Parteispendenaffäre Französische Ermittler werden Milliardärin Bettencourt vernehmen

In der bis in die Staatsspitze reichenden Affäre um Steuerhinterziehung und Parteispenden soll sich nun auch L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt äußern. Ihre mutmaßlich rechtswidrige Finanzspritze für die Partei von Präsident Sarkozy stehen derzeit im Zentrum des Skandals.

L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt: Entmündigung abgelehnt
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L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt: Entmündigung abgelehnt


Paris - Nach immer neuen Enthüllungen zu Steuerhinterziehung und Parteispenden im Hause Bettencourt soll nun die L'Oréal-Erbin persönlich befragt werden. Die 87-jährige Liliane Bettencourt werde nächste Woche mit den Ermittlern sprechen, sagte ihr Anwalt Georges Kiejman am Samstag. Nach Angaben ihrer Sprecherin kehrt die Milliardärin Anfang der Woche aus Spanien nach Frankreich zurück.

Bettencourt und ihr mittlerweile verstorbener Mann André sollen über Umwege größere Summen an die französische Regierungspartei UMP gezahlt und Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Einige der Geldgeschenke sollen von dem damaligen UMP-Schatzmeister Eric Woerth entgegengenommen worden sein, um den Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy zu finanzieren. Woerth, derzeit Arbeitsminister, soll ebenfalls in den nächsten Tagen von der Polizei verhört werden. Die französische Regierung billigte Mitte der Woche einen entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft; der Minister weist die Vorwürfe zurück.

Die Affäre begann mit einem Rechtsstreit zwischen der Milliardärin und ihrer einzigen Tochter Françoise Meyers-Bettencourt. Diese ist der Ansicht, ihre Mutter sei nicht im Besitz ihrer geistigen Kräfte und werfe mit Geld um sich. Rund 993 Millionen Euro soll sie in Form von Lebensversicherungen und Schecks dem Fotografen, Maler und Schriftsteller François-Marie Banier geschenkt haben.

Tochter scheitert erneut mit Vormundschaftsantrag

Das von der Tochter beantragte Entmündigungsverfahren wurde in dieser Woche erneut abgelehnt. Meyers-Bettencourt war bereits 2009 damit gescheitert, ihrer Mutter die Geschäftsfähigkeit juristisch aberkennen zu lassen. Damals wie heute argumentierte die Staatsanwaltschaft, ohne ein medizinischen Gutachten sei eine Vormundschaft nicht möglich.

Die Ermittlungen ziehen unterdessen immer weitere Kreise: So wurde am Freitag eine Universitätsklinik in Paris durchsucht, wie die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigte. Nach einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" ist die Klinik Sitz von drei medizinischen Forschungseinrichtungen, die laut Bettencourts Testament Teile einer von der Milliardärin erworbenen Insel erben würden. Der Wert der Seychellen-Insel Arros wird auf 500 Millionen Euro geschätzt.

Bettencourt steht im Verdacht, die Insel nicht versteuert zu haben. Wem genau das von der Milliardärin erworbene Eiland jetzt gehört, ist allerdings unklar. Laut "Le Parisien" ist eine Umweltstiftung offizieller Eigentümer. In Bettencourts Testament sei aber festgelegt, dass diese Stiftung die Insel beim Tod der Milliardärin aufteilen soll, einer der Begünstigten: wiederum Banier.

can/apn/AFP/dpa



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Knippi2006 20.07.2010
1. Egal in welchem Land
die Spitzenreiter in Sachen Korruption sitzen eindeutig rechts in den europäischen Parlamenten.
Palmstroem, 20.07.2010
2. Geld stinkt nicht
Zitat von Knippi2006die Spitzenreiter in Sachen Korruption sitzen eindeutig rechts in den europäischen Parlamenten.
Als die Linken unter Mitterand an der Macht waren, saßen die Korruptions-Spitzenreiter links - so verändern Wahlen die Parlamente, aber selten die Welt.
Knippi2006 20.07.2010
3.
Zitat von PalmstroemAls die Linken unter Mitterand an der Macht waren, saßen die Korruptions-Spitzenreiter links - so verändern Wahlen die Parlamente, aber selten die Welt.
Mag für kurze Zeit so gewesen sein - in Deutschland hat Korruption einen Namen: CDU
bono1 20.07.2010
4.
Zitat von sysopIm Skandal um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt kommen immer neue Details ans Licht, der Fall wird zur politischen Reality-Show. Die Führungsspitzen der Republik stehen auf der Besetzungsliste - bis hin zum Präsidenten selbst. Wie sehr leidet sein Image unter der Affäre?
Frankreich war schon immer ein vor-demokratischer Staat.
Monsieur Rainer 21.07.2010
5. Objektiver SPIEGEL - Bericht, falscher Titel !
Der Beitrag im SPIEGEL war wohltuend sachlich und beleuchtet die Affaire Bettencourt von allen Seiten. Nicht versäumt wurde auch, zu erwähnen, dass es in der Hauptsache um einen Erbstreit zwische Liliane Bettencourt und ihrer Tochter Françoise Meyers-Bettencourt geht. Die tangierten Politiker erscheinen da eher als Kollateralschaden. Nur eine einzige sachliche Unstimmigkeit an dem SPIEGEL - Beitrag ist zu erwähnen: Minister Eric Wörth muss n i c h t vor einem Gericht erscheinen! Er wird zu einer Vernehmung durch die Brigade Financière vorgeladen und das kann jedem Franzosen passieren. Daraus gleich den Schluss zu ziehn, wie hier im Forum geschehen, dass Frankreich ein durch und durch verfaultes und korruptes Land sei, ist dumm und unzulässig. Ebenfalls ist es unzulässig, alleine die politische Rechte für Korruptionsskandale haftbar zu machen oder diesen Umstand sogar als systemrelevant zu bezeichnen. Die schlimmsten Korruptionsskandale in der V. Republik geschahen in der Zeit der Präsidentschaft von François Mitterand und der war bekanntlich von den Sozialisten ins Amt gehievt worden.
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