Nach Messerattacke in Pariser Vorort Ermittler gehen von terroristischem Hintergrund aus

Der tödliche Messerangriff in einem Vorort von Paris hatte nach Annahme der Staatsanwaltschaft einen islamistischen Hintergrund. Antiterrorspezialisten haben die Ermittlungen übernommen.
Französische Polizisten sichern nach der tödlichen Messerattacke den Pariser Vorort Villejuif.

Französische Polizisten sichern nach der tödlichen Messerattacke den Pariser Vorort Villejuif.

Foto: Charles Platiau/Reuters

Nach der Messerattacke in einem Pariser Vorort, bei der ein Mensch getötet und weitere verletzt worden waren, gehen die Ermittler von einem islamistischen Tatmotiv aus. Einen Tag nach der Tat hat die Antiterrorstaatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das teilte die Behörde in der französischen Hauptstadt unter Verweis auf eine Radikalisierung des Täters sowie den offenbar gezielten Charakter der Tat mit. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Angreifer bei der Tat "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen und einen muslimischen Passanten verschont hatte.

Ein 22-jähriger Angreifer hatte am Freitagnachmittag im Pariser Vorort Villejuif mehrere Menschen im Bereich eines Parks mit einem Messer angegriffen. Ein Mensch wurde getötet, zwei weitere verletzt. Der Täter wurde von der Polizei erschossen. Die örtliche Staatsanwaltschaft hatte am Samstagnachmittag bereits Details bekanntgegeben und erklärt, dass ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen sei.

Die Staatsanwältin von Créteil, Laure Beccuau, sagte bei einer Pressekonferenz, der 22-jährige Nathan C. habe bei der Tat "Allahu Akbar" gerufen. Er habe zudem einen Passanten verschont, der sich durch das Aufsagen eines Gebets auf Arabisch als Muslim zu erkennen gegeben habe. Danach habe C. mit "extremer Gewalt" und "extremer Entschlossenheit" seine Taten begangen.

Verdächtiger soll seit seiner Kindheit psychische Probleme gehabt haben

Beccuau machte auch weitere Angaben zum Gesundheitszustand des Angreifers. Dieser sei bis Mai in einer psychiatrischen Einrichtung in Behandlung gewesen. Demnach litt er seit seiner Kindheit an psychischen Problemen. 2017 konvertierte er den Angaben zufolge zum Islam. Den Behörden war im Vorfeld keine Radikalisierung des 22-Jährigen aufgefallen.

Die Tat erfolgte wenige Tage vor dem fünften Jahrestag des Angriffs auf die Satirezeitung Charlie Hebdo im Januar 2015. Bei dem islamistischen Anschlag waren zwölf Menschen getötet worden.

Frankreich ist seit 2015 von einer Reihe von Anschlägen getroffen worden, bei denen insgesamt mehr als 250 Menschen starben. Die Angriffe hatten zumeist einen islamistischen Hintergrund. Zuletzt erstach im Oktober ein zum Islam konvertierter Verwaltungsangestellter vier Polizisten im Pariser Polizeipräsidium.

yer/AFP/dpa
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