Parteirevolte Australien wird erstmals von einer Frau regiert

Überraschender Führungswechsel in Australien: Nach einer Revolte in seiner Labor-Partei ist Premierminister Kevin Rudd zurückgetreten. Parteivize Julia Gillard wollte ihn in einer Kampfabstimmung herausfordern. Sie wurde zur neuen Vorsitzenden bestimmt - und ist damit neue Regierungschefin.
Julia Gillard: Australiens erste Regierungschefin

Julia Gillard: Australiens erste Regierungschefin

Foto: WILLIAM WEST/ AFP

Canberra - Australien bekommt erstmals eine Premierministerin: Vizeregierungschefin Julia Gillard tritt die Nachfolge von Regierungschef Kevin Rudd an, wie ein Sprecher der Labor Party am Donnerstag in Canberra sagte. Rudd hatte zuvor den Labor-Parteivorsitz niedergelegt und damit eine Parteiabstimmung umgangen, die er nach aller Wahrscheinlichkeit verloren hätte. Neuer stellvertretender Regierungschef wird Finanzminister Wayne Swan.

"Der nächste Labor-Premierminister, die erste Frau als Regierungschefin dieses Landes wird Julia Gillard sein", sagte der Parteisprecher. Gillard, die im Laufe des Tages vereidigt werden sollte, zeigte sich erfreut und kündigte eine Erklärung an. Sie fühle sich "sehr geehrt", sagte die 48-jährige frühere Bildungsministerin.

Rudd hatte zuvor eingestanden, den Rückhalt in seiner Partei verloren zu haben. Hinzu kamen dramatisch sinkende Umfragewerte für seine Politik. Ihm wird unter anderem zu Last gelegt, dass er sein Wahlversprechen nicht einlöste, zum Klimaschutz einen Handel mit CO2-Zertifikaten einzuführen. In den vergangenen Wochen stieß er mit der geplanten Supersteuer auf Profite der Bergbau-Industrie auf heftigen Widerstand. Die Branche hat massiv dagegen protestiert, Investitionen im Milliardenumfang in Frage gestellt und vor enormen Arbeitsplatzverlusten gewarnt.

Der Ex-Diplomat hatte mit seinem Wahlsieg 2007 die Ära John Howard beendet. Sein konservativer Vorgänger war elf Jahre im Amt gewesen. Nach einem überzeugenden Wahlsieg galt Rudd zunächst auf Jahre hinaus als unschlagbar. Jetzt ist Rudd der am kürzesten regierende Regierungschef Australiens seit 1972.

Gillard soll Labor nach nur drei Jahren im Amt bei den Wahlen in diesem Jahr vor einer drohenden Niederlage retten. Die ledige Juristin kommt vom linken Flügel der Partei und war lange in der Gewerkschaftsbewegung aktiv. Sie war in der Rudd-Regierung unter anderem für Bildung und Arbeit zuständig und hat sich erfolgreich für eine Bildungsreform und faire Löhne eingesetzt. Gillard wurde in Großbritannien geboren. Die Familie wanderte nach Australien aus, bevor sie in die Schule kam.

Gillard hatte bis zuletzt loyal zu Rudd gestanden. Erst, als sich am Mittwoch das Ausmaß der Unzufriedenheit mit Rudd abzeichnete, ließ sie sich aufstellen. Immer mehr Abgeordnete verweigerten dem Premier die Gefolgschaft, am Donnerstag auch Finanzminister Swan.

Rudd wollte am Donnerstag eigentlich zum G-20-Gipfel nach Kanada aufbrechen. Unklar war zunächst, ob Gillard diese Reise nun antritt.

hen/dpa/apn