Ex-CIA-Chef Petraeus beendete Liebesaffäre vor vier Monaten

Das Weiße Haus war ahnungslos, der Kongress wusste von nichts - aber das FBI hatte seit vergangenem Sommer Informationen über die Ehebruch-Affäre des zurückgetretenen CIA-Chefs Petraeus. Offenbar zog er selbst einen Schlussstrich unter die Beziehung zu seiner Biografin.

Ex-CIA-Chef Petraeus: Über eine Liebesaffäre gestolpert
AFP

Ex-CIA-Chef Petraeus: Über eine Liebesaffäre gestolpert


Washington - Es müssen schwere Tage für David Petraeus sein: Der frühere CIA-Chef, der wegen einer Liebesaffäre seinen Rücktritt eingereicht hatte, sei "am Boden zerstört", zitierte der US-Sender NBC Steve Boylan, einen früheren Weggefährten Petraeus'. Boylan hat dem Bericht zufolge am vergangenen Wochenende mit Petraeus über die Affäre gesprochen. Petraeus' langjährige Ehefrau Holly sei "aufgebracht" über das geheime Leben ihres Mannes.

Die außereheliche Beziehung zu seiner Biografin Paula Broadwell hat Petraeus demnach vor rund vier Monaten beendet - seinen Posten konnte er dennoch nicht mehr retten.

Seit Monaten hatten Ermittler der US-Bundespolizei FBI Kenntnis von dem Fall. Die brisanten Informationen von FBI-Experten über die Liebesaffäre gingen offenbar bereits im späten Sommer an hochrangige Vertreter der US-Bundespolizei und des Justizministeriums. Aber der Kreis derer, die Kenntnis erhielten, blieb ausgesprochen klein. Nichts sollte nach außen dringen - dem Zeitungsbericht zufolge unter anderem deshalb, weil die FBI-Untersuchungen als nicht abgeschlossen galten.

Man habe keine Anzeichen von Sicherheitsrisiken entdeckt, die sofortiges Handeln erfordert hätten, und auch auf die Privatsphäre der Betroffenen achten müssen, hieß es demnach bei den Ermittlern.

Empörte Kongressmitglieder

Im US-Kongress wurde jetzt Kritik an der zögerlichen Informationspolitik der Regierung laut. Sollte die nationale Sicherheit durch die Affäre bedroht gewesen sein, hätten sie früher über die Angelegenheit unterrichtet werden müssen, hieß es aus Kreisen der Abgeordneten.

Einige Kongressmitglieder, die für Geheimdienstfragen zuständig sind, waren ausgesprochen verärgert: "Wir erhielten keine Vorwarnung. Es war, als habe der Blitz eingeschlagen", sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorsteht, am Sonntag.

Sie und ihre Kollegen forderten, mehr Einzelheiten über die FBI-Ermittlungen zu erfahren, in deren Zuge die Affäre zwischen dem 60-jährigen CIA-Chef und seiner 40-jährigen Biografin aufgedeckt wurde. Sie wollten erfahren, wann das FBI die Spur zu Petraeus gefunden hat, ob die nationale Sicherheit gefährdet war und warum sie nicht früher informiert wurden.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses, der Republikaner Peter King, sagte, die Umstände der Untersuchung röchen nach einer Vertuschungsaktion des Weißen Hauses. "Es scheint, die Untersuchung hat bereits mehrere Monate angedauert. Nun heißt es, das FBI hätte bis zum Wahltag nicht realisiert, dass Petraeus involviert war", sagte King in Anspielung auf die Präsidentschaftswahl Anfang vergangener Woche.

Fotostrecke

21  Bilder
David Petraeus: Der Vorzeige-General und die Elite-Soldatin
Am Sonntagabend (Ortszeit) meldete sich erstmals jene Frau zu Wort, die die FBI-Ermittlungen zur Affäre von Petraeus mit seiner Biografin ausgelöst hatte. Sie ist demnach seit Jahren mit Petraeus und dessen Frau Holly befreundet.

Die als 37-jährige Jill Kelley identifizierte Frau hatte nach Angaben der "New York Times" ein halbes Dutzend anonyme Droh-Mails erhalten und sich dann aus Angst an die Bundespolizei gewandt. In den Mails wurde ihr demnach unterstellt, sie mache Petraeus schöne Augen. Als das FBI nach dem Absender forschte, stieß es den Berichten zufolge auf intime Mails, die Petraeus Broadwell geschickt hatte.

Kelley lernte Petraeus und dessen Frau offenbar kennen, als der General Chef des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) war. Ihre Beziehung zu Petraeus sei rein platonisch gewesen, wurden Bekannte von ihr zitiert. Kelley und ihr Mann Scott selbst veröffentlichten am Sonntagabend (Ortszeit) eine Erklärung, in der es hieß, sie seien "seit mehr als fünf Jahren mit General Petraeus und seiner Familie befreundet". Zugleich baten sie darum, ihre Privatsphäre zu respektierten.

Geheimdienstdirektor legte Petraeus den Rücktritt nahe

Der "New York Times" zufolge begann die Affäre zwischen Broadwell und Petraeus im November, nach dem Ausscheiden des Generals aus dem Militär und etwa zwei Monate, nachdem er zum CIA-Chef berufen worden war.

Wie es in der "New York Times" weiter hieß, vernahm das FBI die Biografin Broadwell erstmals in der Woche vom 21. Oktober. Die 40-Jährige habe die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer herausgerückt. Das FBI habe darin mehrere geheime Dokumente gefunden. Die Untersuchungen hätten sich dann darauf konzentriert, ob diese Papiere von Petraeus stammten.

Der CIA-Chef selbst sei erstmals Ende Oktober befragt worden. Er habe ebenfalls die Affäre eingestanden, aber es wie Broadwell kategorisch verneint, dass er seiner Geliebten die geheimen Dokumente gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt sei das FBI zu dem Schluss gekommen, dass Petraeus offensichtlich kein Verbrechen begangen habe und keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten seien.

Nach Angaben der "New York Times" informierte das Justizministerium, dem das FBI unterstellt ist, dann am Abend des Wahltags am 6. November den Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper. Er ist der Chefkoordinator aller 17 US-Geheimdienste. Clapper, so hieß es weiter, legte Petraeus den Rücktritt nahe und informierte am vergangenen Mittwoch das Weiße Haus.

hen/dpa



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
beblein 12.11.2012
1. General undLiebe
Was soll das Geschrei? Um Clinton hat sich seit Jahren keiner aufgeregt. Als der Skandal bis zum Impeachment aufgearbeitet wurde ging frei aus. Heute redet er lustig dummes Zeug und alles ist bestens.
janne2109 12.11.2012
2. .......
schöner Satz-- seine Frau ist aufgebracht. Das wäre ich auch, am meisten über die Kreise die das Ding weltweit zieht. Abgesehen davon sieht man wieder mal wie Frauen untereinander sind. Erst mit Hilfe einer zweiten Frau ( NICHT MANN) ist die Bombe geplatzt. Ich weiss schon warum Männer meine besten Freundinnen sind.
turo 12.11.2012
3. zum Glück hat Spon nicht wie focus
getitelt "Sexaffäre Petraeus " Sie war seine Biografin. Ich kann mir vorstellen, dass man in dieser Situation sehr viel Persönliches von sich freigibt. Ich glaube nicht, dass der SEX bei den Beiden im Vordergrund stand. Im Vordergrund stand die enge Vertraulichkeit. Warum sollte die angebliche Affäre Obama schaden? Petraeus ist Republikaner. Er hat sich, wenn überhaupt nur selbst geschadet. Eine Liebesbeziehung bedeutet doch nicht Landesverrat. Wenn Verrat, dann Verrat an den jeweiligen Ehepartner. Beide sind verheiratet. Der Ehemann von ihr ist ein bekannter Arzt (Radiologe).
Spiegelleserin57 12.11.2012
4. Gedanken...
wenn überhaupt geht das das Ehepaar privat etwas an! Die aufgebrachte Ehefrau sollte sich auch mal Gedanken machen warum soetwas passiert. Von nichts kommt nichts. Die Bilder sagen auch etwas aus. Anstatt "aufgebracht " zu sein wäre eine klärendes Gespräch wohl sinnvoller. Hier haben auch extrem viele Männer eine außereheliche Beziehung. Die liebe Presse sollte nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen. Ich möchte nicht wissen was sich unter unseren Politikern alles abspielt, nur in Deutschland werden solche privaten Geschichten eben nicht so ausposaunt!
darthmax 12.11.2012
5. Affären
Da sind unsere amerikanischen Freunde wohl leicht irre, solange keine Agentinnen fremder Mächte sich auf diese Art Informationen besorgen, wen juckt es ausser der betrogenen Ehefrau ? Es gäbe in Deutschland/Europa wohl kaum noch Amtsinhaber, bei gleicher Betrachtungsweise.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.