Palmyra "Islamischer Staat" prahlt mit der Zerstörung von Kulturgütern

Der "Islamische Staat" setzt seinen Feldzug gegen antike Kulturschätze fort: In der syrischen Oasenstadt Palmyra hat die Miliz nach eigenen Angaben ein halbes Dutzend Statuen zerstört - offenbar auch eine besonders wertvolle.
IS-Aufnahme von angeblichen Zerstörungen in Palmyra: Unersetzliche Kulturgüter

IS-Aufnahme von angeblichen Zerstörungen in Palmyra: Unersetzliche Kulturgüter

Foto: AFP/ HO/ WELAYAT HALAB

Dschihadisten des "Islamischen Staats" (IS) haben offenbar erneut antike Kunstschätze zerstört. Die Terrormiliz hat Fotos von der Zerstörung mehrerer Statuen aus der Oasenstadt Palmyra verbreitet, die von dort in den Norden des Landes verschleppt worden waren. Auf den Fotos ist zu sehen, wie IS-Kämpfer mit Vorschlaghämmern die Statuen zertrümmern.

Die Statuen hatte demnach ein Schmuggler aus der Stadt fortgeschafft, den IS-Schergen später gefasst hatten. Ein islamisches Gericht habe daraufhin entschieden, dass der Dieb ausgepeitscht und die Statuen zerstört werden sollten, hieß es in der IS-Erklärung. Die vom "Islamischen Staat" vertretene strenge Auslegung des Islam sieht in Statuen von Menschen und Tieren eine Götzenverehrung.

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Unter den zerstörten Kultgegenständen ist offenbar auch eine berühmte Löwenskulptur aus dem Allat-Tempel der syrischen Oasenstadt. "Das ist das schlimmste Verbrechen, das die Dschihadisten am Erbe von Palmyra begangen haben", sagte der Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamun Abdelkarim, der Nachrichtenagentur AFP. Die Skulptur Allats, eine vorislamische Göttin der Araber, wurde demnach bereits am Samstag zerstört.

Die Kalkstein-Skulptur des Löwen wurde 1977 von polnischen Archäologen entdeckt und auf das erste Jahrhundert vor Christus datiert. Abdelkarim sagte, die Skulptur sei mit einer Metallplatte und mit Sandsäcken vor den Wirren des syrischen Bürgerkriegs geschützt worden. "Wir haben es nie für möglich gehalten, dass der IS kommen würde, um sie zu zerstören."

Das Ruinengelände in Palmyra ist seit 1980 Unesco-Weltkulturerbe. Die Terrormiliz hat in der Vergangenheit bereits wichtige Kulturstätten im Irak und anderen Teilen Syriens zerstört. Erst vor Kurzem hatten die Dschihadisten die Ruinen von Palmyra vermint - bislang ist jedoch unklar, zu welchem Zweck. Die Beobachtungsstelle geht davon aus, dass entweder die antiken Ruinen zerstört oder Regierungskräfte an einem Vormarsch gehindert werden sollen.

Im Mai hatte der IS die Stadt mit 50.000 Einwohnern nach tagelangen Kämpfen von den Regierungstruppen erobert. Wenige Tage später erschossen die Extremisten in den Ruinen der Stadt mindestens 20 Männer. Erst vor Kurzem hatte die Dschihadisten-Miliz ein Foltergefängnis des Assad-Regimes nahe der Neustadt von Palmyra in die Luft gesprengt.

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SPIEGEL ONLINE
mxw/AFP/AP
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