Fotostrecke

Papst im Libanon: Mehr Respekt, Nein zur Rache

Foto: Hussein Malla/ AP

Islamische Länder Al-Qaida hetzt Muslime auf, Papst fordert Friedenserziehung

In Sydney rufen radikale Muslime zu Enthauptungen auf, weltweit werden die US-Botschaften verstärkt gesichert. Die islamische Welt ist empört über das Mohammed-Video aus den USA. Inmitten der Gewaltwelle wird Papst Benedikt im Libanon bejubelt.

Dubai - Während in den arabischen Ländern nach den gewaltsamen Demonstrationen am Freitag zunächst wieder Ruhe einkehrt, flammten etwa in Sydney neue Proteste auf. Die radikalislamische Qaida und die Taliban riefen wegen eines islamfeindlichen Videos zu weiteren Protesten und Attacken auf westliche Botschaften auf. Inmitten der Gewaltwelle forderte Papst Benedikt XVI., der sich zurzeit auf einer Reise durch den Libanon befindet, eine Erziehung zum Frieden.

Vor libanesischen Vertretern von Politik, Gesellschaft und Kultur sagte Benedikt in Baabda, Christen und Muslime lebten seit Jahrhunderten im Libanon, nicht selten gebe es Familien mit beiden Religionen. Warum das nicht in der ganzen Gesellschaft möglich sein sollte, fragte der Papst. Er machte sich für eine Friedenskultur der Religionen im Nahen Osten und für ein neues Modell der Brüderlichkeit stark.

"Eine plurale Gesellschaft gibt es nicht ohne gegenseitigen Respekt, nicht ohne den Wunsch, den anderen zu kennen, und den ständigen Dialog", sagte der Papst im Palast des libanesischen Präsidenten Michel Suleiman. Es gehe darum, "nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen, ohne sie zu suchen, und schließlich zu vergeben".

In Beirut säumten am Samstag Tausende die Straßen, um das katholische Kirchenoberhaupt auf seiner Fahrt im Papamobil nach Baabda jubelnd zu begrüßen. Sie schwenkten Fähnchen in den Landesfarben und denen des Vatikans. Eine Sonntagsmesse in Beirut wird der Höhepunkt des dreitägigen Besuchs in der Konfliktregion sein. Nach Schätzungen beträgt der Anteil der Christen an den Gläubigen des Landes rund 40 Prozent.

Al-Qaida hetzt Muslime weltweit auf

Auf Gewalt setzt dagegen die radikal-islamische Qaida auf der arabischen Halbinsel. Auf ihrer Internetseite rief die Organisation Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf Botschaften und Diplomaten der USA auf. Die Attacken in den vergangenen Tagen seien die "natürliche Antwort auf eine enorme Beleidigung" gewesen, teilte der jemenitische Qaida-Zweig mit.

Der in den USA veröffentlichte Schmähfilm gegen den Propheten Mohammed sei Teil eines Kreuzzugs gegen den Islam. Der Vorfall sei so groß, dass alles darauf konzentriert werden sollte, "die Botschaften Amerikas aus muslimischen Ländern rauszuwerfen". Wer immer auf amerikanische Botschafter oder Diplomaten treffe, sollte dem Beispiel der Libyer folgen, die den US-Botschafter getötet hätten. Die jemenitische Qaida, die von den USA als der gefährlichste Arm eingestuft wird, rief zudem die Muslime in den westlichen Ländern auf, auch dort Schlüsseleinrichtungen der jeweiligen Staaten anzugreifen.

Auch die pakistanischen Taliban haben junge Muslime in Pakistan und in aller Welt zu Protesten gegen den islamfeindlichen Film aus den USA aufgerufen. Die "Jugend Pakistans" sei aufgerufen, "ihre Religion und ihre Heiligkeit zu verteidigen", erklärte ein Sprecher der Tehreek-e-Taliban in Pakistan in einer E-Mail. "Grausamkeiten" gegen Muslime nähmen überall in der Welt zu, überall würden die "Symbole des Islam beleidigt".

Verletzte bei Demonstrationen in Sydney

Am Samstag haben sich in den arabischen Ländern die Demonstranten zunächst zurückgezogen. Ägyptische Sicherheitskräfte räumten den zentralen Kairoer Tahrir-Platz und die Straßen zur nahe liegenden US-Botschaft, wo seit Tagen protestiert wurde. In Ägypten hatten die inzwischen weltweiten Proteste am Dienstag mit einem Sturm auf die US-Vertretung begonnen.

Andernorts flammten neue Proteste auf. In Sydney setzte die Polizei am Samstag Tränengas gegen Hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Teilnehmer trugen schwarze Dschihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: "Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen." Auch Parolen gegen Kopten waren zu hören. Malaysia und andere Staaten verschärften derweil die Sicherheitsvorkehrungen besonders vor US-Institutionen.

Die antiwestliche Gewalt radikaler Muslime hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf Botschaften in mehreren islamischen Ländern und forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ausländische Vertretungen effizient zu schützen.

Aus Wut über das Video eines US-Amerikaners, der am Samstag zur Vernehmung abgeholt wurde, hat ein Mob am Dienstag das US-Konsulat im libyschen Bengasi angegriffen und den amerikanischen Botschafter und drei Mitarbeiter getötet. Am Freitag wurde in der sudanesischen Hauptstadt Khartum unter anderem die deutsche Vertretung gestürmt und in Brand gesetzt.

abl/Reuters/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.