Frankreich Gelbwesten-Proteste in Paris - Krawalle zum Jahrestag

Die Gelbwestenbewegung in Frankreich verlor zuletzt stark an Zulauf. Doch am ersten Jahrestag der Proteste sind Gewalt und Krawalle wieder aufgeflammt - in Paris verlangte die Polizei die Absage einer Demo.

"Gelbweste" in Paris: Brennende Barrikade
Kiran Ridley/Getty Images

"Gelbweste" in Paris: Brennende Barrikade


Zum ersten Jahrestag der sogenannten Gelbwestenproteste ist es in Paris wieder zu massiven Ausschreitungen gekommen. Im Süden der französischen Hauptstadt gingen am Samstag Fahrzeuge und Absperrungen in Flammen auf, Schaufenster wurden eingeschlagen und Barrikaden errichtet.

Polizeipräsident Didier Lallement sprach von "systematischen Angriffen auf Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute". Ein Großteil der Randalierer war vermummt, nur wenige trugen eine gelbe Warnweste, das Erkennungszeichen der Gelbwesten.

Am Wochenende des 17. Novembers vor einem Jahr fanden die ersten großen landesweiten Proteste der Gelbwesten in Frankreich statt. Sie protestierten gegen soziale Ungerechtigkeit und die Politik von Präsident Emmanuel Macron. Vor allem in Paris kam es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen. In den vergangenen Monaten verlor die Bewegung stark an Zulauf. Zum Jahrestag sind landesweit zahlreiche Aktionen der Gelbwesten über das gesamte Wochenende geplant.

Die Polizei wollte Krawalle wie in der Vergangenheit unbedingt verhindern. Auf der Prachtmeile Champs-Élysées und anderen Orten in der Hauptstadt sind Demonstrationen verboten. Zahlreiche Metrostationen in Paris bleiben am Wochenende geschlossen. Die Polizei beschlagnahmte bei ihren Kontrollen etwa Feuerwerkskörper, Helme und Gasmasken. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Im Süden von Paris, am Place d'Italie, eskalierte die Lage am Vormittag schnell. Vermummte lieferten sich einen regelrechten Straßenkampf mit den Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Ein großes Einkaufszentrum am Place d'Italie blieb geschlossen. Polizeipräsident Lallement betonte, dass die Gewalt von Personen begangen würde, die nicht gekommen seien, um eine Sache zu verteidigen.

Eigentlich sollte am Nachmittag vom Place d'Italie ein angemeldeter Demonstrationszug starten. Die Polizei verlangte die Absage der Demo. Lallement ermutigte die Demonstranten, den Platz zu verlassen. Er betonte, dass die Pariser Polizei die Lage unter Kontrolle habe. Auch wenn die Bilder vom Place d'Italie spektakulär seien, sei es im Rest der Hauptstadt ruhig.

Kurzzeitig hatten am Morgen einige Hundert Gelbwesten die Pariser Ringautobahn im Nordwesten der Stadt blockiert. Die Polizei löste die Blockade aber schnell auf. Auch an der Porte de Champerret und am Place de Clichy im Norden von Paris versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Sie zogen dort weitgehend friedlich durch die Straßen. In anderen Regionen Frankreichs gab es ebenfalls Demonstrationen, die zum großen Teil ohne Zwischenfälle verliefen.

In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Randalierer unter die Gelbwesten gemischt. Viele Anhänger der Bewegung besetzten zur Hochzeit der Proteste friedlich Kreisverkehre und Straßen. Die Gewalt eskalierte mehrmals in der Hauptstadt, dort herrschte an den ersten Demonstrationswochenenden Ausnahmezustand.

wit/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Stäffelesrutscher 16.11.2019
1.
Wenn das in Havanna, Caracas oder La Paz so aussehen würde, hätte die EU schon längst vom notwendigen Ende des brutalen Regimes geschrieben, und Herr Maas hätte einen Gegenpräsidenten anerkannt.
Skeptiki 16.11.2019
2. Sehr diskrepante Bewertungen zu ähnlichen Phänomenen
Mit welcher Leichtigkeit werden zwei Artikel zu Protestierenden einfach aneinandergereiht: zuerst zu Frankreich und direkt danach zu Hong Kong. Die ersten werden als Randalierer bewertet, die zweiten als Aktivisten. Ich bin ratlos, anscheinend fehlen mit die notwendigen Kategorien, um dies alles zu verstehen. Das erinnert mich auch etwas an die sehr unterschiedlich gehandhabte Klassifizierung in Widerstandskämpfer versus Terroristen, je nach dem, wie es uns besser passt.... Eine objektivere bzw. differenziertere Herangehensweise wäre doch journalistisch geboten, oder nicht?
HolgerSell 16.11.2019
3. Nr.
Wo erkennen Sie denn in Frankreich ein brutales Regime und wo zeigt sich ein Gegenpräsident ?
mk84 16.11.2019
4. Merci
Ein herzliches Dankeschön an die "Gelbwesten" und alle anderen, die in Frankreich regelmäßig und eindrucksvoll auf die Straße gehen und sich gegen den neoliberalen Wahnsinn positionieren. Das kann man sich hierzulande ja kaum vorstellen und dass es direkt im Nachbarland große Mehrheiten gibt, denen Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt tatsächlich am Herzen liegen, ist beruhigend. In Sachen Demokratie ist man in Frankreich eben traditionell fortschrittlicher als hierzulande. Europa ist Gott sei Dank nicht nur das eher peinliche Deutschland.
karlspringer 16.11.2019
5. @Stäffelesrutscher @HolgerSell
Bin 100% Ihrer Meinung. Da sehen wir einmal mehr wie unterschiedlich alles ausgelegt wird.
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