Panama Papers über China Der rote Offshore-Adel

Chinas Führung reagiert gereizt auf die Enthüllungen über Briefkastenfirmen. Die Spuren führen offenbar zu Verwandten wichtiger Politbüro-Mitglieder.

Chinas Politbüro
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Die chinesische Elite lebt nicht gerade enthaltsam, so viel ist bekannt. Neue Enthüllungen zeigen nun, dass Verwandte von Chinas mächtigstem Führungszirkel offenbar Geschäfte über internationale Briefkastenfirmen abgewickelt haben. Das hat die Auswertung der Panama Papers durch "Süddeutsche Zeitung" und "Guardian" ergeben. Die Spur führe zu Angehörigen von drei der sieben amtierenden Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüro.

Die Veröffentlichungen zeigen demnach, wie Mitglieder der chinesischen Elite internationale Kanzleien und in Übersee registrierte Briefkastenfirmen nutzen, um möglicherweise ihr Vermögen zu verschleiern.

Folgende Verwandte von hochrangigen chinesischen Politikern hatten laut "Süddeutsche Zeitung" mit Offshore-Firmen zu tun, teils als alleinige Besitzer, teils als Anteilseigner. Die Namen der Politbüro-Mitglieder sind gefettet:

  • Deng Jiagui, Ehemann von Präsident Xi Jipings Schwester Qi Qiaoqiao, eröffnete mit Hilfe der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca zwischen 2004 und 2009 drei Offshorefirmen. Sie tragen oder trugen die klangvollen Namen Supreme Victory Enterprise Limited, Best Effect Enterprises Limited und Wealth Ming International Limited. Als Xi 2012 oberster Parteiführer wurde, wurden die Firmen inaktiv.
  • Eine Schwiegertochter des Propagandachefs Liu Yunshan und ein Schwiegersohn des Vizepremiers Zhang Gaoli waren Anteilseigner von Briefkastenfirmen im Steuerparadies der Britischen Jungferninseln.
  • Li Xiaolin, Tochter des Ex-Premiers Li Peng, kaufte laut Panama Papers das Unternehmen Cofic Investment zusammen mit ihrem Mann. Die Firma soll 1994 gegründet worden sein, das Startkapital kam aus Provisionen für den Import von eurpopäischen Industrieanlagen nach China.

  • Hu Dehua, Sohn des früheren Generalsekretärs Hu Yaobang, wurde als Anteilseigner und Direktor der Fortalent International Holdings Limited geführt. Auch diese Firma entstand auf den Britischen Jungferninseln im Jahr 2003, 14 Jahren nach dem Tod von Hus Vater.
  • Ein angeheirateter Enkel Mao Tsetungs, des Gründers der Kommunistischen Partei, ist auch unter den Genannten: Chen Dongsheng eröffnete 2011 eine Briefkastenfirma. Er steht außerdem einer Kunsthandelsgesellschaft und einem Versicherungsunternehmen vor.

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Offshore-Kommunisten: Wohlhabende Chinesen mit besten Verbindungen
Die Enthüllungen bringen Chinas Führung in Verlegenheit. Präsident Xi Jinping hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren der Korruption den Kampf angesagt. Dieser solle sich sowohl gegen mächtige "Tiger" als auch einfache "Fliegen" wenden. Das Problem der Bestechung sei so groß, dass es den Machtanspruch der Kommunistischen Partei gefährden könne, warnte Xi damals. Seither werden hohe Funktionäre und ihre Familien - der sogenannte rote Adel - regelmäßig verhaftet und verurteilt.

Die Panama-Meldungen stören nun das Bild, das Xi transportieren will. Denn betroffen sind auch Prinzlinge, also Kinder einflussreicher Politiker und Geschäftsleute. Bereits nach ersten Enthüllungen am Dienstag sprach die der chinesischen Führung nahestehende "Global Times" von einer "Kampagne zur Destabilisierung". Das Blatt wertete die Enthüllungen als Versuch, "nicht-westliche politische Eliten und Institutionen zu treffen".

Chinas Zensur versucht, die Verbreitung der Berichte zu verhindern. Nach Informationen der "China Digital Times" in Hongkong wies die Zensur die Staatsmedien an, Berichte über die Offshorefirmen in Steueroasen zu suchen und diese zu löschen. In sozialen Medien wurde die Suche nach "Panama Papers" oder den Namen der Genannten verhindert.

Medien aus rund 80 Staaten veröffentlichen seit Sonntag Informationen über weitreichende Geldgeschäfte mit Briefkastenfirmen in Steueroasen. Die von einer anonymen Quelle übermittelten Daten stammen von der Kanzlei Mossack Fonseca.

Die Firma unterhält acht Büros in China und Hongkong - und damit mehr als in jedem anderen Land. Laut ihrer Internetseite hat sie Büros in den Finanzzentren Shanghai und Shenzhen, den Hafenstädten Qingdao und Dalian, aber auch in Provinzstädten wie Jinan, Hangzhou und Ningbo.

Wie der "Guardian" berichtete, stammen die meisten Eigentümer der von Mossack Fonseca betriebenen Briefkastenfirmen aus China, der zweitgrößte Anteil aus Hongkong.

kgp/cht/dpa/AP



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jws1 07.04.2016
1. Kleiner Unterschied
Im Gegensatz zu den Chinesen müssen die Amerikaner nicht 'off shore' gehen, denn sie haben die Steueroasen im eigenen Land: Delaware, South Dakota, Wyoming und Nevada. In den letzten Tagen sind viele Milliarden (auch von Ausländern) in diese Staaten zusätzlich geflossen.
skeptiker97 07.04.2016
2. War zu erwarten
Daß es in China Nutznießer dieses "Geschäftsmodells" gibt, war zu erwarten. Es gibt viele Meldungen über solche Praktiken aus China oder Rußland. Viel interessanter wäre es doch, zu erfahren, wer bei uns in Deutschland, besonders aus Politik oder obersten Wirtschaftetagen hier dabei war. Diese Frage liegt doch wesentlich näher. Daß da niemand dabei war, erscheint mir äußerst unwahrscheinlich.
zappa99 07.04.2016
3.
Dass Sozialisten und Kommunisten früher gerne dicke schwarze Konten auf schweizer Banken hatten war ja allgemein bekannt. Die DDR und UdSSR hatten sozusagen die Gnade des frühen Todes, sonst wäre das bestimmt noch viel lustiger. Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass dies nur die Daten einer Kanzlei von vielen ist. Noch interessanter wäre es, wenn Daten der Banken aus BVI, Singapur oder Bahamas geleakt werden. V PS: Ich Dussel. Das waren ja alles keine Sozialisten und Kommunisten. Wenn es schief geht, war es ja bekanntlich kein Sozialismus oder gar Kommunismus.
matimax 07.04.2016
4. Nachtigall, ick hör dir trapsen
Zitat: ["Wie der "Guardian" berichtete, stammen die meisten Eigentümer der von Mossack Fonseca betriebenen Briefkastenfirmen aus China, der zweitgrößte Anteil aus Hongkong."] Jetzt auch schweißnasse Nächte wegen Alpträumen bei Angehörigen des roten Adels im Reich der Mitte? Da wird sich wohl so mancher Chinese wie weiland kurz vor der Rückgabe von Hongkong sicherheitshalber mal schnell nach Kanada absetzen. Oder besser gleich in eines der "schwarzen (karibischen) Löcher", dort wo traditionell nicht gezahlte Steuern auf Nimmerwiedersehen für den Fiskus verschwinden.
Sonia 07.04.2016
5. Keine Sorge, liebe Chinesen,
1. ist es rechtens, Briefkastenfirmen zu eröffnen, 2. habt ihr das vom Westen gelernt, 3. benötigen die Amis das kaum, weil, sie haben Steueroasen im eigenen Land u. moralisieren über andere und 4. niemand würde es wagen, euch irgendwie zu sanktionieren - egal, was ihr so treibt. Dafür haben wir die Russen.
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