Pappkamerad Kim Jong Il Nordkorea echauffiert sich über Südkoreas Militärübungen

Neuer Eklat zwischen Nord- und Südkorea. In der Affäre um Schüsse auf Zielscheiben mit Bildern der nordkoreanischem Führung hat Pjönjang Konsequenzen vom Süden gefordert. Die Soldaten müssten bestraft werden.

Zielscheiben der südkoreanischen Armee: Pjöngjang verlangt Strafen
REUTERS

Zielscheiben der südkoreanischen Armee: Pjöngjang verlangt Strafen


Seoul - In die angespannte Beziehung zwischen Nord- und Südkorea platzt ein neuer Skandal. Dieses Mal geht es um Soldaten des südkoreanischen Militärs, die ihre Zielscheiben für Schießübungen mit den Bildern der nordkoreanischen Machthaber beklebt haben. Das nordkoreanische Militär verlangt nun von der Armee des Südens, die Soldaten zu bestrafen. Wenn Südkorea sich nicht entschuldige und die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehe, müsse das Land mit Vergeltung rechnen, hieß es in einer am Freitag verbreiteten Erklärung des Militärs.

Das kommunistische Regime griff dabei zur gewohnt drastischen Sprache: Die Mitglieder der Staats- und Armeeführung des Südens wurden in der Mitteilung als "Marionetten" bezeichnet, die beklebten Zielscheiben selbst als "unverzeihlicher Verrat".

Mehrere südkoreanische Medien hatten in den vergangenen Tagen Fotos von Zielscheiben veröffentlicht, auf denen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il, sein Vater und Staatsgründer Kim Il Sung sowie sein jüngster Sohn und mutmaßlicher Nachfolger Kim Jong Un abgebildet waren. Auf mehreren Übungsgeländen war es bisher Praxis, auf entsprechende Fotos zu schießen. Das Vorgehen sollte nach dem Beschuss einer südkoreanischen Insel im November durch Nordkoreas Küstenartillerie helfen, "den Kampfgeist" zu stärken, zitierte die Zeitung "Chosun Ilbo" einen Militärvertreter. Bei dem Zwischenfall waren zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden.

Das Verteidigungsministerium in Seoul wies die Armee inzwischen an, die Verwendung solcher Zielscheiben umgehend einzustellen. "Wir werden eine Richtlinie zu diesem Zweck an die Einheiten ausgeben", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Seoul. Es sei jedoch die Entscheidung der betroffenen Einheiten, ob sie sich daran halten.

Die Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten hatten sich jüngst wieder erheblich abgekühlt. Auch Geheimkontakte wurden jüngst abgebrochen. Sie hatten keine Annäherung gebracht. Die Spannungen haben sich seit der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel durch Nordkoreas Küstenartillerie im November erheblich verschärft. Bei den Vorfällen waren 50 Menschen ums Leben gekommen. Seoul macht Nordkorea auch für den Schiffsuntergang verantwortlich.

ler/AFP/dpa



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