Krise am Persischen Golf Briten trommeln für Schutzmission - Iran droht

Großbritannien plant eine europäisch geführte Aktion zum Schutz von Tankern im Persischen Golf - und findet offenbar Mitstreiter. Teheran stellt klar: Eine Störung des Schiffsverkehrs wird man nicht hinnehmen.

Ein Mitglied der Iranischen Revolutionsgarden steht auf dem festgesetzten britischen Tanker "Stena Impero"
AFP

Ein Mitglied der Iranischen Revolutionsgarden steht auf dem festgesetzten britischen Tanker "Stena Impero"


Mehrere europäische Staaten unterstützen Insidern zufolge einen britischen Plan für einen europäischen Einsatz zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Dabei handle es sich zunächst um Frankreich, Italien und Dänemark, sagten drei hochrangige EU-Diplomaten am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Niederlande prüften den Vorschlag ebenfalls. Interesse hätten zudem Deutschland, Polen und Schweden signalisiert. Die Briten legten demnach den Vorschlag bei einem Treffen von hochrangigen EU-Diplomaten in Brüssel vor. Er sei für die Europäer attraktiver als ein ähnlicher, kürzlich vorgebrachter US-Vorschlag, da der europäische Vorstoß nicht mit Maßnahmen gegen Iran verknüpft worden sei, sagte einer der Diplomaten.

Tatsächlich sollten die USA, die Europäische Union und die Nato nicht direkt an der Mission beteiligt sein, hieß es aus den EU-Kreisen weiter. Neben Schiffen dürften auch Flugzeuge zum Einsatz kommen, Großbritannien und Frankreich könnten gemeinsam das Kommando führen.

Enge Zusammenarbeit zwischen London, Paris und Berlin

Aus deutschen Diplomatenkreisen verlautete, Bundesaußenminister Heiko Maas stehe in engem Kontakt mit seinen Kollegen Jeremy Hunt aus Großbritannien und Jean-Yves Le Drian aus Frankreich bezüglich der Frage der Sicherheit im Golf. Le Drian sprach am Dienstag vor der französischen Nationalversammlung von einer Mission zur "Kontrolle und Beobachtung der maritimen Sicherheit" am Persischen Golf.

In entsprechende Planungen sei neben London auch Berlin eng eingebunden, so der französische Minister. Er traf vor seiner Rede im Parlament mit dem iranischen Vize-Außenminister Abbas Araktschi zusammen. Bei seinem Besuch betonte der Iraner zwar die Bedeutung der diplomatischen Verhandlungen in der angespannten Lage.

Im Video: Die Festsetzung der "Stena Impero"

REUTERS

Zugleich erklärte er: "Iran wird seine größten Anstrengungen unternehmen, um die Region zu sichern, insbesondere die Straße von Hormus." Beeinträchtigungen der Schifffahrt in diesem sensiblen Gebiet würden "nicht hingenommen", so Araktschi weiter; eine Anmerkung, die auf die verschiedenen Gedankenspiele zu einer internationalen Mission im Golf abgezielt haben dürfte.

Deutsche Reeder halten gemeinsame Mission für gute Idee

Iran hatte zuletzt einen britischen Tanker festgesetzt und damit die Spannungen in der Region erhöht. Die Straße von Hormus ist von großer Bedeutung für die weltweite Ölverschiffung.

Die deutschen Reeder begrüßten den jüngsten Vorstoß für eine europäische Militärmission zum Schutz von Handelsschiffen. "Die Überlegung der Briten zu einer Schutzmission ist nachvollziehbar", sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder, der Deutschen Presse-Agentur. Die Festsetzung eines britischen Tankers durch Iran rühre "am Nerv der gesamten zivilen Handelsschifffahrt, nämlich der völkerrechtlich garantierten freien und sicheren Nutzung der Seewege".

jok/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 94 Beiträge
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claus7447 24.07.2019
1. Ob die deutsche Marine..
... auch noch den Golf verstopft. Am ehesten könnte ich mir eine zusätzliche Einsatzerweiterung des AWACS vorstellen. Alles andere dürfte schon im Parlament scheitern.
Bananenschale 24.07.2019
2. dt. Soldaten
Sorgen muß man sich nicht machen. Die Bundeswehr ist ja kaputt. Z.B. sind dt. Versorgungsschiffe nicht einsatzklar. Wie wollen dt. Fregatten in der Region operieren, wenn sie nicht Betteln gehen sollen? Das Ganze ist wohl eher eine symbolische Show, die die Ölmärkte etwas beruhigen soll. Im Zweifelsfalle müßte eh der Ami ran. Und es geht natürlich auch darum, diesen von gröberen Dummheiten abzuhalten. Man spielt halt gern.
Grummelchen321 24.07.2019
3. Warum sollte
sich Festlandeuropa an einer militärischen Mission im Persischen Golf beteiligen.GB will im September aus der EU austreten.Bisher hat Europa ja signalisiert das der Iran das Atomabkommen ein hielt und man daran festhalten wolle. Man sollte sich nicht durch die Englische Hintertür vom komischen orangenen Mann in den US-Konflikt mit hinein ziehen lassen.
gerd.moch 24.07.2019
4. einfache Lösung
Die Europäer könnten sich den Aufwand und das Geld sparen. Die Engländer müssen einfach den festgesetzten, iranischen Öltanker freigeben, der in Gibraltar beschlagnahmt wurde.
Korken 24.07.2019
5. Für was
Bisher ist nicht erkennbar, dass irgendein europäisches Land Probleme an der Hormus Straße hat (außer GB, aber der Grund ist ja bekannt). Müssen dafür nun wieder Millionen und Milliarden rausgepulvert werden?
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