Panama-Enthüllungen über Putin-Freund Russischer Cellist will bloß Spenden gesammelt haben

Über die Firmen von Putin-Freund Roldugin fließen offenbar Millionen, darauf deuten die Panama Papers hin. Jetzt hat sich der Cellist zu den Vorwürfen geäußert: Er tue alles nur im Namen der Musik.

Dmitri Medwedew, Sergej Roldugin und Wladimir Putin
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Dmitri Medwedew, Sergej Roldugin und Wladimir Putin


100 Millionen Dollar soll der Cellist Sergej Roldugin zeitweise über eine Briefkastenfirma kontrolliert haben - das legten die Panama Papers nahe. Der Unternehmer und Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat auf diesen Anschuldigungen nun im russischen Fernsehen reagiert: Er sammle Spenden - für teure Instrumente und Nachwuchsmusiker.

Wie unter anderem der britische "Guardian" berichtete, sagte Roldugin in einer Sendung am Sonntagabend, sein Wohlstand stamme von reichen Geschäftspartnern. "Natürlich ging ich zu jedem, den ich erreichen konnte, und fragte nach Spenden", sagte demnach Roldugin, der das House of Music in St. Petersburg betreibt - jedoch ohne direkt auf die Anschuldigungen einzugehen, er selbst verwalte einen Besitz in Millionenhöhe.

"Ich bin dankbar, dass das meine Aufgabe ist. Es gibt nichts, was man mir vorwerfen kann, alles ist offen. In jedem Fall bin ich tatsächlich reich; ich bin reich mit dem Talent Russlands", ergänzte er dem Bericht zufolge in einer rund 20-minütigen Sendung. In dem Bericht wurde versucht, mit dem Verweis auf Geheimdienst-Aktivitäten die Enthüllungen der sogenannten Panama Papers zu diskreditieren.

Journalisten eines internationalen Recherche-Netzwerks hatten unter diesem Namen vergangene Woche ein gewaltiges Geflecht aus Briefkastenfirmen enttarnt. Es geht zurück auf der "Süddeutschen Zeitung" zugespielte Daten aus der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama - Sportstars wie Lionel Messi sind davon gleichermaßen betroffen wie Politiker.

Im Zusammenhang mit den Papieren wurden auch Roldugins Geldflüsse öffentlich. Sie könnten Indizien sein, um den angeblich immensen Reichtum des russischen Präsidenten Putin zu belegen. Roldugin ist seit 1977 mit Wladimir Putin befreundet, nennt ihn "meinen Bruder".

Doch neben dem mutmaßlichen Verwalter mühte sich auch das russische Staatsfernsehen selbst, diesem Eindruck entgegenzuwirken: Wie zum Beleg präsentierte etwa Geiger Pavel Milyutin dem "Guardian" zufolge ein von Guarneri del Gesù 1701 gebautes Instrument, das mehrere Millionen Dollar wert sein soll - und das er von der Stiftung Roldugins erhalten habe.

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Panama Papers: Putins Offshore-Connection

apr

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