Peking Deutscher Tibet-Aktivist festgenommen

Sie hüllten sich in tibetische Fahnen, wenig später wurden sie von Sicherheitskräften abgeführt: Fünf Demonstranten, darunter ein Deutscher, sind auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking festgenommen worden.


Peking - Der Protest am frühen Nachmittag dauerte nur kurz: Vier Tibet-Aktivisten aus den USA, Deutschland und Kanada hatten sich in tibetische Fahnen gehüllt und auf den Platz gelegt, um gegen die Politik Pekings zu protestieren. Ein Fünfter erklärte den Umstehenden den Hintergrund der Aktion. Die Organisatoren der Free Tibet Campaign sprachen wörtlich von einem "Die-in", in Anlehnung an die Sit-ins der Friedensbewegung.

Nach Angaben der Organisation, die auf ihrer Webseite auch Bilder der Aktion veröffentlichte, nahmen Polizisten die Fünfergruppe zehn Minuten nach Beginn der Aktion fest. Beamte in zivil führten die Protestierenden in Richtung der Polizeistation ab, uniformierte Polizisten verfolgten die Aktion aus einiger Entfernung.

Zu den Festgenommenen gehört auch der Gießener Student David Demes, der sich für die Organisation engagiert. "Seit dreieinhalb Stunden haben wir keinen Kontakt mehr zu der Gruppe", sagte John Hocevar, der die Organisation Students for a Free Tibet gegründet hat, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die chinesischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu dem Zwischenfall.

Wenig später kam es in Peking zu einem weiteren Zwischenfall. Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua griff ein Mann im Zentrum von Peking, auf dem historischen Trommelturm, zwei amerikanische Touristen an. Bei der Attacke sei einer der beiden Amerikaner ums Leben gekommen. Der zweite Tourist sowie der Führer seien verletzt worden. Der Täter habe sich anschließend selbst getötet, indem er sich vom Turm stürzte. Er soll aus dem ostchinesischen Hangzhou stammen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Auch bei den Pferdesport-Wettbewerben in Hongkong kam es zu Zwischenfällen. Eine Studentin schrie während der Vielseitigkeitsprüfung Parolen und zeigte ein Plakat. Sie wurde umgehend abgeführt. Zuvor waren zwei Menschen des Geländes verwiesen worden, die eine tibetische Fahne eingeschmuggelt hatten. Bereits bei der Eröffnungszeremonie am Vorabend hatten rund 50 Menschen vor dem Gelände des Hongkong Jockey Clubs gegen die Verletzung der Menschenrechte durch die chinesische Regierung protestiert.

Wie erst am Samstag bekannt wurde, wurden am Vorabend während der großen Eröffnungsfeier in der Nähe des Nationalstadions auch drei Tibet-Aktivisten festgenommen, als sie eine tibetische Flagge hochhielten. Sie seien am Samstag abgeschoben worden, berichtete die Free Tibet Campaign. Nahe dem olympischen Pressezentrum kam es am Samstag zu einem weiteren Zwischenfall, als ein enteigneter ehemaliger Anwohner des Olympiageländes protestierte. Der Mann beklagte, nach dem Abriss seines Hauses unzureichend entschädigt worden zu sein.

chs/dpa/AFP/Reuters



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