Hammerattacke vor Notre-Dame Pariser Angreifer schwört dem IS in Video die Treue

Die Hammerattacke in Paris war offenbar ein islamistisch motivierter Anschlag. In der Wohnung des Angreifers stießen die Polizisten auf eine entsprechende Aufnahme. Die Geheimdienste kannten ihn nicht.
Polizisten patrouillieren vor Notre-Dame

Polizisten patrouillieren vor Notre-Dame

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images

Nach der Attacke auf einen Polizisten vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame verdichten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der mutmaßliche Täter leistete in einem Video einen Eid auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), wie es aus Justizkreisen hieß.

Das vor der Tat gedrehte Video wurde demnach bei einer Durchsuchung der Wohnung des 40-jährigen Algeriers in Cergy nahe Paris gefunden. Der Verdächtige, der nach Medienberichten aus Algerien stammt, sei im Krankenhaus in Polizeigewahrsam genommen worden.

Er hatte sich am Dienstag im Herzen der Hauptstadt einer Polizeipatrouille genähert, mit einem Hammer auf einen Beamten eingeschlagen und dabei geschrien: "Das ist für Syrien". Ein weiterer Polizist eröffnete daraufhin das Feuer und stoppte ihn. Die Anti-Terror-Experten der Pariser Staatsanwaltschaft ermitteln. Einen Tag nach dem Zwischenfall strömten wieder zahlreiche Touristen und Gläubige in das weltbekannte Gotteshaus.

Die französische Regierung kündigte nach der Attacke die Gründung eines nationalen Terrorismusabwehr-Zentrums zur Koordinierung der Geheimdienste an. Chef der neuen Einheit wird der Geheimdienstexperte Pierre de Bousquet de Florian. Inlands- und Auslandsgeheimdienst DGSI und DGSE bekommen zudem neue Leiter. "Wir nominieren eine Mannschaft", sagte Regierungssprecher Christophe Castaner. Der Angreifer war den Diensten laut Medienberichten unbekannt.

Video: Polizei schießt auf Angreifer

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Der mutmaßliche Terrorist sei Doktorand im Fach Informations- und Kommunikationswissenschaft an der Universität von Lothringen in Metz, berichtete der Nachrichtensender Franceinfo. Sein Doktorvater Arnaud Mercier sagte dem Sender BFMTV, der Akademiker habe demokratische Werte verteidigt und sei nie als Vertreter des Islamismus aufgefallen.

Der ursprünglich bis Mitte Juli befristete Ausnahmezustand im Land soll bis zum 1. November verlängert werden. Der Ministerrat wird am 21. Juni zudem über ein neues Gesetz beraten, um die Sicherheit der Franzosen nach Auslaufen des Ausnahmezustandes zu gewährleisten. Frankreich war in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge, fast 240 Menschen kamen dabei ums Leben. Besonders gespannt ist die Lage auch wegen der ersten Runde der Parlamentswahl am Sonntag.

apr/dpa/AFP
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