigentliche Schande findet gerade in Aleppo statt, wo russische Bomber Zivilisten und Krankenhäuser bombardieren und wo es mittlerweile genauso aussieht wie im zerstörten Palmyra, wenn nicht noch schlimmer. Man kann sich da nur mit Grausen abwenden
fd2fd 12.12.2016
3. Traurig, aber verständlich
Die Rückereroberung Palmyras durch den IS wird wohl in der endgültigen Zerstörung aller historischen Gebäude enden. Ein herber Verlust für die Menschheit. Sorgen muss man sich jetzt wohl um Deir-ez-Zor machen. Der IS hat ordentlich Kriegsbeute gemacht und sowohl russisch-syrische wie internationale Militärkoalition greifen hier nicht massiv aus der Luft an, um die Menge an Kämpfern und Waffen auf der Stelle zu eliminieren. Warum der Vormarsch nicht frühzeitig entdeckt wurde, bleibt wohl für immer ein Rätsel. Wenn noch die Tiyas-Luftwaffenbasis westlich von Palmyra fällt, sind Luftunterstützung für Deir-ez-Zor mit längeren Latenzen die Folge. Allerdings muss man auch klar sagen, dass Palmyra für das syrische Militär strategisch unbedeutend ist und enorme Ressourcen verschling. Ob hier eine Gegenoffensive vorbereitet wird ist daher mehr als fraglich und man wird sich wohl im Westen sammeln und um Al-Quaratayn massive Verteidigungen aufbauen. Letztlich ist allerdings auch der Kampf in Aleppo entscheidend, denn wenn Aleppo fällt, sind auch einen Schlag tausende Soldaten für andere Fronten verfügbar. Wenn es dem Militär denn auch endlich gelingt die vielen belagerten Orte um Damaskus, Nord-Homs und Nord-Hama, sowie Ost-Latakia zu befreien, werden tausende weitere Soldaten freigesetzt und man könnte neben Idlib auch in Ost-Homs massive Angriffe starten und hat dann eben auch die nötige Zahl Infanterie, um diese Gebite zu halten.
elkemeis 12.12.2016
4. Rückschlag nicht nur für Russland
Der erneute Vorstoß von Daesh ist ein herber Rückschlag für alle, die diese islamistische Terrororganisation ablehnen. Da kann sich auch die USA und der sog. "Westen" nicht darüber freuen. Ich sehe es als Armutszeugnis und schweren Fehler an, dass "wir" zwar ein undurchsichtiges Konglomerat von "Rebellen" unterstützen und gegen Assad vorgehen (warum eigentlich?), aber Daesh nicht wirklich und nicht wirksam bekämpfen. Und dass wir Waffen und Rüstungsgüter an Staaten verkaufen, die eine mehr als dubiose im Syrienkrieg spielen (Türkei, Saudi Arabien).
hockeyversteher 12.12.2016
5. Wie bitte?
"Wenn in der Stadt "wieder Architekturdenkmäler gesprengt werden und Gefangene vor antiken Säulen enthauptet werden, ist das für Russlands Image ein schwerer Verlust"." Was soll das? Russlands "Image" ist ja nun so was von sekundär. Sollte es richtig sein, dass Palmyra komplett in der Hand des IS sein, so haben Assad und Russland tatsächlich ihre erste gemeinsame militärische Niederlage einstecken müssen. Und wenn dort wieder durch den IS unschuldige Menschen gemeuchelt werden, dann ist das zuerst und zuletzt dem IS zuzuschreiben. Gleiches gilt für die befürchtete weitere Zerstörung der Teile des dortigen Weltkulturerbes. Nicht Russland oder Assad sind dort Täter - sondern der IS. Fragt sich nur, woher diese Verbrecher die Mittel und die Logistik hatten, um dort wieder einzufallen. Die Reaktionen sind vorhersagbar Russland wird die militärische Niederlage schnell und konsequent wett zu machen versuchen. Der IS wird bei der Verteidigung gegen den zu erwartenden Ansturm versuchen, die Opfer unter der Zivilbevölkerung und an den Kulturdenkmälern so groß als möglich werden zu lassen. Die werden keine Handlung unterlassen, um einen schnellen Schlag von Assad und Russland zu provozieren. Die wollen dort Märtyrer schaffen. Das geht nur, wenn das Gefecht blutig und zerstörerisch wird. Sollten Russland und Assad also nicht schnell angreifen, wird der IS die Zivilbevölkerung öffentlichkeitswirksame drangsalieren. Das alles ist eine Tragödie. Und das wirklich erschütternde ist, dass diese Tragödie ausschließlich durch Waffengewalt auflösbar ist. Russland wird sich wohl vom IS nicht lange bitten lassen.
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