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27. Juli 2004, 17:53 Uhr

Parteitag in Boston

Demokraten rechnen mit Bush ab

Die US-Demokraten bieten auf ihrem Wahlkonvent alles auf, was in der Partei Rang und Namen hat. Dabei haben sie eine vernichtende Bilanz von Präsident Bushs Amtszeit gezogen. Ex-Präsident Carter kritisierte den Verlust an Glaubwürdigkeit, den Bush in der Welt verbuche, und Ex-Vize Gore geißelte dessen Wirtschaftspolitik.

Carter: "Die USA können nicht führen, wenn unsere Führer irreführen"
REUTERS

Carter: "Die USA können nicht führen, wenn unsere Führer irreführen"

Boston - "Wahrheit ist die Grundlage unseres weltweiten Führungsanspruchs, aber unsere Glaubwürdigkeit ist mittlerweile zerrüttet und wir finden uns zunehmend isoliert und verletzbar in einer feindseligen Welt wieder", sagte Jimmy Carter gestern Nacht zum Auftakt des Parteitags der Demokraten in Boston. "Die USA können nicht führen, wenn unsere Führer irreführen", sagte Carter weiter. Man könne nicht an einem Tag Kriegspräsident sein und sich am nächsten dann als Friedenspräsident darstellen, "je nachdem, wie die aktuelle Meinungsumfrage ausgefallen ist", kritisierte Carter auf den Irakkrieg abzielend.

Al Gore, Vize-Präsident unter Bill Clinton, ging mit Bushs Wirtschaftspolitik scharf ins Gericht. Er warf dem Republikaner Wählertäuschung vor. Bush sei im Amt seinem Motto des "mitfühlenden Konservativismus" untreu geworden. Gore - vor vier Jahren als Präsidentschaftsbewerber gegen Bush gescheitert - gab sich jedoch weniger angriffslustig als in früheren Wahlkampfreden, in denen er Bush als "moralischen Feigling" bezeichnet hatte. Zur Außenpolitik sagte Gore: "Wir werden nicht sicherer leben, solange wir einen Präsidenten haben, der al-Qaida mit dem Irak verwechselt."

Als Hauptredner des Abends schwor Bushs Vorgänger Clinton die Delegierten auf Kerry als Kandidaten für die Präsidentenwahl am 2.November ein. Der Präsident habe nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den guten Willen der internationalen Gemeinschaft verspielt und es verpasst, die Nation zu einen.

Gore: "Bush täuscht die Wähler"
AFP

Gore: "Bush täuscht die Wähler"

Unter dem tosenden Applaus der Delegierten versprach Clinton, als "Fußsoldat" in der Wahlkampagne dienen zu wollen. Er nannte den Senator aus Massachusetts einen "guten Mann, einen großartigen Senator und eine visionäre Führungsfigur". Clintons Frau Hillary, die den Staat New York als Senatorin vertritt, sprach von dem hoch dekorierten Vietnam-Veteranen Kerry als einem "seriösen Mann für einen ernsten Job".

Heute Nacht (MEZ) sollten unter anderem die Frau des designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, Teresa Heinz Kerry, und Parteilegende Edward Kennedy vor den mehr als 4000 Delegierten sprechen. Kerrys Frau und sein Stiefsohn Chris Heinz sollen den Delegierten ein persönlicheres Bild von Kerry präsentieren. Hauptredner wird der Senatsbewerber für den Bundesstaat Illinois, Barack Obama, sein, der als eine der Zukunftshoffnungen der Partei gilt.

Außerdem werden die Delegierten in Boston ein Wahlprogramm verabschieden, in dem Kerry Bush unter anderem beschuldigt, ohne ausreichende internationale Unterstützung in den Irak-Krieg gezogen zu sein. Allerdings wird Kerry auch auf eine Vergrößerung der Armee und der Elite-Einheiten drängen.

Umfragen zufolge kennen viele Wähler Kerry immer noch kaum. Die Wahlkampfmanager hoffen nun, ihn über den Parteitag in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen zu können. Traditionell informieren sich die meisten Bürger erst ab den Parteitagen von Demokraten und Republikanern eingehender über die Kandidaten. Während Kerry in Abwesenheit auf dem Parteitag gefeiert wurde, absolvierte er selbst eine sechstägige Wahlkampftour. Erst am Mittwoch wird er in Boston erwartet. Dann soll er offiziell als Kandidat nominiert werden. Seine Rede am Donnerstag, die landesweit im Fernsehen übertragen wird, ist der Höhepunkt des Parteitages.

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