Pentagon Rumsfeld gesteht Versagen im Irak ein

US-Verteidigungsminister Rumsfeld hat indirekt ein Versagen seiner Regierung im Irak eingeräumt. Die Lage dort sei heute nicht sicherer als nach Saddams Sturz. Er beschuldigte Syrien und Iran, die Aufstandsbewegung zu unterstützen. Am Gefangenenlager Guantanamo will Rumsfeld festhalten.


Rumsfeld zur Lage im Irak: "Statistisch nicht sicherer"
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Rumsfeld zur Lage im Irak: "Statistisch nicht sicherer"

London - "Statistisch" sei der Irak nicht sicherer als nach dem Sturz von Saddam Hussein im April 2003, sagte Pentagon-Chef Donald Rumsfeld im britischen Rundfunksender BBC. Am Ende des Krieges seien die irakischen Soldaten zwar geflohen, festgenommen und besiegt worden. Danach habe sich jedoch eine Aufstandsbewegung gebildet, die "Höhen und Tiefen" gehabt habe. Rumsfeld fügte hinzu, dass jedoch auch "eine Menge schlechter Dinge", die hätten geschehen können, nicht geschehen seien.

Rumsfeld beschuldigte Syrien, eine Rolle in der Aufstandsbewegung zu spielen, und Iran, Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Die Grenzen beider Länder zum Irak seien "relativ durchlässig". Jüngsten Pentagon-Angaben zufolge sind seit dem Einmarsch im Irak mehr als 1700 US-Soldaten gestorben.

In Washington sprach sich Rumsfeld gegen Forderungen nach einer Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo Bay aus. Das Gefängnis im Militärstützpunkt auf Kuba werde auch in den kommenden Jahren noch gebraucht, sagte er. Es gebe keine Alternative für die Unterbringung und Befragung einer großen Zahl mutmaßlicher Terroristen.

Rumsfeld verteidigte die Inhaftierung von derzeit 520 Personen, von denen die meisten in Afghanistan oder Pakistan gefangen genommen wurden. "Das sind keine gemeinen Autodiebe", sagte der Minister. "Sie sind vermutlich entschlossene Killer." Der Betrieb des Gefangenenlagers werde so sorgfältig kontrolliert wie kein anderes Militärgefängnis zuvor.

Menschenrechtsgruppen fordern eine Schließung des Lagers, dessen Insassen zum Teil seit mehr als drei Jahren ohne Anklage festgehalten werden. Die meisten wurden 2001 und 2002 wegen Verbindungen zur Taliban-Miliz oder zum Terror-Netzwerk al-Qaida in Afghanistan gefangen genommen.



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