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Franziskus in Abu Dhabi und Dubai: Papst am Golf

Foto: TIZIANA FABI/ AFP

Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten Der Scheich trügt

Zum ersten Mal ist ein Papst auf die Arabische Halbinsel gereist. Die Herrscher von Abu Dhabi und Dubai nutzen den Besuch, um sich als Vorkämpfer für Toleranz zu inszenieren. Dahinter steckt Kalkül.

Fliegerstaffel, Pferdeeskorte, militärische Ehrenformation: Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi, fuhr zur Begrüßung von Papst Franziskus vor seinem Palast alles auf, was sein Emirat an Pracht zu bieten hat. Nur der kleine schwarze Kleinwagen, in dem der Pontifex vorfuhr, passte nicht so recht ins Bild.

Der Aufwand, den die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) betreiben, hat Gründe: Zum ersten Mal besucht ein Oberhaupt der katholischen Kirche die Arabische Halbinsel. Sein 48-Stunden-Besuch hat zwei wichtige Programmpunkte: Am Montagabend nahm Papst Franziskus an einem interreligiösen Treffen mit Vertretern des Islams und anderer Religionen teil. Und am Dienstag hält er eine Messe im größten Fußballstadion von Abu Dhabi, zu der mehr als 120.000 Menschen erwartet werden. Es wird die größte Feier des christlichen Glaubens auf der Arabischen Halbinsel seit der Entstehung des Islams.

Die VAE wollen sich mit dem Papstbesuch als Hort der Toleranz im Nahen Osten inszenieren. Der Begriff ist seit Jahren ein Schlagwort in der Außendarstellung des Golfstaates: Seit 2016 gibt es ein Ministerium für Toleranz, im November 2017 weihte Dubai eine Toleranzbrücke ein, Staatschef Khalifa bin Zayed rief gleich das ganze Jahr 2019 zum Jahr der Toleranz aus, in dem die VAE zur Welthauptstadt der Toleranz werden sollten.

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Die Führung des Landes verweist darauf, dass Menschen aus mehr als 200 Ländern dauerhaft friedlich und spannungsfrei zusammenleben. Nach offiziellen Angaben sind 13 Prozent der Einwohner Christen, die meisten von ihnen Gastarbeiter aus Ostasien, Afrika oder Europa. Es gibt inzwischen mehr als 40 Kirchen. Hinzu kommen Tempel für Hindus, Sikhs und Buddhisten. Auch eine Synagoge steht seit drei Jahren in Dubai. An ihr zeigen sich jedoch die Grenzen der Toleranz: Die Gemeinde hält den genauen Ort der Villa, in der sie sich trifft, aus Sicherheitsgründen geheim.

Fatwa aus Saudi-Arabien

Trotzdem sind die VAE in puncto religiöser Toleranz deutlich weiter als ihr großer Nachbar und wichtigster Verbündeter Saudi-Arabien. Dort urteilte das Ständige Komitee für Rechtsfragen, in dem die fünf obersten islamischen Rechtsgelehrten des Königreichs vertreten sind, noch im Jahre 2000: "Die Arabische Halbinsel ist die sakrosankte Basis des Islam, die kein Ungläubiger verletzen darf." So steht es in einem Rechtsgutachten, das auf der offiziellen Website des Königreichs noch immer abrufbar ist . "Es ist unnötig zu erwähnen, dass der Bau von Kirchen für die Anbeter des Kreuzes dort verboten ist", heißt es in der Fatwa. "Dort können keine zwei Religionen koexistieren."

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Franziskus in Abu Dhabi und Dubai: Papst am Golf

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Die Emirate setzen sich also über die religiöse Führung in Saudi-Arabien hinweg. Trotzdem sind Muslime und Christen im Land nicht gleichgestellt: Eine Christin darf zwar einen Muslim heiraten, ein Christ aber keine Muslimin. Christen dürfen nicht missionieren, einem Muslim, der zum Christentum übertritt, droht die Todesstrafe.

Reformen sind nur Gnadenbeweise

Menschenrechtsgruppen werfen den Scheichs in Abu Dhabi und Dubai vor, sie nutzten das Schlagwort der religiösen Toleranz, um damit ihre politische Intoleranz zu verschleiern. Das zeigt sich etwa am Beispiel Ahmed Mansoor: Der Aktivist hatte die Staatsführung öffentlich kritisiert und wurde dafür im vergangenen Jahr in einem Geheimprozess zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. "Auch wenn sie inbrünstig beteuern, ein progressiver, toleranter Rechtsstaat zu sein, sind die VAE in den vergangenen Jahren beängstigend unsicher für Akademiker, Journalisten, Aktivisten und Kritiker geworden", schreibt Human Rights Watch anlässlich des Papstbesuches.

Der Kurs der VAE-Führung ähnelt dem Vorgehen des ägyptischen Staatschef Abdel Fattah el-Sisi oder des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Sie inszenieren sich als Anwälte religiöser Minderheiten, Kämpfer gegen islamischen Extremismus und mahnen Reformen im Islam an. Dabei geht es ihnen jedoch in erster Linie darum, sich mit ihren westlichen Verbündeten gutzustellen und damit ihr drakonisches Vorgehen gegen Kritiker im Inland zu rechtfertigen. Denn diese Politik wird nicht begleitet mit einer Stärkung demokratischer Institutionen. Im Gegenteil: Die Reformen sind nichts anderes als Gnadenbeweise der Herrscher, die sie nach Gutdünken gewähren oder verweigern.

Ungefähr so haben über Jahrhunderte die Päpste regiert.