Wahlfavorit Duterte Der Trump der Philippinen

Den Papst nannte er einen "Hurensohn", mit Drogendealern und Kriminellen will er kurzen Prozess machen: Der 71-jährige Rodrigo Duterte ist der große Favorit der Präsidentenwahl auf den Philippinen.

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Der philippinische Präsident Benigno Aquino warnte bis zuletzt: "Diese brutalen Rüpel" dürften nicht an die Macht kommen, sonst gebe es "dieselbe Tyrannei und dieselben Probleme" wie vor 30 Jahren. Während der Diktatur unter Staatschef Ferdinand Marcos war Aquinos Vater, ein führender Oppositionspolitiker, 1983 ermordet worden.

Doch die Warnung ist offenbar vergeblich: In den letzten Umfragen vor dem Beginn der Präsidentenwahl am Montag lag Duterte mit weitem Abstand in Führung. Der 71-Jährige ist Bürgermeister der Millionenstadt Davao auf Mindanao im Süden des Landes. Kritiker sehen in ihm einen kommenden Diktator. Im Wahlkampf präsentierte sich Duterte mit markigen Sprüchen wie eine philippinische Version des US-Präsidentschaftsanwärters Donald Trump:

  • Mit Drogendealern und Kriminellen will Duterte kurzen Prozess machen. "Wenn ich Präsident bin, mache ich in sechs Monaten Schluss mit der Kriminalität", kündigte er an. "Richtet mehr Beerdigungsinstitute ein."

In seiner Heimatstadt Davao wurden nach Angaben von Menschenrechtlern seit 1998 mehr als 1400 Menschen getötet. Er steht im Verdacht, brutale Bürgerwehren organisiert oder zumindest toleriert zu haben, die gegen mutmaßliche Kriminelle und Straßenkinder vorgehen.

  • Duterte bestreitet zwar, dass er Todesschwadronen unterhält. Er sagt aber auch: "Wer nicht weiß, wie man jemanden umbringt und Angst vor dem Sterben hat, ist nicht fit, Präsident zu werden."
  • Im Wahlkampf drohte er außerdem damit, das Parlament aufzulösen und das Kriegsrecht zu verhängen, sollten die Abgeordneten seinen Anweisungen nicht folgen.

Duterte ist für derbe Aussagen bekannt. Papst Franziskus bezeichnete er einmal als "Hurensohn". Bei einer Wahlkampfveranstaltung im April äußerte er sich unter dem Gelächter seiner Anhänger zur Vergewaltigung und Ermordung einer australischen Missionarin in seiner Heimatstadt Davao: ""Ich war wütend, dass sie vergewaltigt wurde. Das ist die eine Sache. Doch sie war so schön. Ich dachte, der Bürgermeister hätte der Erste sein sollen."

Die Äußerung, die durch ein Internetvideo bekannt geworden war, wurde von der katholischen Kirche, von Frauenrechtsgruppen sowie von den Botschaftern Australiens und der USA scharf kritisiert. Duterte drohte daraufhin damit, um Fall seines Wahlsiegs die diplomatischen Beziehungen zu den beiden Ländern abzubrechen. Später entschuldigte Duterte sich für diese Aussage.

Bevor die rund 54 Millionen überwiegend katholischen stimmberechtigten Philippinen am Montag mit der Wahl begannen, lag Duterte trotz - oder wegen - seiner Sprüche mit 33 Prozent in Führung. Auf gut 20 Prozent kamen der Kandidat der jetzigen Regierung, Ex-Innenminister Mar Roxas, und Senatorin Grace Poe. Roxas gilt jedoch als farblos, Poe als unerfahren. Amtsinhaber Aquino darf nicht wieder antreten.

Ein Wahlkampf der Gewalt

Der Wahlkampf wurde von Gewalt überschattet. Mindestens 15 Menschen starben in den Monaten vor der Abstimmung. Landesweit ist daher ein großes Aufgebot der Sicherheitskräfte im Einsatz.

Wie Trump in den USA gilt auch Duterte als Gegenentwurf zum politischen Establishment. Die Philippinen sind zwar seit dem Sturz von Diktator Marcos 1986 eine Demokratie. Doch viele Politiker wirtschaften bis heute in die eigene Tasche. Nach wie vor lebt ein Viertel der gut 100 Millionen Menschen in Armut. "Die Leute wollen jetzt einen Macher", glaubt Benedikt Seemann von der Adenauer-Stiftung. "Duterte ist die Personifizierung von 'Recht und Ordnung', wobei es bei ihm wohl mehr um Ordnung als um Recht geht."

Duterte ist mit kurzer Unterbrechung seit 30 Jahren Bürgermeister von Davao. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, studierte Jura und war zeitweise sogar Staatsanwalt. In seiner Heimatstadt sind praktisch alle glühende Duterte-Fans. "Wenn Duterte für das Land tun kann, was er für uns in Davao getan hat, wäre das doch wunderbar", sagt die Unternehmerin Catherine Beling. Er habe die Stadt mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern aufgeräumt und sicher gemacht. Tatsächlich sind die Straßen blitzsauber gefegt, Rauchen ist weitgehend verboten, außer auf Parkplätzen. Autos halten sich an Tempo 30, jeder ist angeschnallt. Minderjährige dürfen ohne Begleitung nach 22 Uhr nicht mehr auf die Straße.

Doch bei aller Euphorie seiner Anhänger - sollte Duterte tatsächlich zum neuen Präsidenten gewählt werden und mit seiner Politik scheitern, könnte sich die Warnung seines Vorgängers Aquino vor einer neuen Tyrannei bewahrheiten: Denn für das Amt des Vizepräsidenten bewirbt sich Ferdinand "Bongbong" Marcos, Sohn des einstigen Diktators. Seine Mutter Imelda jubiliert bereits: "Wahrheit und Gerechtigkeit" würden jetzt endlich wiederkommen, kündigte die berüchtigte Witwe an - die mit 86 Jahren selbst für den Kongress kandidiert.

als/dpa/AFP/AP



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