Messerattacke mit fünf Toten Anti-Terror-Ermittlungen nach Angriff in Pariser Polizeipräsidium

Nach der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier haben Antiterrorspezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Zuletzt galt eine psychische Erkrankung als wahrscheinliches Tatmotiv.

Polizeiabsperrung nahe des Tatorts: Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung?
Marc Piasecki/ Getty Images

Polizeiabsperrung nahe des Tatorts: Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung?


Bislang war wenig bekannt über den Informatiker, der in der Verwaltung der Pariser Polizei arbeitete und am Donnerstag vier Kollegen erstach - und daraufhin erschossen wurde. Als wahrscheinlichstes Tatmotiv galt zuletzt aber eine psychische Erkrankung. Nun die Wende: Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat am Freitag die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

Nach Angaben aus Justizkreisen wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtspersonen in Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung ermittelt.

Laut dem französischen Nachrichtensender BFMTV sollen unter anderem die Auswertung des Handys des 45-jährigen Täters sowie erste Vernehmungen zu dieser Entwicklung geführt haben. Die Tageszeitung "Le Monde" berichtet, der Täter habe sich vor 18 Monaten zum Islam bekannt. Nachbarn zufolge soll er regelmäßig zu Gebeten in die Moschee seines Viertels gegangen sein.

Seinen Kollegen, so heißt es in Polizeikreisen, seien jedoch keine Anzeichen einer Radikalisierung aufgefallen. In den Stunden nach der Tat hatten sowohl die Ermittler wie auch Innenminister Christophe Castaner einen terroristischen Hintergrund der Tat ausgeschlossen.

Der Angreifer, Mickaël H., der schwerhörig war, arbeitete seit 2003 in der Präfektur, er galt als ruhiger, aber unauffälliger Kollege. Die internen üblichen Sicherheitsprüfungen hatten keine anderen Ergebnisse zu Tage gebracht.

Die Pariser Tageszeitung "Le Parisien" meldet nun, dass Sicherheitsbehörden nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Januar 2015 bereits einen Hinweis auf den Täter gegeben hätten. Seiner Frau habe er den Kauf des Messers, mit dem er in der Präfektur seine Kollegen tötete, kurz zuvor gestanden, per SMS. Sie soll ihm, ebenfalls per SMS, geantwortet haben: "Nur Gott wird über Dich richten."

Die Frau des Täters sagte gestern gegenüber den Ermittlern aus, ihr Mann habe vor der Tat eine sehr unruhige Nacht verbracht und ihr erzählt, er habe "Stimmen gehört". Der Polizeigewahrsam der Ehefrau wurde heute verlängert.

Der in dieser Form beispiellose Messerangriff löste in Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Staatschef Emmanuel Macron und Regierungsmitglieder begaben sich an den Tatort, um mit Mitarbeitern zu sprechen. Der Angreifer war französischen Medienberichten zufolge in der Abteilung "Direction de Renseignement" der Polizeibehörde eingesetzt - in dieser Abteilung geht es unter anderem um den Kampf gegen Terrorbedrohungen.

bsa/vks/dpa/AFP



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