Papst-Rede Moslembrüder wollen Benedikts Kniefall

Die islamistische Moslembruderschaft in Ägypten lässt auch nach Benedikts öffentlichem Bedauern nicht locker: Die jüngste Erklärung des Papstes reiche ihnen nicht, teilt die Organisation mit. Benedikt XVI. müsse sich persönlich entschuldigen.


Hamburg/Kairo - Die Moslembruderschaft hatte unmittelbar nach der Rede des Papstes in Regensburg eine Entschuldigung von Benedikt XVI. gefordert. Das geistliche Oberhaupt der Katholiken gieße "Öl aufs Feuer", lautete die Kritik der radikalen ägyptischen Organisation. Heute nun ließ der Vatikan eine Erklärung verbreiten, wonach der Papst seine Wortwahl bedauere. Doch der Moslembrüderschaft genügt das nicht - ihr geht die Erklärung nicht weit genug.

"Wir wollen eine persönliche Entschuldigung des Papstes Wir empfinden, dass er einen gravierenden Fehler begangen hat, der uns betrifft, und dieser Fehler kann nur durch eine persönlich vorgebrachte Entschuldigung beseitigt werden", sagte der Vizechef der Organisation, Mohammed Habib. Das, was der Vatikan bisher verbreitet habe, sei keine persönliche Entschuldigung für Aussagen, von denen der Papst überzeugt sei.

Der Vatikan hatte zuvor mitgeteilt, dass der Papst seine Wortwahl bedauere. Staatssekretär Tarcisio Bertone, der Außenminister des Vatikan, erklärte: Die Haltung des Papstes zum Islam stehe in Einklang mit der Lehre der Kirche, die "die Muslime achtet, die den einen Gott lieben". Deshalb sei der Papst "sehr bestürzt", dass Teile seiner Rede so geklungen haben könnten, dass sie die Gefühle gläubiger Muslime verletzten. Diese Passagen seien "so interpretiert worden, wie es nicht der Absicht" der Papstes entspreche, erklärte Bertone.

Benedikt XVI. respektiere alle gläubigen Muslime und hoffe, sie würden den wahren Sinn seiner Rede verstehen, hieß es in einer Stellungnahme des Vatikans. "Der Heilige Vater bedauert sehr, dass einige Passagen seiner Rede für Muslime beleidigend geklungen haben könnten", teilte Kardinal-Staatssekretär Bertone mit.

Bevor die Bedauerns-Äußerung des Papstes bekannt wurde, war der Protest in vielen Ländern mit muslimischer Bevölkerung weiter angeschwollen. Geistliche und staatliche Amtsträger hatten eine Entschuldigung gefordert. Zuletzt hatte auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine Entschuldigung von Benedikt XVI. gefordert. Was Benedikt über den Propheten Mohammed gesagt habe, sei "hässlich und unglücklich" und "nicht hinnehmbar", sagte Erdogan heute nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Benedikt habe nicht wie ein Geistlicher gesprochen, sondern wie ein Politiker, kritisierte Erdogan.

Für den November ist eine Papstreise in die Türkei geplant - die in der Kontroverse um die Regensburger Rede von Benedikt XVI. in Frage gestellt worden war.

Gleichzeitig hatten in Deutschland Unionspolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Edmund Stoiber, Jürgen Rüttgers und Ronald Pofalla Unterstützung für den Papst geäußert. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte zum SPIEGEL gesagt: "Es muss noch möglich sein, dass man einen jahrhundertealten Text zitiert, wenn man sich doch erkennbar nicht damit identifiziert."

kaz/Reuters/dpa



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