Messerattacke auf Soldat Ermittler fassen Verdächtigen nach Attentat in Paris

Ein 22 Jahre alter Mann ist nach der Messerattacke auf einen französischen Soldaten in Paris festgenommen worden. Laut der Agentur AFP soll es sich bei dem Verdächtigen um einen "radikalen Muslimen" handeln.

Tatort im Pariser Viertel La Défense
AP/dpa

Tatort im Pariser Viertel La Défense


Paris - Die Sicherheitskräfte haben westlich von Paris zugeschlagen: Am Mittwochmorgen ist ein 22 Jahre alter Mann in dem Ort La Verrière festgenommen worden, teilte das französische Innenministerium mit. Er wird verdächtigt, einen französischen Soldaten am 25. Mai in Paris angegriffen zu haben.

Die Nachrichtenagentur AFP meldet, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen Anhänger des "radikalen Islam". Sie beruft sich auf Ermittlerkreise. Frankreichs Innenminister Manuel Valls erklärte nach der Festnahme lediglich, es gehe nun darum, was die Motivation des jungen Mannes gewesen sei. Die Anti-Terror-Abteilung der Staatsanwaltschaft ist mit dem Fall betraut.

Der französische Soldat war bei einer Patrouille im Pariser Geschäftsviertel La Défense attackiert und mit einer Stichwaffe am Nacken verletzt worden. Einsatzkräfte riegelten daraufhin den Tatort ab, er befindet sich in einem Zugangsbereich zu unterschiedlichen öffentlichen Verkehrsmitteln wie etwa der Regionalbahn RER.

"Man hat einen Soldaten töten wollen, weil er ein Soldat ist", sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian nach einem Besuch bei dem Verletzten am Samstag. Der 23-Jährige schwebe nicht in Lebensgefahr.

Wie die Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, war der angegriffene Soldat Teil einer Patrouille im Rahmen des sogenannten Plan Vigipirate, einer Reihe von Sicherheitsmaßnahmen der französischen Regierung zum Schutz der Bevölkerung - auch gegen mögliche terroristische Bedrohungen. Eine erste Version des Plans stammt bereits aus dem Jahr 1978, seither wurde er mehrfach geändert, insbesondere seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York. Die aktuelle Fassung ist aus dem Jahr 2006.

Festnahmen nach Soldatenmord in London

Der Angriff in Paris erfolgte wenige Tage nach dem grausamen Mord an einem britischen Soldaten in London. Dort war war der 25-jährige Soldat Lee Rigby am 22. Mai im Stadtteil Woolwich vor einer Kaserne auf offener Straße getötet worden.

Der mutmaßliche Täter Michael Adebolajo sagte anschließend Passanten, er habe den Soldaten als Vergeltung für die Tötung von Muslimen ermordet. Adebolajo und der ebenfalls nigerianischstämmige Michael Adebowale wurden von der Polizei angeschossen und festgenommen. Der britische Premierminister David Cameron sprach von einer terroristischen Handlung.

Mehrere Verdächtige sind inzwischen festgenommen worden. Die beiden bei der Festnahme verletzten Hauptverdächtigen befinden sich weiterhin in einem Krankenhaus und wurden noch nicht vernommen.

kgp/AFP

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Dirk Ahlbrecht 29.05.2013
1.
Zitat von sysopAP/dpaEin 22 Jahre alter Mann ist nach der Messerattacke auf einen französischen Soldaten in Paris festgenommen wurden. Laut Agentur AFP soll es sich bei den Verdächtigen um einen "radikalen Muslimen" handeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/paris-verdaechtiger-nach-angriff-auf-soldate-in-paris-gefasst-a-902472.html
Man darf spekulieren, weshalb SPON den radikalen Muslim in Anführungszeichen setzt. Etwa, weil es radikale Muslime eigentlich nicht gibt - und somit der Pariser Attentäter vom Himmel gefallen ist? Oder, im anderen Fall, weil man in solchen Fällen das Attribut radikal auch hätte weglassen können. Ich neige letzterem zu.
thomas.b 29.05.2013
2. optional
Tja, nicht Bomben oder AK-47 sind offenbar das Mittel der Wahl. Da helfen auch Totalüberwachung, Polizeitrojaner und Vorratsdatenspeicherung nicht viel...
Tiananmen 29.05.2013
3.
Zitat von sysopAP/dpaEin 22 Jahre alter Mann ist nach der Messerattacke auf einen französischen Soldaten in Paris festgenommen wurden. Laut Agentur AFP soll es sich bei den Verdächtigen um einen "radikalen Muslimen" handeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/paris-verdaechtiger-nach-angriff-auf-soldate-in-paris-gefasst-a-902472.html
Langsam bekommt man den Eindruck, dass die "radikalen Muslime" dem westlichen Europa den Krieg erklärt haben. Frankreich hat in den letzten Jahren ja mehrere entsprechende Fälle erlebt; Britannien jetzt auch. Natürlich wird argumentiert, dass das "nur" die islamischen Fundamentalisten sind, und davon auch nur einzelne. Die Häufung solcher Fälle *weltweit*, von Tunesien bis Ostasien, zeigt aber, welches Potential dahinter steckt und dass es genügend "religiöse" und politische Führer gibt, die es ausnutzen. Nicht genug, dass sich die Welt nach neuen wirtschaftlichen Mächten ausrichten muss, sie muss sich auch dem grenzüberschreitenden islamischen Fundamentalismus an der inneren Front stellen.
williambaracchi 29.05.2013
4. Moslemisch motivierte Gewalt...
Wenn die moslemische Welt sich nicht selber heilt und reformiert endet diese Gemeinschaft mit dem Image einer Prügelreligion.
huggi 29.05.2013
5. Titel
Zitat von Dirk AhlbrechtMan darf spekulieren, weshalb SPON den radikalen Muslim in Anführungszeichen setzt. Etwa, weil es radikale Muslime eigentlich nicht gibt - und somit der Pariser Attentäter vom Himmel gefallen ist? Oder, im anderen Fall, weil man in solchen Fällen das Attribut radikal auch hätte weglassen können. Ich neige letzterem zu.
... da liegen Sie garnichtmal so sehr daneben. Die Zahl der Muslime welche radikale Aktionen gegen Ungläubige tolerieren ist auch bei uns erschreckend gross, diejenigen welche dann wirklich zur Tat schreiten ist glücklicherweise wesentlich kleiner, aber in absoluten Zahlen dennoch erschreckend gross.
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