Peru Streit um Fujimoris Nachfolge

Nach dem angekündigten Rücktritt von Präsident Alberto Fujimori ist in Peru die Diskussion um seinen Nachfolger entbrannt. Trotzdem feierten viele Menschen den Abgang Fujimoris auf den Straßen.


Fujimoris Rücktritt: Freude in Peru
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Fujimoris Rücktritt: Freude in Peru

Eigentlich wäre Vizepräsident Vladimiro Montesinos laut Verfassung Nachfolger Fujimoris, doch er hatte im Zuge der seit Monaten andauernden Korruptionsaffäre in dem südamerikanischen Land selber seinen Hut genommen. Jedoch wurde der Rücktritt vom Parlament noch nicht angenommen. Wegen der unklaren juristischen Lage will der zweite Stellvertreter des Präsidenten, Ricardo Marquez, Fujimori politisch beerben. Bis zu den für April geplanten Wahlen und der Amtsübernahme eines neuen Präsidenten im Juli soll Marquez die Amtsgeschäfte des Präsidenten führen.

Aber Marquez ist umstritten. Der im Mai bei umstrittenen Präsidentschaftswahlen unterlegene Oppositionsführer Alejandro Toledo nannte ihn ungeeignet als Übergangspräsident. Marquez habe eine zu enge Verbindung zu Fujimori gehabt, dem vorgeworfen wird, indirekt oppositionelle Politiker bestochen zu haben.

Marquez sagte am Sonntag im Rundfunk, Fujimori habe ihn gebeten, seine Nachfolge anzutreten. Er rief den Präsidenten, der sich zurzeit in Japan aufhält und gegen den ein Amtsenthebungsverfahren läuft, zur Rückkehr nach Peru auf. "Wir sind alle empört über die Haltung des Präsidenten. Er hat eine moralischer Verpflichtung gegenüber dem Volk, die er einhalten sollte", sagte Marquez.

Rücktritt per E-Mail?

Fujimori hatte am frühen Montagmorgen bei einem Aufenthalt in Tokio die Absicht bestätigt, innerhalb der kommenden 48 Stunden zurückzutreten. Nach Angaben von Marquez will der Präsident, der seit zehn Jahren in Peru die Regierung leitet, am Montag seine Demission per E-Mail einreichen.

Es ist unklar, ob der aus Japan stammende Fujimori nach Peru zurückkehren will. Die Regierung in Tokio erklärte, er habe bislang keinen Asylantrag gestellt. Ein Sprecher des Außenministeriums machte keine Angaben darüber, wie lange Fujimori im Land bleiben dürfe. Sein Visum sei jedoch zunächst für ein Jahr gültig. Fujimori weigerte sich unterdessen, in Tokio vor die Presse zu treten. Seine Erklärung wurde von einem Vertreter der peruanischen Botschaft vorgelegt.

In der Öffentlichkeit wurde gemutmaßt, Fujimori, der 20 Koffer als Reisegepäck mitgenommen hatte, könne gar nicht gar nicht mehr nach Peru zurückkehren. Die Presseagentur Imediaperu.com berichtete am Sonntag, er könne in Japan bleiben, ohne politisches Asyl zu beantragen. Da seine Eltern Japaner waren, habe er die japanische Staatsangehörigkeit nie verloren.

Auch das Kabinett reichte geschlossen seinen Rücktritt ein. Die Minister erklärten jedoch, sie würden ihre Ämter bis zur Ernennung einer Übergangsregierung weiterführen.

Feiern auf den Straßen

In der Hauptstadt Lima, in Arequipa und anderen Städten kam es nach der Rücktrittsankündigung Fujimoris zu spontanen Freudenfesten. "Die Diktatur ist gefallen", war der am häufigsten gehörte Sprechchor.



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