Peschawar Mehr als 100 Tote bei Anschlag in Pakistan

Bei einem Anschlag in Peschawar im Nordwesten Pakistans sind mehr als 100 Menschen getötet worden. Mehr als 150 weitere wurden verletzt. Die Autobombe explodierte kurz nach der Ankunft von US-Außenministerin Clinton in der Hauptstadt Islamabad.

Anschlagsort in Peschawar: Autobombe tötete Dutzende Menschen
DPA

Anschlagsort in Peschawar: Autobombe tötete Dutzende Menschen


Islamabad - Bei einem Anschlag auf einen Marktplatz in der Stadt Peschawar im Nordwesten Pakistans sind nach Angaben des Senders Geo TV mindestens 105 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 150 weitere wurden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE verletzt. Ein Polizeisprecher sagte, die Hilfskräfte rechneten damit, dass die Anzahl der Opfer noch steigt. Unter den Trümmern lägen vermutlich noch viele Verschüttete.

Die Autobombe explodierte in einer gut besuchten Geschäftsstraße in Peepl Mandi, einem Viertel, in dem viele Schiiten leben. Auf dem Markt kaufen vor allem Frauen ein, daher handelt es sich überwiegend um weibliche Opfer. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie ein Haus nach der Detonation einstürzte und mehrere Läden Feuer fingen. Nach der Explosion brach ein Großbrand aus. Die Rettungskräfte hatten zunächst Schwierigkeiten, sich durch die belebten Straßen an den Unfallort vorzukämpfen.

Hillary Clinton war kurz zuvor am Mittwochmorgen zu ihrem ersten Besuch als US-Außenministerin in Pakistan eingetroffen. Sie befindet sich in der Hauptstadt Islamabad, die etwa drei Autostunden von Peschawar entfernt liegt. Auf ihrem Flug nach Pakistan lobte sie die Offensive der pakistanischen Armee gegen die Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan. "Wir bewundern, was das pakistanische Militär macht", sagte sie. Der Kampf gegen die Extremisten sei auch im Interesse Pakistans.

Nach Angaben der Armee sind seit Beginn der Offensive im Stammesgebiet Süd-Waziristan am 17. Oktober etwa 240 Aufständische und 30 Soldaten getötet worden. Im Gegenzug haben die Taliban ihre Anschläge im Land verschärft, die allein im Oktober mehr als 200 Menschen das Leben kosteten.

Clinton will bei der dreitägigen Visite mit der politischen und der militärischen Führung des Landes zusammentreffen. Außerdem sind Gespräche mit Stammesältesten aus der unruhigen Nordwest-Grenzregion und Wirtschaftsvertretern geplant. Pakistan ist ein wichtiger Verbündeter Washingtons im Kampf gegen den Terrorismus.

kaz/ffr/AP/dpa/AFP/Reuters



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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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