Parteitag in Denver Demokraten küren Obama zum Präsidentschaftskandidaten

Es war ein historischer Augenblick - und das Ende eines langen Streits innerhalb der US-Demokraten: Barack Obama ist als erster Schwarzer zum Präsidentschaftskandidaten ernannt worden. Den Ritterschlag erhielten er - und sein Vize Biden - von Bill Clinton.

Denver - Zehn Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA haben die Demokraten Barack Obama offiziell zum Präsidentschaftskandidaten bestimmt. US-Medien sprachen von einem "historischen Augenblick" für die Vereinigten Staaten. Obamas Gegner am 4. November wird der Republikaner John McCain sein, der kommende Woche ebenfalls von einem Parteitag offiziell zum Kandidaten nominiert werden wird.

Die Versammlung in Denver begann mit einer Abstimmung nach Einzelstaaten, bei der sich die erwartete klare Mehrheit für Obama abzeichnete. Als New York an der Reihe war, beantragte Senatorin Hillary Clinton, die weitere Wahl abzubrechen und Obama per Akklamation zum Kandidaten zu bestimmen. Die Menge feierte die Entscheidung mit dem Sprechchor "Yes we can" - dem Slogan Obamas, mit dem er seit Januar Wahlkampf macht.

Obama, der erst kurz vor der Abstimmung in Denver eingetroffen war, äußerte sich bisher nicht zu seiner Wahl - aber am Donnerstag zeigte er sich zum ersten Mal während des Parteitags den Delegierten in Denver. Der 47-Jährige wird zum Abschluss des viertägigen Parteitags am Donnerstag in einer mit Spannung erwarteten Rede unter freiem Himmel seine Nominierung offiziell annehmen. Zu der Veranstaltung im Footballstadion der Stadt werden rund 76.000 Menschen erwartet.

Die Clintons stellen sich hinter Obama

Hillary Clinton forderte unter dem Jubel der mehr als 5000 Delegierten, der Parteitag solle "mit einer Stimme sprechen". Auch Ex-Präsident Bill Clinton, der laut US-Medien ein gespanntes Verhältnis zu Obama hat, stellte sich hinter den frischgekürten Kandidaten.

Der Ex-Präsident macht keinen Hehl daraus, dass er lieber seine Frau als Präsidentschaftskandidatin gesehen hätte. Aber: "Am Ende hat meine Kandidatin nicht gewonnen", sagte Clinton - und sicherte Obama seine volle Unterstützung zu. "Barack Obama ist bereit, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein", rief Bill Clinton den Delegierten zu. "Barack Obama ist in der Lage, Amerika zu führen und die Führung der USA in der Welt wiederherzustellen." Er sei auch zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte befähigt.

Der Ex-Präsident war von den Delegierten mit demonstrativ langem Beifall begrüßt worden. Bill Clinton ist auch acht Jahre nach Ende seiner Amtszeit als Präsident noch immer sehr populär bei den Demokraten. Wie es heißt, hätten ihn während der Vorwahlen Vorwürfe aus dem Obama-Lager besonders empört, er habe die Hautfarbe Obamas zum Thema gemacht.

Biden attackiert McCain

Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden richtete scharfe Angriffe an Präsident George W. Bush und die Republikaner. Er hielt dem Präsidenten und McCain eine "katastrophale Außenpolitik" vor. In Afghanistan würden sich die Taliban-Kämpfer reorganisieren, zudem seien die USA außenpolitisch völlig isoliert. Mit Blick auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Vietnam-Veteran John McCain sagte Biden, in den gegenwärtig schwierigen Zeiten brauche Amerika mehr als einen "mutigen Soldaten". Obama habe etwa bei seiner Position zum Thema Irak und Afghanistan außenpolitische Kompetenz bewiesen. Scharfe Kritik übte Biden an der Wirtschaftspolitik der Republikaner, die durch Steuergeschenke an die Reichen und die Ölindustrie gekennzeichnet sei.

Jüngste Umfragen hatten Anfang der Woche ergeben, dass der einstige Vorsprung Obamas vor seinem Rivalen McCain zusammengeschmolzen ist. Beide Kandidaten liegen demnach derzeit gleichauf.

Bei dem ordentlichen Abstimmungsverfahren zur Nominierung des Kandidaten durch den Parteitag standen formell sowohl Obama als auch Clinton zur Wahl. Bei dem komplizierten und langwierigen Verfahren hätten alle Bundesstaaten die Zahl ihrer Delegierten bekanntgeben müssen, wie sie bei den Vorwahlen bestimmt worden waren. Die von Hillary Clinton beantragte Bestimmung per Akklamation verkürzte den Prozess. Kurz zuvor hatte die frühere First Lady alle Delegierten aufgerufen, die Spannungen und Konflikte des Vorwahlkampfs hinter sich zu lassen und sich geschlossen hinter Obama zu stellen. Die Parteitagsstrategie wollte unbedingt jeden Eindruck einer Kampfabstimmung vermeiden.

ler/dpa/AP

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