Peru Ex-Präsident Fujimori begnadigt

In Peru ist der ehemalige Staatschef Alberto Fujimori aus humanitären Gründen begnadigt worden - einen Tag nach dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren des amtierenden Staatschefs. Gegner vermuten einen Zusammenhang.
Fujimori-Unterstützer in Lima

Fujimori-Unterstützer in Lima

Foto: GUADALUPE PARDO/ REUTERS

Alberto Fujimori soll für die Ermordung von 25 Zivilisten Anfang der Neunzigerjahre verantwortlich sein, der ehemalige peruanische Staatschef ließ seine Gegner bespitzeln und hetzte Todesschwadronen auf Studenten. Für seine Taten war er vor zehn Jahren zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.

Nun hat ihn Perus Staatschef Pedro Pablo Kuczynski aus humanitären Gründen begnadigt, wie die Präsidialkanzlei in Lima mitteilte. Der Ex-Präsident, der von 1990 bis 2000 das Land führte, gilt als herzkrank. Er war am Samstag ins Krankenhaus gebracht worden.

Die Entscheidung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Fujimoris Sohn, Kenji, hatte am Donnerstag nicht wie erwartet für die Amtsenthebung Kuczynskis gestimmt. Nun kursieren Gerüchte, Kenji Fujimori hätte sich mit dem Staatschef abgestimmt.

Die Enthaltung von Kenji und neun weiteren Abgeordneten verhinderte die geplante Absetzung. Angeblich soll ihm im Gegenzug die Freilassung des Vaters zugesichert worden sein.

Alberto Fujimori

Alberto Fujimori

Foto: ENRIQUE CASTRO-MENDIVIL/ REUTERS

Die Oppositionspartei Fuerza Popular (FP), der Kenji Fujimori angehört, hatte wegen angeblicher Korruptionsvorwürfe ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Federführend war Fujimoris Tochter Keiko, die 2016 die Wahl gegen Kuczynski verloren hatte.

Die Familie prägt seit Jahrzehnten die Politik: Vater Alberto Fujimori entmachtete seinerzeit das Parlament und kämpfte rigoros gegen die Guerilla des Leuchtenden Pfads.

In sozialen Medien war von Gegnern Fujimoris von einem Verrat Kuczynskis die Rede. Dem Gesetz zufolge ist eine Begnadigung nur bei einer schweren Erkrankung möglich und wurde zuvor mehrfach abgelehnt.

kha/AFP