Steuerenthüllungen Spanischer Minister tritt wegen Panama Papers zurück

José Manuel Soria stolpert über die Panama Papers: Der spanische Industrieminister legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder - die Vorwürfe weist er aber zurück.

José Manuel Soria
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José Manuel Soria


Spaniens Industrieminister José Manuel Soria hat seinen Rücktritt erklärt. Mit sofortiger Wirkung lege er sein Amt nieder, sagte er am Freitag. Ihm werden Verbindungen zu Offshorefirmen vorgeworfen.

Durch die Panama Papers waren Vorwürfe gegen Soria laut geworden, die der Politiker der konservativen Volkspartei Partido Popular (PP) jedoch zurückweist. Soria bestreitet jegliches Fehlverhalten in der Affäre um Briefkasten-Firmen. Mit seinem Rücktritt wolle er Schaden von der geschäftsführenden Regierung abwenden und die Bildung einer neuen Koalition nicht zusätzlich erschweren.

Bei den neuen Enthüllungen aus den Panama Papers geht es um Briefkastenfirmen, die über eine Kanzlei in Panama eingerichtet wurden und die möglicherweise zur Steuerhinterziehung genutzt werden. Im Fokus stehen zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente.

Eine anonyme Quelle hatte der "Süddeutschen Zeitung" elf Millionen Dokumente von Mossack Fonseca zugespielt. Die Kanzlei soll demnach auch Personen mit Kontakten zur organisierten Kriminalität und aus sanktionierten Staaten zu ihren Kunden gezählt haben.

Laut den Panama Papers war der Minister 1992 zwei Monate lang Geschäftsführer einer Offshore-Firma auf den Bahamas. Soria bestritt dies zunächst, im Laufe der Woche veröffentlichten spanische Medien aber Dokumente, die belegen sollten, dass der Minister log.

Am Freitag berichteten mehrere spanische Zeitungen außerdem, dass Soria auch Geschäftsführer eines anderen Offshore-Unternehmens war: Bis 2002 soll er Geschäftsführer einer Firma auf der britischen Insel Jersey gewesen sein, damals war er Bürgermeister von Las Palmas auf Gran Canaria.

Sorias Rücktritt fällt in unruhige Zeiten: Spanien steht derzeit womöglich vor erneuten Neuwahlen. Die Wahlen im Dezember hatten kein eindeutiges Ergebnis gebracht. Seitdem haben sich die Parteien nicht auf eine neue Regierung einigen können. Sie haben dazu nur noch bis zum Ablauf der Frist am 2. Mai Zeit.

Die Enthüllungen über Hunderttausende Briefkastenfirmen von Panama aus haben auch Konsequenzen auf europäischer Ebene. Das Europaparlament wird einen Untersuchungsausschuss zu den Enthüllungen einsetzen. Darauf hatten sich die Fraktionsvorsitzenden in Straßburg am Donnerstag geeinigt.

vek/Reuters/AP

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
jeze 15.04.2016
1. Aha
Spanien, Island, Groß-Britannien - Namen über Namen in den Panama-Papers. Aber unsere Medien machen ein um die andere Story über Putin, weil irgendein ihm bekannter Cellist in den Papieren auftaucht. Auch hier wieder der Hinweis: falls man sich mal wieder nicht erklären kann, warum den Medien keiner mehr glaubt - das ist wieder ein Beispiel dafür.
titeroy 15.04.2016
2. Endlich
Der Mann war/ist untragbar
Spiegelleserin57 15.04.2016
3. immer wieder interssant...
langsam werden noch mehr Politiker unglaubwürdig. Man sollte doch von Politikern erwarten dass sie sich an die Gesetze ihres Landes halten. Ausgerechnet Spanien dass auch zu den Wackelkandidaten der EU gehört. Scheinbar glauben die lieben Reichen dass ihr Land zum Selbstbedienungsladen wird. Niemand braucht sich zu wundern wenn die Menschen den Parteien immer mehr untreu werden und auch die Kritiker der EU bekommen nur noch mehr Aufwind, leider wie man sieht begründet!
jeze 15.04.2016
4. EU-Kritiker
Zitat von Spiegelleserin57langsam werden noch mehr Politiker unglaubwürdig. Man sollte doch von Politikern erwarten dass sie sich an die Gesetze ihres Landes halten. Ausgerechnet Spanien dass auch zu den Wackelkandidaten der EU gehört. Scheinbar glauben die lieben Reichen dass ihr Land zum Selbstbedienungsladen wird. Niemand braucht sich zu wundern wenn die Menschen den Parteien immer mehr untreu werden und auch die Kritiker der EU bekommen nur noch mehr Aufwind, leider wie man sieht begründet!
Die Kritiker der EU sind in der Regel Europa-Freunde, die kein Europa der Eliten sondern eines der Bürger wollen.
dantheman77 15.04.2016
5. ?
Zitat von jeze:" Spanien, Island, Groß-Britannien - Namen über Namen in den Panama-Papers. Aber unsere Medien machen ein um die andere Story über Putin, weil irgendein ihm bekannter Cellist in den Papieren auftaucht. Auch hier wieder der Hinweis: falls man sich mal wieder nicht erklären kann, warum den Medien keiner mehr glaubt - das ist wieder ein Beispiel dafür."__________________Ihnen ist schon bewusst dass Sie ihren Kommentar unter einem Artikel über einen spanischen Minister gepostet haben? Dadurch wird der Kommentar doch ein wenig VT lastig... Und Herr Putin hat es halt mal wieder besonders dreist getrieben. Keinerlei Konsequenzen gezogen und dazu noch Erklärungen abgesondert die ein wenig zum lächerlichen tendieren... Da kann man halt gut drüber berichten...
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