Parlamentswahlen in Zypern Regierungskoalition liegt vorn

Nach der Parlamentswahl in der Republik Zypern zeichnet sich eine Mehrheit für die bisherige Regierungskoalition ab. Im Rennen um die stärkste Partei liegen Konservative und Kommunisten gleichauf. Erstmals durften auch die türkischsprachigen Bewohner der Republik wählen.


Nikosia  - Bei der Parlamentswahl in der griechischen Republik Zypern sind die bisherigen Mehrheitsverhältnisse offenbar bestätigt worden. Nach Auszählung von 98,4 Prozent der abgegebenen Stimmen lag die Regierungskoalition von Präsident Tassos Papadopoulos vorn.

Stimmabgabe in der Republik Zypern: Stimmberechtigte, die nicht wählen gehen, müssen mit einer Geldstrafe rechnen
DPA

Stimmabgabe in der Republik Zypern: Stimmberechtigte, die nicht wählen gehen, müssen mit einer Geldstrafe rechnen

Der Auszählung zufolge erzielte die kommunistische Akel-Partei 31,2 Prozent der Stimmen, Papadopoulos' Mitte-Rechts-Partei Diko kam auf 17,9 Prozent, wie das Fernsehen am Sonntag berichtete. Die rechtsgerichtete Disy-Partei kam demnach auf 30,4 Prozent der Stimmen. Alle Parteien der Regierungskoalition kamen zusammen auf fast 69 Prozent der Stimmen. Der Koalition gehören neben Akel und Diko auch die sozialistische Edek sowie Evroko und die Grünen an.

Die Mitte-rechts-Partei DIKO von Präsident Papdopoulos hatte sich 2004 für die Ablehnung des von der UNO befürworteten Wiedervereinigungsplans für Zypern eingesetzt, der damals dann an einem Volksentscheid scheiterte. Die oppositionelle DISY trat erfolglos für eine Wiedervereinigung Zyperns ein.

Papadopoulos wollte die heutige Parlamentswahl auch als eine Bestätigung dieser Abstimmung verstanden wissen. Das Wahlergebnis dürfte auch für die Aussichten auf eine Wiedervereinigung der überwiegend von griechischsprachigen Zyprern bewohnten Republik mit der türkischen Nordhälfte der Insel entscheidend sein.

Bei der Wahl durften erstmals auch die wenigen türkischsprachigen Bewohner der Republik Zypern teilnehmen. Einzige türkische Kandidatin war die Dichterin Neshe Yashin. "Ich hoffe das Beste für unser Land, und dass wir eines Tages Wahlen in einem vereinten Zypern haben werden", sagte Yashin nach der Abgabe ihrer Stimme.

Präsident Papadopoulos erklärte, er sehe keinen Anlass für eine Änderung seiner Politik. "Ich glaube, die Politik der griechisch-zyprischen Seite ist bekannt, und sie ist richtig", sagte er nach der Stimmabgabe in einem Vorort von Nikosia.

In der Republik Zypern herrscht Wahlpflicht. Stimmberechtigte, die nicht zur Urne schreiten, müssen mit einer Geldstrafe von bis zu 200 zyprischen Pfund (350 Euro) rechnen. Wahlberechtigt sind rund 500.000 Personen, darunter in diesem Jahr erstmals auch 270 türkische Zyprer.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Nach einem gescheiterten Putschversuch griechischer Zyprioten, die für eine Union mit Griechenland eintraten, marschierten damals die türkischen Streitkräfte in den Norden der Insel ein. Der türkisch-zyprische Nordteil wird aber nur von der Türkei als Staat anerkannt. Bei dem Referendum über den UN-Plan 2004 stimmte der türkische Norden überwiegend für die Wiedervereinigung, der griechische Süden aber mehrheitlich dagegen. Deshalb konnte nur die Republik Zypern der EU beitreten.

anr/AP/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.