Papst-Zitate Wenn Franziskus Klartext spricht

Todesstrafe, Flüchtlingskrise, Kapitalismus: Auch auf seiner USA-Reise mischt sich Papst Franziskus in aktuelle politische Debatten ein. Eine Auswahl seiner Zitate.

Papst Franziskus (in Havanna): Keine Scheu vor aktuellen Themen
AFP

Papst Franziskus (in Havanna): Keine Scheu vor aktuellen Themen

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Papst Franziskus hat sich den Ruf erarbeitet, die Dinge etwas anders zu machen als seine Vorgänger. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte der Argentinier ein Zeichen der Bescheidenheit: Er wollte nicht in den apostolischen Palast ziehen und machte die Geste der Fußwaschung wieder salonfähig. Auf seiner USA-Reise ist Franziskus nun nicht in einer abgedunkelten Limousine unterwegs - sondern in einem Fiat 500.

Auch scheut er sich nicht, in politische Debatten einzugreifen. Lesen Sie hier eine kleine Auswahl von Zitaten des Papstes zu aktuellen Themen, die er auch in den Vereinigten Staaten immer wieder anspricht:

Flüchtlinge

Flüchtlinge in Hamburg: "Wir müssen sie als Personen sehen"
Getty Images

Flüchtlinge in Hamburg: "Wir müssen sie als Personen sehen"

  • "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen" (24.9.2015 vor dem US-Kongress)
  • "Wir müssen Flüchtlinge aufnehmen, weil das ein Gebot der Bibel ist." (14.9.2015 im Interview mit einem portugiesischen Radiosender)
  • "Die verschlossene Familie, die verschlossene Pfarrgemeinde, das verschlossene Land, all das kommt von uns und hat nichts mit Gott zu tun" (6.9.2015 nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom)
  • "Jede Pfarrgemeinde, jede religiöse Gemeinschaft, jedes Kloster, jeder Wallfahrtsort in Europa soll eine Familie beherbergen." (6.9.2015 nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom)
  • "Wir dürfen nicht müde werden, auf ein umfassenderes Engagement auf europäischer und internationaler Ebene zu drängen." (18.4.2015 nach einer Audienz des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella in Rom)
  • "Wir können es nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird." (25.11.2014 in Straßburg vor dem Europäischen Parlament)

Klima

Dürre: Ein Mann geht mit seinem Hund über den ausgetrockneten Grund eines Stausees im spanischen Alcora (Aufnahme aus 2005)
AP

Dürre: Ein Mann geht mit seinem Hund über den ausgetrockneten Grund eines Stausees im spanischen Alcora (Aufnahme aus 2005)

  • "Mr. President, ich finde es ermutigend, dass Sie eine Initiative zur Verringerung der Luftverschmutzung vorschlagen. Die Dringlichkeit des Themas, so scheint es mir, zeigt, dass der Klimawandel ein Problem ist, das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf." (23.9.2015 in der Rede vor dem Weißen Haus)
  • "Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle. […]Es besteht eine sehr starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden.[…] Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um diese Erwärmung oder zumindest die menschlichen Ursachen, die sie hervorrufen und verschärfen, zu bekämpfen." (Aus der Umweltenzyklika "Laudato si'" vom Juni 2015)

Armut

Frau mit ihren wenigen Habseligkeiten in Washington (Aufnahme vom November 2012)
REUTERS

Frau mit ihren wenigen Habseligkeiten in Washington (Aufnahme vom November 2012)

  • "Der Aufruf, auf den Schrei der Armen zu hören, nimmt in uns menschliche Gestalt an, wenn uns das Leiden anderer zutiefst erschüttert." (aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" vom November 2013)
  • "Es ist unerlässlich, neuen Formen von Armut und Hinfälligkeit - den Obdachlosen, den Drogenabhängigen, den Flüchtlingen, den eingeborenen Bevölkerungen, den immer mehr vereinsamten und verlassenen alten Menschen usw. - unsere Aufmerksamkeit zu widmen." (aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" vom November 2013)
  • "Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!" (16.03.2013 bei einer Begegnung mit Medienvertretern in Rom)
  • "Es gibt immer jemanden in unserer Nähe, der in Not ist, materiell, emotional oder spirituell. Das größte Geschenk, das wir ihnen machen können, ist unsere Freundschaft, unser Interesse, unsere zärtliche Zuwendung, unsere Liebe zu Jesus." (18.1.2015 bei einem Treffen mit den Jugendlichen, Santo-Tomas-Universität, Manila/Philippinen)

Kapitalismus

Kapitalismus-Kritiker: Occupy-Camp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Mai 2012)
DPA

Kapitalismus-Kritiker: Occupy-Camp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Mai 2012)

  • "Auch in der entwickelten Welt sind die Auswirkungen von ungerechten Strukturen und Handlungen deutlich sichtbar." "Wenn die Politik wirklich den Menschen dienen soll, darf sie nicht Sklave der Wirtschaft und Finanzwelt sein." (24.9.2015 in seiner Rede vor dem US-Kongress)
  • "Das Wirtschaftssystem dieser Welt ist nicht gut. Der Mensch muss im Zentrum des wirtschaftlichen Systems stehen. […]Wir haben aber das Geld, den Gott Geld, ins Zentrum gerückt. Wir sind der Sünde der Abgötterei verfallen." (Franziskus gegenüber der spanischen Zeitung "La Vanguardia" 15.6.2014)
  • "Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren" (16.5.2013 bei einem Treffen mit den Botschaftern mehrerer Kleinstaaten in Rom)
  • "Schlimmer noch, der Mensch selbst wird sogar als Konsumgut angesehen, das man benutzen und dann wegwerfen kann." (16.5.2013 bei einem Treffen mit den Botschaftern mehrerer Kleinstaaten in Rom)

insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
vogelsteller 26.09.2015
1. Lichtjahre entfernt vom Evangelium Jesu
>Auch auf seiner USA-Reise mischt sich Papst Franziskus in aktuelle politische Debatten ein.< Jesus hat anderes gesagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Das Verhalten des Papstes ist dazu konträr und nicht nur in diesem Fall. Somit ist klar, wie der Papst oder die Päpste zu bewerten sind.
taglöhner 26.09.2015
2. Bergpredigt in Hollywood
Ja, Menschenwerk ist unvollkommen. Aber nicht vergessen: Auch das Evangelium ist Menschenwerk. Und das alte Testament auch. Ebenso wie die übrigen angeblich allwissenden Bücher. Bergoglio ist ein toller Papst, aber auch er überschätzt seine Ideologie.
kyon 26.09.2015
3. Gebot der Bibel?
"Wir müssen Flüchtlinge aufnehmen, weil das ein Gebot der Bibel ist."(Bergoglio) Ich weiss zwar nicht, wo in der Bibel das Gebot zur Flüchtlingsaufnahme steht, ich weiss dafür aber, dass in der Bibel niedergelegt ist, dass vor dem Eingreifen des von Bergoglio verehrten Gottes bei der Hilfestellung für sein auserwähltes Volk auf dem Weg ins gelobte Land unzählige Menschen aus ihren Städten fliehen mussten, wenn sie die zahlreichen Überfälle überhaupt überlebt hatten, was meistens nicht der Fall war.
demophon 26.09.2015
4. Widersprüchliche Botschaft
Der Papst sagt einerseits, wir dürften nicht über die Anzahl der Flüchtlinge aus der Fassung geraten, gibt andererseits aber die Aufforderung heraus, jedes Kloster, jede Kirchengemeinde etc. solle nur EINE Familie beherbergen, wie er es ja auch im Vatikan mit seinem 1400-Zimmer Apostolischen Palast praktiziert.
seneca55 26.09.2015
5. Der Papst als 1. Vertreter der Christenheit
Bleibt trotz Skandalkirche 1. Moralische Instanz in dieser aus den Fugen geratenen Welt. Seine Appelle und Kritik an die Mächtigen und einfachen Menschen dieser Welt zeigt immer Wirkung, besonders bei Papst Franziskus, obwohl er keine weltliche Macht mehr besitzt. - "Wie viele Divisionen hat der Papst?" Zitat: Josef Stalin, 1945/; Solidarnosz-Polen, 1980-89!- die moralische Macht des Papstum ist nie zu unterschätzen. Papst Franziskus wirkt nach außen wie nach innen und verteidigt erfolgreich seine Position in der Welt, oder?
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