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Papst Franziskus: Der Weltpolitiker

Foto: Antonio Lacerda/ dpa

Papst Franziskus als Politiker Der Mediator der Welt

Obama und Castro, Abbas und Seehofer - Politiker stehen Schlange bei Papst Franziskus. Das Kirchenoberhaupt mischt sich ein, auch bei höchst weltlichen Themen.

Papst Franziskus hat die Annäherung zwischen den USA und Kuba moderiert. Er ruft die muslimischen Führer in der Welt auf, Terrorismus im Namen des Islam zu verurteilen. Von den Europäern fordert er eine menschliche Migrationspolitik. Das Katholiken-Oberhaupt in Rom mischt sich weltweit ein. Macht Politik.

Das haben die meisten seiner Vorgänger zwar auch gemacht. Ganz früher war es in der Regel christlich-verbrämte Interessenpolitik des Kirchenstaates. Teilweise mit wenig Skrupeln. Später mischten die Päpste gern im Wettstreit des "christlichen Abendlandes" gegen andere Mächte mit. Der Pole Johannes Paul II. kämpfte gegen den Kommunismus, unterstützte die Opposition in seinem Heimatland, auch mit Geld und Druckmaschinen für Flugblätter.

Franziskus, erster Papst aus einem Drittweltland, denkt und handelt ganz anders. So wie der Mann aus Argentinien sich dort weder zu den Machthabern noch zur Befreiungstheologie gestellt hat, orientiert er sich auch jetzt auf dem "Heiligen Stuhl" wenig an politischen Farben oder ideologischen Gegensätzen. Sein Ideal ist "eine menschliche und brüderliche Welt, in der Platz für alle ist, besonders für die Schwächsten und Verletzlichsten". So beschrieb es sein "Außenminister", der Chef des vatikanischen Staatssekretariats Pietro Parolin, in einem Interview mit der Kirchenzeitung "Avvenire".

Die Unterschiede zwischen den Menschen sind für Franziskus beim Aufbau einer humanen Welt nicht hinderlich, sondern ganz im Gegenteil: "Reichtum und Ressource". Dieser Ansatz macht ihn zum idealen Mediator der Weltpolitik.

Nächste Mission: Guantanamo

Derzeit hilft er bei der Suche nach Aufnahmeländern für unschuldige Häftlinge aus Guantanamo. Dort haben die Amerikaner mutmaßliche Terroristen nach dem 11. September 2001 eingesperrt. US-Präsident Obama will sie seit Langem loswerden, weiß nur nicht wohin. Nach Hause können die meisten kaum. In die USA dürfen sie nicht, weil der Senat das verhindert. Andere Länder sind bislang nur zögerlich zur Aufnahme bereit. Zumal die USA verlangen, die Entlassenen auch dort rund um die Uhr zu bewachen. Man weiß ja nie, was Folter aus Unschuldigen machen kann.

Jetzt soll Franziskus ran. Vor ein paar Tagen, am 15. Dezember, bat US-Außenminister John Kerry, der Papst möge doch "bei der Suche nach passenden humanitären Lösungen für die derzeitigen Insassen" helfen.

Drei Religionen - ein Gebet

Dreimal traf sich Franziskus in diesem Jahr mit Israels Staatschef Schimon Peres. Im Juni betete er gemeinsam mit Peres und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas in den Vatikanischen Gärten. Der Katholik mahnte den Juden Peres und den Moslem Abbas, endlich Frieden im Nahen Osten zu schaffen. Die Welt gehöre nicht nur den Alten, sie sei auch "eine Leihgabe unserer Kinder". Die aber seien schon lange "müde und erschöpft von den Konflikten".

Auch ungefragt mischt sich Franziskus ein. Einige Beispiele:

  • Beim Besuch auf der italienischen Insel Lampedusa wetterte er, angesichts von Tausenden toten Flüchtlingen in jedem Jahr, das Mittelmeer dürfe "nicht zum Massenfriedhof" werden. Europa solle endlich eine vernünftige und menschliche Migrationspolitik betreiben.
  • In Rio de Janeiro rief er am Weltjugendtag 2013 in einer Favela zur Überwindung von sozialer Ausgrenzung auf und verurteilte gewaltsame Polizeieinsätze gegen Demonstranten.
  • In seinem Lehrschreiben Evangelii Gaudium kritisierte Franziskus die gegenwärtig herrschende freie Marktwirtschaft drastisch wie kein Papst zuvor: "Diese Wirtschaft tötet."
  • Beim Uno-Weltumwelttag am 5. Juni 2013 rechnete er mit der "Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln" ab. In der "Wegwerfkultur" regiere nicht der Mensch, sondern das Geld. Die Umwelt habe da keine Chance.
  • In der Türkei forderte er die "muslimischen Führer in der Welt" auf,"missbräuchlich im Namen des Islam verübte Gräueltaten" öffentlich zu verurteilen. Das würde auch der "Mehrheit der Muslime helfen", denn sonst liefen die Gefahr, Opfer von Vergeltung zu werden.

"Der Papst ist kein Linker, aber er spricht wie einer"

Mitunter wird er sehr konkret. Bei einer Generalaudienz Anfang November widmete er sich Plänen des deutschen ThyssenKrupp-Konzerns, in dem italienischen Stahlwerk Terni einige Hundert Stellen abzubauen. Er mache sich Sorgen angesichts der "schlimmen Lage", in welcher die Familien dort steckten, sagte Franziskus und rief vor 20.000 Menschen auf dem Petersplatz: "Mit Arbeitsplätzen spielt man nicht."

"Angenehm überrascht" war denn auch der Grieche Alexis Tsipras, Chef der "Koalition der Linken" (Syriza) bei seinem Rom-Besuch im September. Völlig einig war der Papst mit ihm, dass es "unfassbar" sei, dass die Politik zuvorderst Banken und nicht Menschen retten wolle. "Der Papst ist kein Linker", sagte Tsipras nach dem Gespräch, "aber er spricht wie einer".

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