Pharma-Affäre US-Behörde spionierte eigene Wissenschaftler aus

Eine Spitzel-Affäre erschüttert die US-Behörde FDA. Diese hat offenbar Tausende Mails von Wissenschaftlern abgefangen. Damit habe man die Verbreitung von "diffamierenden Informationen" verhindern wollen. Einige E-Mails sind laut "New York Times" sogar an das Weiße Haus gegangen.
Wissenschaftler der FDA (Archivbild): Massive Vorwürfe gegen die US-Behörde

Wissenschaftler der FDA (Archivbild): Massive Vorwürfe gegen die US-Behörde

Foto: JASON REED/ REUTERS

Washington - Eigentlich ist die Food and Drug Administration (FDA) dazu da, Lebensmittel und Arzneimittel auf dem US-Markt zu kontrollieren. Spätestens seit dem Jahr 2010 haben einige Mitarbeiter der Behörde ihre Kontrollbefugnis jedoch massiv ausgeweitet - und die eigenen Angestellten überwacht. Tausende E-Mails wurden laut "New York Times" mitgelesen, die Affäre sorgt in den USA für großen Wirbel.

Was laut FDA als "kleine interne Ermittlung" begann, weitet sich zu einem handfesten Datenschutz-Skandal aus. Private E-Mails von insgesamt 21 Angestellten an Kongressmitglieder, Rechtsanwälte, Journalisten und sogar an Präsident Barack Obama seien mit Hilfe von Spionage-Computersoftware abgefangen worden.

Die Programme hätten Tastenanschläge auf Computern registriert, ganze Dokumente kopiert und sogar E-Mails Zeile für Zeile übertragen, während diese geschrieben wurden. Laut "New York Times" hat die Software sowohl auf Arbeitscomputer als auch auf private Geräte zugegriffen.

Die FDA hat einen Teil der Vorwürfe inzwischen eingeräumt. Man habe eine mutmaßliche "Kollaboration" von internen und externen Gegnern zur Verbreitung "diffamierender Informationen" über die Behörde verhindern wollen.

Ausgangspunkt ist ein bitterer jahrelanger Disput zwischen ursprünglich fünf Wissenschaftlern und ihren Vorgesetzten. Die Angestellten hätten der Behörde vorgeworfen, aufgrund fehlerhafter Prozeduren Geräte für Mammografien und Darmspiegelungen zugelassen zu haben, die Patienten gefährlicher Strahlung ausgesetzt hätten. Laut einem internen Regierungsbericht sind die Vorwürfe konkret genug, um zumindest eine gründliche Untersuchung zu rechtfertigen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten einige Wissenschaftler bemerkt, dass Dutzende ihrer E-Mails offensichtlich mitgelesen wurden. Schon damals leiteten sie rechtliche Schritte ein. Das ganze Ausmaß der Spähaktion ist jedoch erst jetzt, unter anderem durch die Recherchen der "New York Times", bekannt geworden. Insgesamt sind demnach bis zu 80.000 Nachrichten, Dokumente und Protokolle mitgelesen oder gespeichert worden.

Publik wurde die Affäre offenbar erst durch einen Fehler eines FDA-Spitzels. Dieser speicherte laut "New York Times" einen großen Teil der abgefangenen Dokumente auf einer öffentlich zugänglich Internetseite. Unklar ist bisher noch, wer die groß angelegte Überwachung angeordnet hat.

jok/dpa
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