Pentagonpläne
Finanznot zwingt USA zu Militär-Schrumpfkur
Jetzt liegen die Sparpläne auf dem Tisch: Erstmals seit 9/11 muss Amerika beim Militär sparen - und das drastisch. Allein beim Heer fallen 70.000 Stellen weg, Kriegsschiffe werden stillgelegt, Jet-Bestellungen vertagt. Dennoch soll die Armee effizienter werden, etwa durch den Ausbau der Drohnenflotte.
Kampfjets F-35 (rechts) und Hornet (links) über Florida: Bestellungen für Flugzeuge werden verschoben
Foto: REUTERS
Washington - Der Plan von US-Präsident Barack Obama klingt gewagt: Schlanker, effizienter, schneller soll das US-Militär werden, die Ausgaben allerdings sollen drastisch gesenkt werden. Das hat ihm bereits viel Kritik von der republikanischen Opposition eingebracht. Am Donnerstag hat Verteidigungsminister Leon Panetta nun im Pentagon seinen Haushaltsplan vorgestellt. Es sollen Tausende Stellen gestrichen, Kampfschiffe stillgelegt und weniger Geld bei der Beschaffung ausgegeben werden. "Das ist der Test, ob es bei der Reduzierung des Defizits ums Reden oder Handeln geht", sagte Panetta. Die Kürzungen würden in allen 50 Bundesstaaten zu spüren sein.
Insgesamt wird der Schwerpunkt auf Luftwaffe und Marine gerichtet sein, Leidtragende sind das Heer und die Marineinfanterie. Ziel sei es, das stärkste Militär weltweit zu bleiben, sagte Panetta. Der Plan sieht im Kern Folgendes vor:
Verteidigungsausgaben: In den kommenden zehn Jahren sollen Amerikas Verteidigungsausgaben um insgesamt 487 Milliarden Dollar sinken - erstmals seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verlangt der Verteidigungsminister nach einem kleineren Haushalt als im Vorjahr. Für das Haushaltsjahr 2013 ist eine Kürzung von neun Prozent geplant: Insgesamt sind 525 Milliarden Dollar für reguläre Ausgaben der US-Armee vorgesehen, hinzu kommen 88,4 Milliarden Dollar für Kampfeinsätze wie beispielsweise in Afghanistan.
Aktives Heer: Innerhalb von fünf Jahren soll das aktive Heer um rund 70.000 auf 490.000 Soldaten schrumpfen.
Marine-Infanterie: Auch bei den Marines werden Jobs gestrichen: Die Stellen sollen um 20.000 auf 182.000 verringert werden.
Militärische Präsenz: Ein besonderes Augenmerk der USA soll, wie die Regierung bereits zuvor angekündigt hatte, auf der militärischen Präsenz im Nahen Osten und in Asien liegen. Unklar ist, was mit der amerikanischen Militärpräsenz in Deutschland geschieht. Panetta sagte am Donnerstag lediglich, dass zwei der vier Brigaden in Europa gestrichen werden sollen - nannte aber keine konkreten Standorte. Drei der vier US-Brigaden sind in Deutschland. Laut Medienberichten könnte die 170. Infanteriebrigade in Baumholder (Pfalz) und die 172. Infanteriebrigade in Grafenwöhr (Bayern) betroffen sein.
Drohnenflotte: Während das aktive Heer verringert wird, soll die Drohnenflotte gestärkt werden. Nach Angaben des "Wall Street Journal" will Panetta den Bestand an unbemannten Flugzeugen in den nächsten Jahren um 30 Prozent steigern. Die Ausgaben des US-Militärs für die unbemannten Flieger haben sich zwischen 2002 und 2011 von 550 Millionen auf fast fünf Milliarden Dollar nahezu verzehnfacht.
Kampfjets F-35: Die Regierung will auch weiterhin am größten Rüstungsprojekt festhalten, der Beschaffung von rund hundert Mehrzweckkampfflugzeugen F-35. Allerdings werden die Bestellungen Panetta zufolge wegen des geringen Budgets hinausgezögert.