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Machtanspruch im Pazifik: Obamas neue Strategie

Foto: AP/ U.S. Navy

Pazifikmacht China Obama provoziert die roten Herrscher

Mehr Marines, mehr Kriegsschiffe, mehr Kampfflugzeuge - Obama setzt auf stärkere Militärpräsenz in der Asien-Pazifik-Region. Der Strategieschwenk löst vor allem in China wütenden Protest aus. Peking sieht seine Vormachtstellung gefährdet.

Washington/Sydney - Die Reaktion aus Peking fiel scharf und ablehnend aus: Es wäre nicht angemessen und nicht im Interesse der Länder in der Region, sollte Washington seine militärischen Bündnisse in der Asien-Pazifik-Region ausbauen, warnte Liu Weimin, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, laut einem Bericht der "New York Times".

Es war die Replik auf den jüngsten Strategieschwenk der Regierung von US-Präsident Barack Obama. Die USA lenken ihren militärischen Fokus von Irak und Afghanistan stärker in Richtung Südostasien. Trotz Haushaltskürzungen würden die Vereinigten Staaten ihre Truppenpräsenz im Asien-Pazifik-Raum aufstocken, erklärte Obama am Donnerstag vor dem australischen Parlament in Canberra.

Eines der Ziele der USA als Pazifik-Staat sei es, die Zukunft der Region mitzugestalten, sagte der US-Präsident. Und das bedeutet auch mehr US-Truppen in der Region. In einem ersten Schritt sollen ab 2012 US-Marineinfanteristen, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge im Norden Australiens stationiert werden. Von dort könnten die Einheiten in kürzester Zeit Südost-Asien erreichen - was vor allem in China mit allergrößtem Argwohn beobachtet wird. Zumal sich damit die regionalen Machtverhältnisse verschieben könnten.

Beobachter fürchten nun, dass sich ein stärkeres militärisches Engagement Washingtons im Asien-Pazifik-Raum zu einer verfahrenen Situation zwischen den beiden Ländern führen könnte: zu einer Art militärischem Patt, wie es dies im Kalten Krieg zwischen den Westmächten und dem Ostblock gab.

Soll China umzingelt werden?

Die Ankündigung Obamas kommt überdies zu einem sensiblen Zeitpunkt: Beim Apec-Gipfel auf Hawaii am vergangenen Wochenende hatte der US-Präsident seinen Plan einer pazifischen Freihandelszone forciert, unter anderem mit Australien, Japan, Singapur und Vietnam. China dagegen ist an dem geplanten Abkommen nicht beteiligt. In Peking wächst der "New York Times" zufolge bereits die Sorge, Washington wolle China militärisch und wirtschaftlich umzingeln.

Obama betonte dagegen in Canberra, die neuen Pläne Washingtons zielten nicht darauf, China zu isolieren. Man sei aber misstrauischer geworden bezüglich der Absichten Pekings.

Denn die aufstrebende Wirtschafts- und Militärmacht China treibt ihre Rüstungspläne stark voran. Außerdem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Attacken Chinas auf philippinische und vietnamesische Forschungsschiffe im Südchinesischen Meer - die Länder streiten über den Verlauf der Seegrenze und damit über die Ausdehnung ihrer wirtschaftlichen Einflusszone. So werden etwa in den seichten Gewässern vor den Spratly-Inseln, auf die China, Vietnam und weitere Länder Anspruch erheben, Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

Beobachter werten den Ausbau der US-Militärpräsenz in Australien deshalb auch als Warnsignal an China. Ab Anfang 2012 sollen 250, bis 2016 dann 2500 Soldaten jeweils sechs Monate lang in Darwin stationiert sein, beschlossen die Regierungen in Washington und Canberra. Verbände der US-Marine und der Luftwaffe wollen außerdem öfter Stützpunkte südlich von Perth und bei Darwin ansteuern.

Die USA begrüßten den Aufstieg eines "friedlichen und wohlhabenden Chinas", sagte Obama mit Blick auf die skeptische Volksrepublik. "Aber wir werden weiter auch in Peking klar machen, welche Bedeutung der Einhaltung internationaler Normen und der Respekt der Menschenrechte des chinesischen Volkes haben."

hen/dpa/Reuters
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