Papst im Libanon Benedikts heikle Mission

Im ganzen Land sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft: Der Papst trifft am Freitag im Libanon ein. Benedikt XVI. will mit seiner Visite die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen verbessern. Doch nicht nur wegen des umstrittenen Mohammed-Videos ist die Lage angespannt.

REUTERS

Von , Beirut


Die Straße vom Beiruter Flughafen Richtung Innenstadt ist mit den Flaggen der Vatikanstadt dekoriert. Im ganzen Land von Tripoli bis ins Bekaa-Tal prangen riesige Poster von Benedikt XVI. "Willkommen im Libanon!" heißt es darauf. Seit Wochen versichern Politiker und Vertreter aller religiösen Gruppen, wie sehr sie sich auf den Besuch des Heiligen Vaters freuen. Auch Abgeordnete der islamistischen Hisbollah wollen Benedikt XVI. ihre Aufwartung machen.

Die Beteuerungen der Politiker täuschen nicht über die Nervosität hinweg, die der Besuch des Papstes mit sich bringt: Benedikt XVI. hätte sich keinen heikleren Moment für seine Visite aussuchen können:

• Im Nachbarland Syrien tobt ein brutaler Krieg, in dem inzwischen auch Dschihadisten mitmischen.

• Islamistische Parteien scheinen in der ganzen Region auf dem Vormarsch.

Extremisten haben mehrere US-Botschaften angegriffen. Die Christen im Nahen Osten sind zunehmend besorgt.

Benedikt XVI. gilt nicht gerade als behutsamer Vermittler zwischen Christen und Muslimen. Unvergessen ist im Nahen Osten seine Rede von Regensburg 2006, in der er den Islam als kriegerisch bezeichnete. Der Aufschrei in den arabischen Staaten war groß.

Der Papst will unterstreichen, dass Christen zur arabischen Welt gehören

Dass der Papst gerade zu einem solch kritischen Zeitpunkt den Libanon besucht, ist beabsichtigt. Benedikt XVI. wolle mit seinem Besuch unterstreichen, dass Christen zur arabischen Welt gehörten, berichtete am Donnerstag der Radiosender des Vatikan. Die Christen sollten dazu aufgefordert werden, in der Region zu bleiben.

Zwar leben im Nahen Osten seit über einem Jahrtausend Christen und Muslime zusammen - die Region ist Wiege von Judaismus, Islam und Christentum. Doch gilt diese Koexistenz immer weniger als selbstverständlich.

Die christliche Minderheit im Irak ist in den vergangenen Jahren nahezu vollständig vor der Gewalt in dem Krisenland geflohen. Seit dem Sturz von Husni Mubarak in Ägypten haben sich viele Kopten, die ägyptische christliche Minderheit, auf dem Weg ins Ausland gemacht. Manche Beobachter befürchten, der Sturz des Assad-Regimes werde den Exodus der Christen in Syrien einläuten.

Angespannt ist die Situation auch im Libanon. Dort befürchten Christen, dass ein Assad-Sturz in Syrien auch ihre Position schwächen könnte. Das tief gespaltene Land will den Papst-Besuch zu einem demonstrativen Fest der Eintracht nutzen. Am Freitagabend wird Benedikt XVI. das Bergdorf Harissa besuchen. Von dort blickt eine große Marien-Statue auf Beirut herab, die libanesischen Christen, Muslimen und Drusen als wichtige Pilgerstätte gilt. Am Samstag wird sich Benedikt XVI. mit Vertretern der wichtigsten Religionen und Konfessionen treffen, bevor er am Sonntag eine Open-Air-Messe am Strand von Beirut hält, zu der über eine Million Menschen erwartet werden.

"Wir erhoffen uns, dass der Papst-Besuch das friedliche Zusammenleben aller Religionen und Konfessionen im Libanon stärkt", sagte der sunnitische Gelehrte Scheikh Walid Tabbusch aus dem konservativen Tripoli zu SPIEGEL ONLINE. "Wir hoffen, dass die libanesischen Christen dem Papst mitteilen, dass sie vor uns Muslimen keine Angst haben."

"Wir wollen einen Arabischen Frühling, der zu einem noch besseren Miteinander von Islam und Christentum führt", sagte Beschara Rai, religiöses Oberhaupt der Maroniten, der wichtigsten Christen-Konfession im Libanon, am Donnerstag.

Ganz zu trauen scheint man den Bekundungen jedoch nicht: Die Sicherheitsvorkehrungen wurden massiv verstärkt. Am Flughafen von Beirut wird während Ankunft und Abreise des Papstes jeweils für zwei Stunden der gesamte Flugverkehr eingestellt. Im ganzen Land sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Auch sollen europäische Sicherheitsexperten im Einsatz sein.

Dass der Papst-Besuch über die Feierlichkeiten des Wochenendes hinaus für Frieden und Eintracht sorgen könnte, glaubt kaum jemand.

insgesamt 40 Beiträge
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dadanchali, 13.09.2012
1. nee
Zitat von sysopREUTERSIm ganzen Land sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft: Der Papst trifft am Freitag im Libanon ein. Benedikt XVI. will mit seiner Visite die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen verbessern. Doch nicht nur wegen des umstrittenen Mohammed-Videos ist die Lage angespannt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855689,00.html
Können die sich nicht mit ihrer lächerlichen Esoterik gegenseitig in Ruhe lassen, dann würde es etwas ruhiger auf der Welt. Das der Religionsquatsch ganz verschwindet ist leider illusorisch
PeerVanDijck 13.09.2012
2. Ich respektiere den Papst
als Akademiker und Menschen, nicht aber als Vorsteher einer Organisation, ohne die die Welt ein besserer Ort wäre. Sekten wie die katholische Kirche, der Islam und das orthodoxe Judentum können einfach nichts Gutes bewirken, das hat die Geschichte unter Beweis gestellt. Was Herr Prof. Ratzinger nun ausgerechnet im Libanon zu erreichen gedenkt, ist mir ein Rätsel. Des Rätsels Lösung interessiert mich jedoch -um der Wahrheit die Ehre zu geben- auch nicht besonders.
vielgestaltigist 13.09.2012
3. Ach ja, tun Sie das?
Zitat von PeerVanDijckals Akademiker und Menschen, nicht aber als Vorsteher einer Organisation, ohne die die Welt ein besserer Ort wäre. Sekten wie die katholische Kirche, der Islam und das orthodoxe Judentum können einfach nichts Gutes bewirken, das hat die Geschichte unter Beweis gestellt. Was Herr Prof. Ratzinger nun ausgerechnet im Libanon zu erreichen gedenkt, ist mir ein Rätsel. Des Rätsels Lösung interessiert mich jedoch -um der Wahrheit die Ehre zu geben- auch nicht besonders.
Ausgerechnet als "Akademiker und Mensch"!!!Haben Sie mal Publikationen von ihm als "Großinquisitor" oder zu den Befreiungstheologen in Entwicklungsländern gelesen oder ihre Existenz wenigstens zur Kenntnis genommen? Hoffentlich war es schlichte Unwissenheit, die sie zu Ihrem Kommentar veranlaßt hat!!!!
bga 13.09.2012
4. Toleranz!
"Laecherliche Esoterik", schon diese Bezeichnung entlarvt dadanschali als einen bedauenernswerten Ignoranten. Von der Mission Benedikts aber erwarte ich auch nichts ausser einer Messe mit Demonstrationscharakter.Friedensarbeit sieht anders aus. Guenter Apsel
KingTut 13.09.2012
5. Es macht Hoffnung, wenn ...
Zitat von sysopREUTERSIm ganzen Land sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft: Der Papst trifft am Freitag im Libanon ein. Benedikt XVI. will mit seiner Visite die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen verbessern. Doch nicht nur wegen des umstrittenen Mohammed-Videos ist die Lage angespannt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855689,00.html
... ein Repräsentant der Muslime sich für ein friedliches Miteinander zwischen den Religionen einsetzt und in diesem Zusammenhang den Besuch des Papstes ausdrücklich gut heißt. Ich finde es völlig richtig, dass sich der Heilige Vater durch die derzeitigen politischen Wirren nicht davon abhalten lässt, in diese Region zu reisen. In der aktuellen, aufgeheizten Stimmung gilt es, ein Zeichen des Friedens und des Miteinanders zu setzen, damit die Fanatiker einsehen, dass Gewalt nicht die Ultima Ratio ist. Den dort lebenden Christen wird dieser Besuch hoffentlich Trost und Zuversicht in einer schwierigen Zeit spenden und sie zum Verbleib in der Arabischen Welt bewegen, wo sie hingehören. Deshalb wünsche ich dem Heiligen Vater bei seiner Mission viel Erfolg.
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