Kämpfe auf Philippinen Bürgermeister von umkämpfter Stadt appelliert an Armee

Auf der philippinischen Insel Mindanao liefern sich mutmaßliche IS-Anhänger und Armee schwere Gefechte. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Präsident Duterte hat das Kriegsrecht verhängt - und droht damit, die Lage zu eskalieren.

Soldaten in Marawi
REUTERS

Soldaten in Marawi


Bei Kämpfen zwischen islamistischen Rebellen und Regierungstruppen auf den Philippinen sind nach Angaben des Militärs mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen.

Bürgermeister Majul Gandamra appellierte an die Armee, Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen. Wegen der Kämpfe in der Stadt Marawi sind nach Berichten von Augenzeugen Zehntausende auf der Flucht. Normalerweise zählt die Stadt auf der Insel Mindanao, der zweitgrößten Insel des Landes, mehr als 200.000 Einwohner.

Der Bürgermeister appellierte im Rundfunk an die Armee: "Lasst uns den Einsatz von schwerer Artillerie begrenzen." In vielen Teilen der Stadt war Mörserfeuer zu hören. Zudem warf die Luftwaffe Bomben über mutmaßlichen Verstecken der Rebellen ab. Gandamra zufolge sind viele Menschen in ihren Häusern gefangen. Vermutet wird, dass sich noch etwa 40 Rebellen in der Stadt aufhalten. Sie sollen zudem mehr als ein Dutzend Geiseln genommen haben.

Bei den Islamisten handelt es sich überwiegend um Angehörige einer lokalen Terrorgruppe, die dem "Islamischen Staat" (IS) Treue geschworen hat. Nach Angaben eines Militärsprechers haben sie Unterstützung von Islamisten aus anderen asiatischen Staaten wie Singapur, Indonesien und Malaysia. Von 31 getöteten Rebellen kommen demnach sechs aus dem Ausland. Wie eng die Kontakte zum IS tatsächlich sind, ist jedoch umstritten.

Kriegsrecht verhängt

Wegen der Kämpfe hatte Präsident Rodrigo Duterte am Dienstag das Kriegsrecht über die gesamte Insel verhängt. Auf Mindanao leben insgesamt mehr als 20 Millionen Menschen. Zudem drohte Duterte damit, das Kriegsrecht zu verlängern und auf das gesamte Land auszuweiten. Er begründet dies damit, dass er verhindern müsse, dass der IS auf den Philippinen weiter an Einfluss gewinnt. Mit dem Erlass wird sich am Montag der Kongress befassen, also beide Kammern des philippinischen Parlaments.

Das Kriegsrecht auf Mindanao gilt zunächst für 60 Tage. Von Menschenrechtlern gab es Kritik. Die Verhängung des Kriegsrechts weckt Erinnerungen an den früheren Diktator Ferdinand Marcos (1917-1989), der auf diese Weise seine Macht gefestigt hatte. Damals wurden Tausende Marcos-Gegner willkürlich getötet. Zehntausende wurden inhaftiert und gefoltert.

kev/AFP/dpa



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