Polen Landesweite Trauer nach Attacke auf Danziger Bürgermeister

Tausende Polen haben auf den Tod des Bürgermeisters von Danzig mit Protest gegen Hass reagiert. Pawel Adamowicz war am Sonntag mit einem Messer angegriffen worden. EU-Ratspräsident Donald Tusk zeigte sich tief betroffen.

JAKUB KACZMARCZYK/EPA-EFE/REX

Nach dem Tod des Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz hat es landesweit spontane Demonstrationen gegen Hass und Gewalt gegeben. Allein in Warschau versammelten sich am Montagabend unter dem Motto "Stoppt den Hass" Tausende Menschen, wie die Agentur PAP meldete. Ähnliche Demonstrationen fanden in weiteren Städten statt.

Polens Ex-Regierungschef und EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte in Danzig: "Ich verspreche dir heute, lieber Pawel, dass wir für dich unser Danzig, unser Polen und unser Europa von Hass befreien werden."

Adamowicz, seit 1998 Bürgermeister der nordpolnischen Stadt, war am Sonntagabend während einer Benefizveranstaltung von einem Messerstecher attackiert worden und starb am Montag an seinen inneren Verletzungen. Die Behörden gehen von Mord aus. Ein Gericht ordnete U-Haft für den 27 Jahre alten Angreifer an (hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen).

Auch der frühere Solidarnosc-Chef und Staatspräsident Lech Walesa, Regierungschef Mateusz Morawiecki und zahlreiche Politiker aus Regierung und Opposition äußerten sich betroffen über Adamowicz' Tod. Präsident Andrzej Duda würdigte Adamowicz als "großen Politiker".

Von einem staatlich organisierten Trauermarsch sah Duda auf Wunsch der Angehörigen allerdings ab. Die Familie habe sich eine weitestgehende Zurückhaltung der Politik gewünscht, sagter er und kündigte stattdessen für den Tag der Beerdigung des 53-Jährigen Staatstrauer an. Ein Termin stand zunächst nicht fest.

Seibert: "entsetzliche und hinterhältige" Tat

Nach inoffiziellen Medienberichten ist der Angreifer psychisch krank und litt an Schizophrenie, wie die PAP unter Berufung auf Danziger Gefängnisärzte berichtete. Der Mann war bereits vorbestraft und saß wegen Banküberfällen in Haft. Für die Gefängnisstrafe machte er Adamowiczs Ex-Partei Bürgerplattform (PO) verantwortlich und wollte sich rächen. Adamowicz war seit 2015 parteilos.

Im Video: Bürgermeister von Danzig gestorben

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Die Bundesregierung zeigte sich erschüttert über den tödlichen Angriff auf Adamowicz. "Wir sind tieftraurig und bestürzt über den Tod von Pawel Adamowicz", erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). "Dieses feige Attentat macht uns fassungslos." Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, verurteilte den Angriff als "entsetzliche und hinterhältige" Tat.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach der Witwe des Politikers sein Beileid aus. Adamowicz sei Opfer einer "sinnlosen Gewalttat" geworden, erklärte er in einem Kondolenzschreiben. Es erschüttere ihn besonders, dass Adamowicz während der Abschlusskundgebung einer Spendenaktion angegriffen worden sei.

Auch der Polenbeauftragte der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), zeigte sich schockiert über die "heimtückische Attacke". Adamowicz habe Danzig "mit seinem liberalen Kurs geprägt". Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles würdigte den Bürgermeister als überzeugten Europäer, "der für Weltoffenheit und Toleranz stand".

Das Europaparlament in Straßburg gedachte Adamowicz am Montag mit einer Schweigeminute.

vks/dpa/AFP



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