Parteikongress in Nordkorea Kranker Kim sichert sein Imperium

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il bereitet das Land auf die Zeit nach seinem Tod vor. Auf dem ersten Parteikongress seit 30 Jahren hat der kranke 68-Jährige seinen jüngsten Sohn und seine Schwester zu Generälen ernannt - er selbst wurde als Parteichef bestätigt.


Seoul - Die Zusammenkunft ist historisch: In Pjöngjang ist die kommunistische Partei zum ersten Mal seit 30 Jahren zu einem großen Kongress zusammengekommen. Auf dem Treffen sollen die Weichen für eine Zukunft Nordkoreas gestellt werden - und Kim Jong Ils Macht bekräftigt werden.

An diesem Dienstag wurde der 68-jährige Machthaber im Amt des Chefs der Kommunistischen Partei bestätigt. Das meldeten nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap die Staatsmedien des Nachbarlands.

Zuvor hatte Kim Jong Il auf der laufenden Parteikonferenz seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un zum General ernannt und damit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Außerdem hat der Diktator nach Berichten nordkoreanischer Medien per Weisung seine Schwester, Kim Kyong Hui, in den Rang einer Generalin befördert.

Fotostrecke

10  Bilder
Parteikongress in Nordkorea: Kim Jong Uns Aufstieg
Kim Jong Un, der erst Ende 20 ist, gilt als potentieller Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen Machthabers. Kim steht seit dem Tod seines Vaters und ehemaligen Staatschefs Kim Il Sung 1994 an der Staatsspitze. Die Parteikonferenz ist das erste große Treffen der KP seit dem Parteitag von 1980, auf dem Kim zum Nachfolger seines Vaters nominiert worden war.

Kim Jong Ils Schwester könnte für geregelten Machttransfer sorgen

Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass der gesundheitlich angeschlagene 68-jährige Staatschef seinem jüngsten Sohn Kim Jong Un die Macht übertragen will. Zunächst könnte Kim Jong Un einen einflussreichen Posten erhalten, etwa im Zentralkomitee der Partei. Nach Ansicht von Beobachtern ebnet die Ernennung Kim Jong Uns zum General den Weg für den Sohn, die Beziehungen zur politischen und militärischen Elite des weitgehend abgeschotteten Staates zu vertiefen. "Kim Jong Uns Beförderung ist der Beginn seiner formalen Übernahme der Herrschaft", sagte ein Nordkorea-Experte an der Universität Dongguk in Seoul, Kim Yong Hyun.

Kims Schwester, Kim Kyong Hui, die für die Leichtindustrie des Landes zuständig ist, und sein Schwager, Jang Song Thaek, sollen nach Ansicht von Beobachtern möglicherweise für einen störungsfreien Machttransfer sorgen. Jang ist Stellvertreter Kim Jong Ils in der Nationalen Verteidigungskommission, dem mächtigsten Entscheidungsgremium des Staates.

Kim Jong Un ist angeblich in der Schweiz zur Schule gegangen und spricht englisch, französisch und deutsch - sicher ist aber auch all das nicht, denn Informationen aus dem Privatleben der Kim-Sippe werden nie von der Staatsführung in Nordkorea bestätigt. Meist werden sie von südkoreanischen Medien verbreitet.

Geheimdienste vermuten Propagandaaktion für Kim Jong Un

Die Familienverhältnisse der Kims gelten in dem kommunistischen Land als Tabuthema. Ein öffentliches Foto des erwachsenen Kim Jong Un gibt es nicht. In einem Buch schreibt der frühere Koch von Kim Jong Il, Kenji Fujimori, dass der dritte von drei bekannten Söhnen seinem Vater am meisten gleiche - sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Charakters. Kim Jong Un soll früh einen Sinn für Autorität und Macht entwickelt haben, schrieb die südkoreanische Zeitung "The Korea Herald". Wie sein Vater leidet er angeblich an Diabetes.

Kim Jong Un wurde um das Jahr 1983 geboren, genauer ist das Datum nicht bekannt. Seine Mutter war die dritte Frau Kim Jong Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Ko starb Medienberichten zufolge vor gut fünf Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Sohn soll bis 1998 unter anderem Namen in der Schweiz die International School of Berne besucht haben. Das Schweizer Wochenmagazin "L'Hebdo" berichtete im März dieses Jahres, Kim junior habe die Schule im Alter von 15 Jahren ohne Abschluss verlassen. Seine Mitschüler hätten ihn als schüchtern und introvertiert beschrieben. Er sei gerne Ski gefahren und habe sich für Basketball interessiert. Zudem galt er als großer Bewunderer des US-Basketballstars Michael Jordan und des Actionfilm-Schauspielers Jean-Claude Van Damme.

Mitarbeiter des südkoreanischen Geheimdienstes gehen davon aus, dass das Regime bereits eine Propagandaaktion gestartet hat, um Kim Jong Un im Volk bekannt zu machen. Dazu sollen Lieder und Gedichte gehören, in denen der junge Kim gepriesen wird. Nordkoreanische Soldaten und Arbeiter sollen dem Sohn an seinem Geburtstag im Januar ihre Loyalität geschworen haben. Der mögliche Machtwechsel wurde jedoch stets geheim gehalten.

anr/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kleinzack 28.09.2010
1. bei solchen Strukturen
siehe ich eine Wiedervereinigung von Nord-und Südkorea in keinem positivem Licht. Myanmar ist ein Land, bei dem alles ähnlich triste aussicht. Das alles hat mit der Religion zu tun, die den Leuten den Individualismus austreibt. Freiheit, Selbstverwirklichung ? Nicht nur dem Islam fehlt die Aufklärung. Derweil die Buddhismus-Adepten in unseren Breiten die letzte Erleuchtung sich einreden.
SaT 28.09.2010
2. Religion?
Zitat von kleinzacksiehe ich eine Wiedervereinigung von Nord-und Südkorea in keinem positivem Licht. Myanmar ist ein Land, bei dem alles ähnlich triste aussicht. Das alles hat mit der Religion zu tun, die den Leuten den Individualismus austreibt. Freiheit, Selbstverwirklichung ? Nicht nur dem Islam fehlt die Aufklärung. Derweil die Buddhismus-Adepten in unseren Breiten die letzte Erleuchtung sich einreden.
Ehemm, wir reden hier über ein kommunistisches Land. Und auch in Myanmar wird die Religion von einer Diktatur unterdrückt – religiöse Freiheit gibt es dagegen im Nachbarland Thailand - wo zugegeben auch nicht alles Gold ist was glänzt, aber es doch sehr viel netter aussieht. Außer Sie sehen im nordkoreanischen Kommunismus eine Art Pseudoreligion – darüber ließe sich diskutieren.
mindphuk 28.09.2010
3. .
Zitat von SaTEhemm, wir reden hier über ein kommunistisches Land. Und auch in Myanmar wird die Religion von einer Diktatur unterdrückt – religiöse Freiheit gibt es dagegen im Nachbarland Thailand - wo zugegeben auch nicht alles Gold ist was glänzt, aber es doch sehr viel netter aussieht. Außer Sie sehen im nordkoreanischen Kommunismus eine Art Pseudoreligion – darüber ließe sich diskutieren.
Es ist auch eine Pseudoreligion. Allerdings bezeichnet sich nichtmal Nordkorea selber als kommunistisch. Die dort herrschende Chuch'e-Ideologie entsprang zwar der marxistischen Partei, sieht sich aber dem Kommunismus überlegen. Im Gegensatz zum Marxismus ist sie nationalistisch und monarchistisch geprägt, ähnlich wie der Baathismus im ehemaligen Irak des Saddam Husseins. Darüber hinaus unterstützt die ostasiatische Tradition der Obrikeitshörigkeit solche Diktaturen. Diese Tradition kommt eher aus dem Konfuzianismus statt dem Bhuddismus.
sir-wilfried 28.09.2010
4. Kommunistisch??
Zitat von SaTEhemm, wir reden hier über ein kommunistisches Land. Und auch in Myanmar wird die Religion von einer Diktatur unterdrückt – religiöse Freiheit gibt es dagegen im Nachbarland Thailand - wo zugegeben auch nicht alles Gold ist was glänzt, aber es doch sehr viel netter aussieht. Außer Sie sehen im nordkoreanischen Kommunismus eine Art Pseudoreligion – darüber ließe sich diskutieren.
Dieses Land fällt in tiefsten Feudalismus zurück. Die kommunistische Tünche ist dabei eine Perversion, die sich nur das wahre Leben ausdenken kann. Eine Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung zu überspringen (hier die bürgerliche Gesellschaft) hat auf Dauer noch nirgendwo geklappt.
laosichuan 28.09.2010
5. Land der Stille
Zitat von sysopNordkoreas Diktator Kim Jong Il bereitet das Land auf die Zeit nach seinem Tod vor. Auf dem ersten Parteikongress seit 30 Jahren hat der*kranke 68-Jährige seinen jüngsten Sohn und seine Schwester zu Generälen ernannt* - er selbst wurde als Parteichef bestätigt. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,719925,00.html
Korea, das Land der Morgenstille. Auch wenn diese Bezeichnung wohl aus dem Westen kommt, Nordkorea ist still. Damit meine ich nicht nur, daß es kaum Verkehrslärm und Menschen, die in ihre Handys brüllen gibt, es ist eine mentale Stille, eine innere Ausgeglichenheit und Enspantheit der Koreaner, wie ich sie sonst noch in keinem anderen Land erlebt habe. Auch wenn es politisch wird, die Nordkoreaner vertreten ihre Überzeugungen ruhig, sanft, freundlich lächelnd. Nicht nur Extremisten, auch "Demokraten" und "Menschenrechtler" aus dem Westen sind dagegen fanatisch, laut, intolerant. Nordkorea ist anders, warum nicht? Seien wir doch froh, daß es Vielfalt auf der Welt gibt. Es wäre doch viel besser anderen Kulturen und Gesellschaften aufgeschlossen, ohne Vorurteile, zu begegnen. Es gibt sicher viel, was wir von den Koreanern lernen können (können, nicht müssen). In diesem Sommer war ich in diesem faszinierenden Land. Einen Reisebericht steht unter http://nordkoreainfo.files.wordpress.com/2010/09/nordkorea-ein-reisebericht-von-volker-muller.pdf
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.