Drogenkampf auf den Philippinen Duterte soll Morde selbst in Auftrag gegeben haben

Ein ehemaliger Polizist wirft dem philippinischen Präsidenten Duterte vor, die Todesschwadronen in seiner Heimatstadt direkt befehligt zu haben. Er soll die Auftragskiller gut bezahlt haben.
Rodrigo Duterte

Rodrigo Duterte

Foto: ERIK DE CASTRO/ REUTERS

Arturo Lascañas galt als einer der engsten Vertrauten des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Doch nun stellt sich der ehemalige Polizist gegen ihn: In einer Pressekonferenz beschuldigte Lascañas Duterte öffentlich, Morde an Drogenkriminellen und politischen Gegnern in Auftrag gegeben zu haben.

Duterte war, bevor er im vergangenen Jahr zum Präsidenten gewählt wurde, über Jahrzehnte Bürgermeister seiner Heimatstadt Davao. Dort regierte er brutal und sagte der Drogenkriminalität den Kampf an. Mindestens 1400 Menschen sollen durch Todesschwadronen getötet worden sein. Nach seinem Wahlsieg rief Duterte das "System Davao" für das ganze Land aus; in den vergangenen neun Monaten starben mindestens 7500 angebliche Drogenverdächtige, ein Großteil von ihnen wurde wohl von Auftragskillern getötet.

Eine direkte Verbindung Dutertes zu den Morden konnte ihm bislang zweifelsfrei noch nicht nachgewiesen werden, Menschenrechtsgruppen gehen aber schon lange davon aus. Deshalb sind die Behauptungen von Lascañas nun so brisant.

Duterte habe ihn persönlich beauftragt, zu töten, sagte Lascañas bei einer Pressekonferenz, die er selbst einberief. So sei er 2003 auf den Duterte-kritischen Radiomoderator Jun Pala angesetzt worden. Fast unter Tränen sagte er den Reportern: "Die Todesschwadronen gibt es." Duterte habe 20.000 Peso (umgerechnet etwa 373 Euro) für einen Mord bezahlt, manchmal auch das Vielfache, sagte er dem philippinischen Blog rappler.com  zufolge. Das durchschnittliche Jahresgehalt auf den Philippinen liegt bei etwa 3.100 Euro im Jahr, also weniger als 300 Euro im Monat.

Arturo Lascañas während seiner Pressekonferenz

Arturo Lascañas während seiner Pressekonferenz

Foto: Bullit Marquez/ dpa

Lascañas ist damit schon der zweite glaubwürdige Zeuge, der schwere Vorwürfe gegen den philippinischen Präsidenten öffentlich erhebt. Auch der Ex-Polizist Edgar Matobato hatte im Untersuchungsausschuss zu den Todesschwadronen von Davao gegen ihn ausgesagt (lesen Sie eine Reportage aus dem aktuellen SPIEGEL zu Matobato hier). Er will demnach gesehen haben, wie Duterte eigenhändig einen Mann erschoss, der schon verletzt auf dem Boden lag. Sprecher des Präsidenten wiesen das zurück.

Duterte spielt selbst öffentlichkeitswirksam mit dem harten Killer-Image. So spricht er immer wieder davon, wie gerne er alle Kriminellen in seinem Land "abschlachten" würde. 2015 sagte er in einer Radioshow: "Bin ich die Todesschwadron? Ja." Auch brüstete er sich damit, dass er einen Menschen umgebracht habe, um den Polizisten in seiner Heimatstadt zu zeigen, wie das gehe. Auf die Aussagen folgen allerdings jedes Mal Relativierungen: Das sei nicht wörtlich zu verstehen, verbreiteten Sprecher hinterher eilig.

Auch Lascañas hatte den Präsidenten im Untersuchungsausschuss im Oktober 2016 noch freigesprochen. Damals stritt er ab, dass es die von Matobato geschilderten Todesschwadronen gebe. Nun sagt er, dass er dessen Existenz auch bei einer Befragung durch die Regierung bestätigen würde. Vor den Konsequenzen schrecke er nicht zurück: "Auch wenn ich ermordet werde, erfüllt mich der Gedanke mit Zufriedenheit, dass ich mein Versprechen mit Gott eingelöst und öffentlich gebeichtet habe."

Die Menschenrechtsanwälte, die ihn verteidigen, nehmen an, dass Lascañas' Aussage zu einer Absetzung Dutertes führen könnten. Vom Präsidenten gab es keine unmittelbare Stellungnahme zu den Vorwürfen.

vks/AP