Papst mit historischem Auftritt vor Uno Franziskus mahnt die Welt zur Eile

Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Papst Franziskus hat vor den Vereinten Nationen in New York gesprochen. Er mahnte die Staaten der Welt zu schnellen Reformen.
Papst Franziskus vor den Vereinten Nationen: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben"

Papst Franziskus vor den Vereinten Nationen: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben"

Foto: TIMOTHY A. CLARY/ AFP

Noch nie zuvor hat ein Papst vor so vielen Staats- und Regierungschefs gesprochen. Franziskus hielt eine Rede zum Auftakt des Nachhaltigkeitsgipfels der Vereinten Nationen in New York.

Im Publikum saß auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Papst prangerte in seiner Rede vor allem die Umweltzerstörung an. Er kritisierte die von Menschen verursachte Zerstörung der Umwelt scharf. "Jede Schädigung der Umwelt ist eine Schädigung der Menschheit", sagte der Pontifex bei seiner mit Spannung erwarteten Rede.

Er ging dabei auch auf Atomwaffen ein und forderte ein weltweites Verbot. Den Atomvertrag mit Iran nannte er einen Beweis für den politischen guten Willen. Er hoffe, das Abkommen erweise sich als dauerhaft und wirksam.

In Bezug auf den "Islamischen Staat" (IS) sagte er, er verurteile jede Verfolgung von religiösen Minderheiten und jegliche Zerstörung von Kulturerbestätten.

Rüffel für die "Wegwerfkultur"

Der Uno-Gipfel will eine Agenda 2030 mit 17 Entwicklungszielen beschließen. Dazu gehört die völlige Eliminierung von Hunger und Armut bis 2030. Der Papst mahnte, jeder Mensch habe ein Recht auf Leben, was einem "Existenzrecht der menschlichen Natur selbst" entspreche. Die heute verbreitete "Wegwerfkultur" treffe die Ärmsten der Welt am härtesten. Er forderte die Weltgemeinschaft zur Eile auf.

"Tatsächlich führt ein egoistisches und grenzenloses Streben nach Macht und materiellem Wohlstand dazu, sowohl die verfügbaren materiellen Ressourcen ungebührlich auszunutzen als auch die auszuschließen, die schwach und weniger tüchtig sind", sagte der Papst. Bei dem Uno-Gipfel stehen über das Wochenende die sogenannten Nachhaltigkeitsziele auf der Agenda. Der Papst gab sich in seiner Rede überzeugt, dass die Uno-Klimakonferenz in Paris im Dezember Fortschritte bringe.

Vor 15 Jahren hatte die Uno die sogenannten Jahrtausendziele beschlossen, die eine drastische Senkung von Hunger, Armut, Kindersterblichkeit und anderen Punkten angehen sollten. Die Nachhaltigkeitsziele sollen nun darauf aufbauen.

Franziskus hat seinen ersten USA-Besuch am Dienstag in Washington begonnen. Am Mittwoch wurde er von Präsident Barack Obama im Weißen Haus empfangen. Dabei rief er zum Kampf gegen den Klimawandel und zur Aufnahme von Einwanderern auf.

Im Video: Stationen aus der USA-Reise des Pontifex

SPIEGEL ONLINE
ler/dpa/Reuters
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