Messerattacke Angreifer in Paris war laut Staatsanwalt Islamist

In Frankreich hat ein Polizeimitarbeiter vier Kollegen getötet. Danach mehrten sich die Hinweise für einen terroristischen Hintergrund. Die Ermittler sagen nun, der Täter sei Anhänger einer radikalen Form des Islam gewesen.

Trauer und Entsetzen in Frankreich: Nach einer Messerattacke sperrte die Polizei mehrere Straßen in Paris.
AFP

Trauer und Entsetzen in Frankreich: Nach einer Messerattacke sperrte die Polizei mehrere Straßen in Paris.


Der Mann, der in der Pariser Polizeidirektion vier Menschen getötet hat, war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Anhänger einer radikalen Form des Islam. Er habe zudem Kontakte zu Mitgliedern der radikalislamischen Salafistenbewegung gehabt, sagte Staatsanwalt Jean-François Ricard am Samstag in Paris. Der 45-Jährige sei vor rund zehn Jahren zum Islam konvertiert.

Der langjährige Mitarbeiter des Polizeipräsidiums hatte am Donnerstag vier Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Der Mann habe vor der Tat per Mobiltelefon ausschließlich religiöse Nachrichten mit seiner Ehefrau ausgetauscht. Diese sei den Ermittlern nicht als terrorverdächtig bekannt.

Staatsanwalt Jean-François Ricard: Ermittlungen zu der Messerattacke übernommen
AP

Staatsanwalt Jean-François Ricard: Ermittlungen zu der Messerattacke übernommen

Der Angreifer habe Zustimmung zu dem islamistischen Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar 2015 geäußert.

Die Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft hatten am Freitag die Ermittlungen zu der Messerattacke übernommen. Zunächst hieß es nach der Tat, der Angreifer sei psychisch krank gewesen.

Rücktritt des Innenministers gefordert

Oppositionspolitiker forderten am Samstag den Rücktritt von Frankreichs Innenminister Christophe Castaner. Ihrer Ansicht nach hatte der Minister Informationen über den mutmaßlichen Täter zurückgehalten, als er nach der Tat am Donnerstag erklärte, der Mann sei zuvor nicht negativ aufgefallen. Beweise legten die Oppositionspolitiker dafür zunächst nicht vor.

Innenminister Christophe Castaner: Oppositionspolitiker forderten am Samstag seinen Rücktritt.
Ian Langsdon/ EPA-EFE/ REX

Innenminister Christophe Castaner: Oppositionspolitiker forderten am Samstag seinen Rücktritt.

Der konservative Abgeordnete Éric Ciotti schrieb am Samstag auf Twitter, er verlange eine parlamentarische Untersuchung. Der Chef der Republikaner in der Nationalversammlung, Christian Jacob, werde am Dienstag eine entsprechende Forderung zu einem Untersuchungsausschuss einbringen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Ciotti fragte auf Twitter unter anderem, ob Castaner die Wahrheit verbergen wolle oder schlicht inkompetent sei.

Premierminister spricht Innenminister Vertrauen aus

Frankreichs Premierminister Edouard Philippe stärkte Castaner den Rücken. Er habe vollstes Vertrauen in den Innenminister, sagte Philippe in einem Interview mit der Zeitung "Le Journal du Dimanche". Außerdem sagte er, es werde zwei Aufklärungsmissionen geben. Eine betreffe die Polizeipräfektur in der französischen Hauptstadt, die zweite die Geheimdienste, die mit der Terrorbekämpfung betraut seien. Die Aufdeckung interner Bedrohungen habe höchste Priorität, kein Signal der Radikalisierung dürfe ignoriert oder unbeantwortet bleiben, so der Premierminister.

Der Messerangriff löste in Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Staatschef Emmanuel Macron und Regierungsmitglieder begaben sich an den Tatort, um mit Mitarbeitern zu sprechen. Der Angreifer war französischen Medienberichten zufolge in der Abteilung "Direction de Renseignement" der Polizeibehörde eingesetzt, die unter anderem den Kampf gegen Terrorbedrohungen verantwortet.

wbr/yer/dpa/rtr/AFP

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