Terror in Paris Vier Geiseln laut Staatsanwalt bereits vor Zugriff getötet

Der Pariser Staatsanwalt Molins bestätigte, dass die vier Geiseln in einem jüdischen Supermarkt bereits vor dem Zugriff der Polizei tot waren. Auch über das Ende der Jagd nach den "Charlie Hebdo"-Attentätern berichtete er neue Details.


Paris - Die vier in einem jüdischen Supermarkt in Paris getöteten Geiseln starben laut Behördenangaben schon vor der Befreiungsaktion der Polizei. Die Geiseln seien "wahrscheinlich" erschossen worden, als der islamistische Geiselnehmer am Mittag in das Geschäft stürmte, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Freitagabend. Auch der Geiselnehmer Amedy Coulibaly hatte in einem Telefongespräch mit dem Nachrichtensender BFMTV gegen 15.00 Uhr schon von vier Toten gesprochen. Laut Molins hatte Coulibaly mehrere Schusswaffen und große Mengen Sprengstoff bei sich.

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Coulibaly hatte in dem jüdischen Supermarkt zahlreiche Geiseln in seine Gewalt gebracht. Kurz nach 17.00 Uhr stürmten Eliteeinheiten der Polizei den Laden und töteten den 32-Jährigen. Kurz zuvor hatten Spezialeinheiten nordöstlich von Paris auch die "Charlie Hebdo"-Attentäter Chérif und Saïd Kouachi erschossen, die sich in einer Druckerei verschanzt hatten. Die Kouachi-Brüder und Coulibaly kannten sich offenbar und hatten ihre Taten vermutlich abgesprochen.

Staatsanwalt Molins gab am Freitagabend weitere Details zu der Jagd nach Chérif und Saïd Kouachi seit deren Angriff auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch mit zwölf Toten bekannt. Demnach wurde der 34-jährige Saïd Kouachi bereits am Freitagvormittag leicht am Hals verletzt, als es auf einer Nationalstraße einen Schusswechsel mit Polizisten gab. Anschließend verschanzten sich die Brüder in einer Druckerei in der Gemeinde Dammartin-en-Goële nahe dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle.

Sie nahmen zunächst den Geschäftsführer der Druckerei als Geisel, ließen ihn aber später laufen, wie Molins sagte. Ein Mitarbeiter des Unternehmens blieb von den Islamisten unentdeckt. Er versteckte sich in einem Karton und informierte per Telefon die Fahnder.

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"Kurz vor 17.00 Uhr öffnet sich die Eingangstür im Erdgeschoss des Unternehmens für mehrere Minuten um 15 Zentimeter", fuhr Molins in der Schilderung fort. "Dann kommen die beiden Brüder mit Sturmgewehren heraus und schießen in Richtung der Ordnungskräfte." Die Eliteeinheiten hätten zunächst versucht, die Islamisten mit nicht tödlichen Granaten außer Gefecht zu setzen. Da die "beiden Terroristen" aber weiter gefeuert hätten, hätten die Polizisten sie "neutralisieren" müssen und erschossen.

Das Blutbad in der "Charlie Hebdo"-Redaktion am Mittwoch hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Einen Tag nach dem Anschlag wurde in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen - offenbar von dem Geiselnehmer im jüdischen Supermarkt, Coulibaly. Laut Staatsanwalt Molins wurden auf einer am Tatort in Montrouge gefundenen Maske DNA-Spuren von Coulibaly gefunden, auch beschrieben Zeugen den Mann.

bö/afp

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