Philippinen Warum Duterte jetzt gegen den IS kämpft

Leichen auf der Straße, schwarze Fahnen an den Autos: Im Süden der Philippinen bekriegen sich Islamisten und Regierungstruppen. Präsident Duterte macht den "Islamischen Staat" für die Kämpfe verantwortlich.

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Bislang drehte sich die Präsidentschaft von Rodrigo Duterte vor allem um ein Thema: die Drogenkriminalität auf den Philippinen. Abschlachten wolle er die Kriminellen, verkündete der Politiker öffentlich. Mehr als 7000 Menschen kostete der radikale Kurs der Regierung bislang das Leben. Nun steht Duterte aber vor einem ganz anderen Problem: Die Sicherheitslage im Land droht zu eskalieren.

Seit einer Woche liefern sich Islamisten in der Stadt Marawi auf der südlichen Insel Mindanao Feuergefechte mit philippinischen Soldaten und Polizisten. An Autos der Terroristen wehen Fahnen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Mehr als hundert Menschen wurden bei den Kämpfen getötet, mindestens 2000 sind in von den Islamisten kontrollierten Stadtvierteln eingeschlossen. Duterte brach eine Moskau-Reise ab und verhängte den Kriegszustand über sein Land. In Marawi lägen Leichen auf den Straßen, berichten Hilfsorganisationen.

Aber was will der IS überhaupt auf den Philippinen? War die Entwicklung abzusehen? Und wie positionieren sich die anderen Rebellengruppen im Land? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

  • Wer kämpft in Marawi?

Ein Großteil der Terroristen gehört nach offiziellen Angaben der Gruppe Maute an, die in den vergangenen Jahren im Süden der Philippinen immer wieder in Anschläge verwickelt war und dem IS die Treue geschworen hat. Im vergangenen September etwa sollen sie 15 Menschen in Davao, Dutertes Heimatstadt, umgebracht haben. An ihrer Seite kämpfen Anhänger von Abu Sayyaf. Die Gruppe ist vor allem durch Piraterie und Entführungen von Westlern international bekannt. Im Februar töteten Terroristen von Abu Sayyaf eine deutsche Geisel und verbreiteten die Aufnahmen.

Das philippinische Militär geht zudem davon aus, dass sich ausländische Extremisten angeschlossen haben. Von den bislang mehr als 30 getöteten Terroristen soll es sich bei mindestens sechs um Männer aus Malaysia und Indonesien handeln. "Es gibt ausländische Elemente, die sich schon lange im Land aufhalten, um die Terroristen zu unterstützen, indem sie ihnen etwa das Bombenbauen beibringen", sagte Militärsprecher Restituto Padilla. Insgesamt werden etwa 400 bis 500 Terroristen in Marawi vermutet, jeder Zehnte soll aus dem Ausland dazu gekommen sein.

Das philippinische Militär versucht, die Islamisten mit Luftschlägen zur Aufgabe zu bewegen. Eine der stärksten Offensiven bislang traf aber vor allem die eigenen Soldaten: Zehn Regierungstruppen seien bei dem Luftschlag ums Leben gekommen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Bei einem weiteren Militärschlag der Armee wurden am Mittwoch sieben Soldaten verwundet. Verteidigungsminister Delfin Lorenzana sagte: "Es ist sehr traurig, dass wir unsere eigenen Truppen treffen." Es müsse Probleme bei der Ausführung geben, entweder bei der Navigation vom Boden aus oder beim Piloten selbst.

  • Warum sind die Kämpfe jetzt ausgebrochen?

Der Süden der Philippinen ist bereits seit Jahrzehnten Ort blutiger Ausschreitungen; muslimische Separatisten kämpfen in dem mehrheitlich katholischen Land seit den Sechzigerjahren für Autonomie. Grund dafür, dass sich die Situation nun noch einmal zugespitzt hat, ist eine missglückte Militäroffensive. Die philippinische Armee wollte dort unter anderem den Abu-Sayyaf-Anführer Isnilon Hapilon festnehmen. Er soll Medienberichten zufolge als möglicher IS-Anführer in Südostasien gehandelt worden sein - und hält sich wohl immer noch in Marawi versteckt.

FBI-Fahndungsfoto von Isnilon Hapilon
AP/ FBI

FBI-Fahndungsfoto von Isnilon Hapilon

  • Was will der IS auf den Philippinen?

Der Konflikt wird von Experten als Indiz für das Erstarken der Terrormiliz in der Region gewertet. "Der IS wird im Irak und in Syrien wieder zurückgedrängt, und nun breitet er sich in Südostasien aus", sagt Sicherheitsexperte Rohan Gunaratna der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Einschätzung teilt mittlerweile auch Präsident Duterte. Am Donnerstag verkündete er, die Kämpfe im Süden des Landes würden nicht von der Maute-Gruppe ausgeführt, sondern seien "purer IS". Dass sie sich nun in Mindanao festsetzten, sei seit langer Zeit geplant. Davor war Regierungslinie, die Beteiligung des IS abzustreiten.

Die Region gilt auch unter externen Beobachtern als mögliches Epizentrum; sie wird regelmäßig von Anschlägen erschüttert und ist besonders instabil. In Marawi kam es in der vergangenen Woche zum ersten Mal zu direkten Kämpfen zwischen philippinischen Regierungstruppen und IS-Anhängern. Die Extremisten sind dabei zwar zahlenmäßig klar unterlegen - es dürfte ihnen aber vor allem um Aufmerksamkeit gehen und das Rekrutieren neuer Anhänger.

  • Gibt es direkte Verbindungen zwischen den lokalen Gruppen und dem IS?

Es ist umstritten, ob es sich bei der Maute-Gruppe, die sich mit der IS-Fahne zeigt, um direkte Abgesandte der Dschihadistenmiliz handelt. "Man kann sie nicht als Verbündete bezeichnen, solange das nicht von einem hochrangigen IS-Vertreter bestätigt wird", sagt Ashley Acedillo vom Nationalen Sicherheitsrat dem TV-Sender ANC. "Es ist wichtig, dass wir Maute als Gruppe bezeichnen, die sich zum IS bekennt, aber noch nicht den Status eines Verbündeten hat."

Das philippinische Militär stritt bislang eine direkte Verbindung ab. "Wir vertreten den Standpunkt, dass es den IS auf den Philippinen nicht gibt", sagt Militärsprecher Edgard Arevalo. Bislang hätte die Miliz zehn Länder als "Provinzen des IS" bezeichnet: Kenia, Somalia, Nigeria, Ägypten, Marokko, Jordanien, Saudi Arabien, Jemen, Afghanistan und Pakistan. Die Philippinen seien noch nicht auf der Liste.

Das Institute for Policy Analysis of Confict (IPAC), ein Think-Tank aus Jakarta, hat bereits im vergangenen Jahr vier Islamisten-Gruppen in Mindanao aufgelistet, die mit dem IS sympathisieren und mit Dschihadisten in Malaysia und Indonesien konkret zusammenarbeiten - darunter Abu Sayyaf und Maute. IPAC warnt vor noch mehr Gewalt auf den Philippinen angesichts der "grenzübergreifenden extremistischen Operationen".

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Duterte-Regierung vs. Islamisten: Umkämpftes Mindanao
  • Welche Rolle spielen die kommunistischen Rebellen im Land?

Präsident Duterte hat die Separatisten und kommunistischen Rebellen im Süden aufgefordert, sich den Regierungstruppen anzuschließen und gegen die IS-Anhänger zu kämpfen. Die Rebellen würden das lokale Terrain bereits kennen und hätten Kampferfahrung. "Ihr wisst schon, wie man eine Waffe benutzt. Jetzt müsst ihr nur den Auslöser drücken", sagte Duterte. Er versprach den Rebellen, sie als Soldaten anzustellen - mit einem vergleichbaren Gehalt und einem eigenen Haus.

Ob die Rebellen das Angebot tatsächlich annehmen, ist noch nicht klar. "Wir stellen uns gegen alle Terrorgruppen", sagte der oberste Friedensverhandler der Kommunisten, Luis Jalandoni, dem TV-Sender ANC. "In diesem Sinne stehen wir auf der Seite der Duterte-Regierung gegen Abu Sayyaf und Maute."



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Alkyone 01.06.2017
1. .
Das Problem liegt wie immer bei den Saudis. Milliarden werden in diese Länder gepumpt, damit die radikale Vorstellung der Saudis Fuß fassen kann. Die Saudis haben freie Fahrt und der Westen im Gegenzug erhält die Zusicherung seiner Ölversorgung und schweigt zu allem.
Havel Pavel 01.06.2017
2. Hier ist die Allianz gegen den IS gefordert!
Hier zeigt sich wieder mal die typische Reaktion der gegen die IS kämpfenden Staaten, die ntürlich die Philippinen nun natürlich alleine lassen und sogar die Vorgehensweise ihres Präsidenten kritisieren anstatt dieses nicht gerade mit Reichtum gesegnete Land im Kampf gegen den islamistische Terror zu unterstützen. So erreicht man, dass der IS sich nun auch in den Philippinen ausbreiten kann und dort sich einen weiteren Rückzugsraum schafft, um von dort aus den Terror weltweit fortzuführen. Der Süden der Philippinen war schon jahrzehntelang immer von radikalen Moslembanden durchsetzt, die dort sogar bestimmte Inseln und Gebiete für sich beanspruchen. Nicht ausdenkbar, wenn sich dort das gleiche Szenario abspielen würde wie in einigen Staaten des Mittleren Ostens. Verhindern kann dies nur eine starke und wehrhafte Regierung und dies muss die Weltgemenschaft endlich erkennen, statt weder mal zu warten bis der Terror eskaliert und unzählige Opfer unter der philippinischen Bevölkerung fordert. Ich denke mal zumindest Trump und vor allem Putin dürften den Ernst der Lage erkennen und sich darüber bewusst sein, dass man die Philippinen hier keinesfalls mit dem Problem alleine lassen darf, sondern alle Hilfe gewähren muss, um den IS auch dort auszulöschen, damit er sich nicht wie ein Krebsgeschwür immer weiter verbreitet.
Atheist_Crusader 01.06.2017
3.
Zitat von AlkyoneDas Problem liegt wie immer bei den Saudis. Milliarden werden in diese Länder gepumpt, damit die radikale Vorstellung der Saudis Fuß fassen kann. Die Saudis haben freie Fahrt und der Westen im Gegenzug erhält die Zusicherung seiner Ölversorgung und schweigt zu allem.
"wie immer?" Die Saudis haben islamisches Überlegenheitsdenken und Intoleranz nicht erfunden. Sicher, sie gießen gerne Öl(Dollars) ins Feuer. Aber Feuer gibt es genug. Wenn Sie die Mitschuld des Rests der islamischen Welt an solchen Vorgängen abstreiten, dann degradieren Sie sie im Grunde zu dummen, unfähigen Kindern die die Saudis bräuchten um ihnen zu sagen was sie denken sollen.
mimoun74 01.06.2017
4. Echte Autonomie
Das die Maute keine IS ist weiß jeder der sich mit den Philippinen auskennt. Es geht eher darum das der Friedensprozess mit den gemäßigten Moro Befreiungsorganisationen (z.B. MILF) keine Ergebnisse bringt wie von den Moro gefordert. Im Prinzip ist Mindanao und die anderen südlicherer gelegen Inseln noch immer unter philippinischer Besatzung. Das Gebiet wird wirtschaftlich von Manila ausgebeutet aber die Einheimischen bekommen nichts ab. Stattdessen werden weiter fremde (katholische) Philippiner von der Hauptinsel angesiedelt und die muslimischen Ureinwohner marginalisiert. Solange es da keine Unabhängigkeit oder zumindestens eine wahre Autonomie gibt wird sich da wie in den letzen 50 Jahren nichts ändern.
rkinfo 01.06.2017
5. "Heute gehört uns das Öl und morgen die ganze Welt"
Zitat von AlkyoneDas Problem liegt wie immer bei den Saudis. Milliarden werden in diese Länder gepumpt, damit die radikale Vorstellung der Saudis Fuß fassen kann. Die Saudis haben freie Fahrt und der Westen im Gegenzug erhält die Zusicherung seiner Ölversorgung und schweigt zu allem.
Die ideologische Grundlage des IS und andere Islamisten ist nun mal der fundamentalistische Wahhabismus. Die Intoleranz gegenüber allen, die keine "echten Gläubigen" sind, prägt das Land und mal will möglichst alle Muslime auf Linie bringen. "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" - der gnadenlose Hass der Wahhabiten gegen gemäßigte Muslime und die Schitten bringt die Saudis daher zur echten Unterstützung des Westens in vielen Gebieten. Ginge morgen das Schittentum unter, hätten wir übermorgen weltweit Saudis & Verbündete, die den Westen angreifen würden. Wir sind also eher in Gefahr, als in Sicherheit.
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