Trumps Ex-Wahlkampfchef Manafort Plötzlich Zeuge

Kommt jetzt der Durchbruch bei den Russlandermittlungen? Donald Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort will mit den Fahndern umfassend kooperieren. Er gilt als Schlüsselfigur in der Affäre.
Donald Trump, Paul Manafort (Archiv)

Donald Trump, Paul Manafort (Archiv)

Foto: Bill Clark/ AP

Amerikas Hauptstadt bleibt von Sturm "Florence" bislang verschont. Doch dafür braut sich in Washington nun möglicherweise ein neuer politischer Sturm zusammen. Vor allem für einen Einwohner könnte es ungemütlich werden: US-Präsident Donald Trump.

Die Bereitschaft von Trumps früherem Wahlkampfmanager Paul Manafort, plötzlich doch mit Sonderermittler Robert Mueller zusammenzuarbeiten, könnte massive Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Russlandaffäre haben.

Der langjährige Washingtoner Lobbyist gilt als Schlüsselfigur in der Sache, seine Aussage ist möglicherweise von zentraler Bedeutung, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Sollte es zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland tatsächlich gezielte Absprachen und illegale Machenschaften im Wahlkampf 2016 gegeben haben, dann muss er davon wissen.

Zwar wäre es verfrüht, schon vom großen Durchbruch in der Affäre zu sprechen. Aber für Mueller und seine Fahnder ist Manaforts Kooperationsbereitschaft mit Sicherheit ein wichtiger Etappensieg. Offenkundig war ihre Strategie schon seit Monaten auch darauf angelegt, ihn zum Reden zu bringen. Bei ihren Ermittlungen förderten die Fahnder etliche Vergehen Manaforts zu Tage, die nicht direkt mit der Russlandaffäre zu tun hatten, die aber dazu geeignet waren, den Druck auf ihn zu erhöhen, doch auszusagen. Nun scheint ihr Plan aufzugehen.

Einen ersten Prozess in Virginia, bei dem Manafort vor wenigen Wochen unter anderem der Steuerhinterziehung für schuldig befunden wurde, ertrug er noch stoisch - und schweigend. Am kommenden Montag sollte nun in Washington ein zweiter Prozess beginnen, in dem es unter anderem um illegale Lobbyisten-Tätigkeiten für die Ukraine und Vorwürfe der Zeugenmanipulation gehen sollte.

Die Aussicht, auch ihr schuldig gesprochen zu werden, bewog Manafort nun offenbar dazu, einzuknicken. Er hat selbst die Notbremse gezogen und einen "Deal" gemacht: Weil sich Manafort in mehreren Anklagepunkten schuldig bekannte und zugleich zur umfassenden Kooperation mit den Fahndern bereit erklärte, kann er insgesamt auf eine deutlich kürzere Haftstrafe hoffen. Bislang drohen ihm mehr als zehn Jahre hinter Gittern.

Was weiß Manafort wirklich?

Womöglich meint es Manafort deshalb mit der Zusammenarbeit tatsächlich ernst. Die Fahnder haben bereits in Aussicht gestellt, einige Anklagepunkte gegen ihn fallen zu lassen, was als Zeichen dafür gilt, dass er wirklich wichtige Informationen anzubieten hat. Offen ist allerdings, worum es genau geht. Macht Manafort lediglich Aussagen über seine eigene Lobbyisten-Tätigkeit für die Ukraine in Washington und belastet dabei Mittäter? Oder kann er auch zur Aufklärung der eigentlichen Russlandaffäre wichtige Dinge beitragen? Beschuldigt er womöglich den US-Präsidenten? All dies unterliegt - zumindest vorerst - der strikten Geheimhaltung des Mueller-Teams.

Fest steht: Manafort ist seit Jahrzehnten eine der schillerndsten Figuren des Washingtoner Politbetriebs. Jahrelang unterhielt er mit dem Trump-Vertrauten Roger Stone eine gemeinsame Lobby-Firma, die in Washington und darüber hinaus für allerlei zwielichtige Autokraten arbeitete. Er steuerte für den früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch Schmutzkampagnen gegen dessen Gegner und hielt Kontakt zu russischen Oligarchen wie Oleg Deripaska, dem wiederum gute Beziehungen zum Kreml nachgesagt werden.

Das rätselhafte Treffen im Trump Tower

Die Fahnder dürften Manafort nun vor allem dazu befragen, welche möglichen Kontakte es zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Agenten gab. Manafort fungierte 2016 sechs Monate lang als Trumps Wahlkampfmanager. In dieser Zeit war er unter anderem bei dem berühmt-berüchtigten Treffen zwischen Trumps Wahlkampfteam und einer Gruppe Russen im Trump Tower anwesend, bei dem diese "Schmutz" über die damalige Kandidatin der Demokraten Hillary Clinton angeboten haben sollen. Bald darauf wurden die internen E-Mails aus dem Hauptquartier der Demokraten öffentlich, die zuvor mutmaßliche russische Hacker gestohlen hatten.

Donald Trump bestreitet bislang, dass es eine Koordination oder Absprache zwischen seinem Team und Vertretern Russlands gegeben habe. Auch beteuert er, von dem Treffen im Trump Tower nichts gewusst zu haben.

Grundsätzlich hat sich Manafort laut Gerichtsakten dazu bereit erklärt, mit Mueller umfassend zu kooperieren, für Befragungen bereitzustehen (auch ohne Anwalt) und vor Gericht unter Eid auszusagen. Dabei kann er mithelfen, Straftaten aufzudecken. Er könnte Trump aber natürlich auch noch entlasten.

Wird Manafort von Trump begnadigt?

Der US-Präsident selbst reagierte zunächst nicht auf Manaforts "Deal" mit den Ermittlern. Wie üblich beeilte sich aber sein Anwalt Rudolph Giuliani, die ganze Sache kleinzureden. "Der Präsident hat nichts Falsches getan", erklärte er.

Noch vor wenigen Tagen hatte Trump Manafort in einem Interview als "guten Mann" bezeichnet und ihn dafür gelobt, dass er zur Russlandaffäre schweigt und nicht "bricht".

Trump soll darüber nachdenken, Manafort nach einer Verurteilung in Washington und Virginia zu begnadigen. Dieses Recht steht dem Präsidenten im Grundsatz zu. Kritiker meinen jedoch, wenn Manafort von Trump eine Begnadigung in Aussicht gestellt werde, sei das nur dazu gedacht, ihn davon abzubringen, gegenüber Mueller Geheimnisse auszuplaudern. Selbst Parteifreunde warnen Trump davor, Manafort zu begnadigen, weil dies als Schuldeingeständnis zu verstehen sei - und womöglich sogar als "Behinderung der Justiz" durch den Präsidenten gewertet werden könnte.

Ob es Trump am Ende stört? Es ist nun sicher weniger wahrscheinlich, aber immer noch denkbar, dass Manafort auf eine Begnadigung durch Trump spekuliert. Trumps Anwalt Giuliani brachte die Möglichkeit einer Begnadigung sogar erneut ausdrücklich ins Spiel.

Manafort habe sich dafür durch seine Kooperation mit Mueller "nicht disqualifiziert", sagte Giuliani am Freitag. Der Präsident sei nur sauer auf Menschen, die gegenüber den Ermittlern "lügen".

Und das werde der "Paul" ja bestimmt nicht tun.